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Verben verstehen – Sprachen beherrschen

Beim Lernen einer Fremdsprache können Verben einem oft Kopfzerbrechen bereiten: Warum haben französische Verben einen Subjonctif? Wann stehen spanische Verben im Perfekt? Kann man englische Verben konjugieren? Hier erfährst du, was Verben so alles draufhaben und wie du dich im Verb-Dschungel einer anderen Sprache zurechtfindest.

Was sind eigentlich Verben?

Wenn wir uns Sprache als einen Körper vorstellen, dann sind die Verben so etwas wie ihr Herz: Ohne sie geht gar nichts, zumindest kein kompletter Satz; denn fehlt einem Satz das Verb, gilt er als unvollständig. Nicht umsonst werden Verben auch Tätigkeitswörter genannt, mit ihnen drücken wir Handlungen oder Zustände wie gehen, lachen oder schlafen aus. Dabei ist Verb nicht gleich Verb, man unterscheidet zum Beispiel:

  • reflexive Verben die beschriebene Handlung bezieht sich auf den Sprechenden selbst; Beispiel: sich konzentrieren

  • modale Hilfsverben sie drücken Notwendigkeit oder Möglichkeit aus und erfordern ein weiteres Verb in der Grundform; Beispiel: können, müssen

  • zusammengesetzte Verben zusammen mit einem Präfix bekommen sie eine neue Bedeutung und werden beim Konjugieren getrennt; Beispiel: weglaufen

  • Verb mit Präposition sie erfordern immer eine bestimmte Präposition; Beispiel: träumen von

  • performative Verben das Aussprechen des Verbs ist zugleich die beschriebene Handlung; Beispiel: ich schwöre

Wer macht was? Die Personalformen

Verben verraten uns weit mehr als nur, was passiert. Anhand der Personalformen der Verben können wir auch erkennen, wer etwas macht (ich mache, du machst, etc.). Bei Sprachen wie Spanisch und Italienisch funktioniert das sogar noch viel besser als im Deutschen oder Englischen, weil es für jede Personalform eine eigene Endung gibt: So werden spanische Verben wie tomar („nehmen“) folgendermaßen konjugiert (gebeugt): yo tomo, tu tomas, él/ella toma, nosotros tomamos, vosotros tomáis, ellos/ellas toman. Jede Personalform hat hier eine eigene Endung, wohingegen die Konjugation von „nehmen“ im Englischen (to take) geradezu simpel erscheint: I take, you take, he/she/it takes, we take … Weil die Personalform sich so gut wie nicht verändert, braucht man im Englischen (wie im Deutschen) unbedingt Personalpronomen. Bei spanischen und italienischen Verben kann man sie hingegen auch weglassen.

Die Zeitstufen der Verben

Die Zeitstufen eines Verbs geben an, wann etwas geschieht: Verben im Präsens (wir lesen) geben an, dass etwas in der Gegenwart stattfindet, Verben im Perfekt (wir haben gelesen), Präteritum (wir lasen) oder Plusquamperfekt (wir hatten gelesen) drücken Vergangenheit aus, wohingegen das Futur (wir werden lesen) auf die Zukunft verweist. Im Deutschen machen wir es uns bei den Zeitstufen nicht allzu schwer und verwenden in der gesprochenen Sprache sowohl für die Gegenwart als auch für die Zukunft Verben im Präsens. Für die Vergangenheit verwenden wir so gut wie immer Verben im Perfekt. Andere Sprachen wie Spanisch oder Portugiesisch haben ein wesentlich komplexeres Tempussystem als das Deutsche: Je nachdem, ob etwas punktuell, im Hintergrund oder bis in die Gegenwart andauernd geschieht, wird eine andere Zeitform verwendet.

Der Verbaspekt

Bei russischen oder polnischen Verben kann man durch die Wahl des Verbs sogar ausdrücken, wie lange etwas stattfindet: Handelt es sich um eine Handlung, die abgeschlossen wurde, oder dauert sie noch an? Dieses Phänomen nennt man Aspekt. Zwar unterscheiden auch andere Sprachen wie Englisch oder Spanisch, ob eine Handlung andauernd oder punktuell ist (man denke nur an die bekannte englische „-ing-Form“ wie in I’m reading, „ich lese gerade“). Allerdings verändert man hier nur die Verbformen, während man im Polnischen und Russischen komplett andere Verben nutzt. So gibt es im Russischen für „ansehen“ zwei verschiedene Verben – смотреть (für unvollendete Handlungen) und посмотреть (für vollendete Handlungen).

Was wäre, wenn? Der Verbmodus

Ja, die Liste der Einsatzmöglichkeiten von Verben geht noch weiter. Mit ihnen drücken wir nämlich auch aus, ob etwas wirklich (Indikativ) oder möglich (Konjunktiv) ist, ob etwas wünschenswert (Optativ) oder abhängig vom Eintritt anderer Ereignisse (Konditional) erscheint. Wir befehlen mit dem Imperativ (Geh weg!) oder Jussiv (man nehme etwas Mehl). Französische Verben haben außerdem eine Subjonctif-Form, die von bestimmten Schlüsselwörtern ausgelöst wird; man denke an die Redewendung Honni soit qui mal y pense, zu Deutsch: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“. Der bekannteste Modus ist wahrscheinlich der Infinitiv, die Grundform des Verbs (kochen, lernen, hüpfen), bei der keine Person angegeben wird. Oder … etwa doch? Portugiesische Verben haben tatsächlich einen infinitivo pessoal, einen „persönlichen Infinitiv“, der zwar eine Grundform ist, aber trotzdem eine Person anzeigt. Verrückt, nicht?

Für Profis: Zusammengesetzte Verben und Verben mit Dativ und Akkusativ

Verben in einer Fremdsprache zu lernen ist oft nicht leicht. Aber auch deutsche Verben treiben Lernende in den Wahnsinn. Da wären zunächst einmal zusammengesetzte Verben, auch trennbare Verben, wie abschneiden, aufmachen oder umfahren. Sie wirken harmlos, doch die Personalformen der Verben trennen sich auf und umrahmen den ganzen restlichen Satz, wie in „Ich schneide meine Haare, die schon viel zu lang geworden sind, mit einer großen, scharfen Schere ab.“ Diese fiesen Tricks kennen andere Sprachen nicht, nur im Niederländischen gibt es einige Verben, die sich ebenfalls aufspalten lassen. Andere Verben des Deutschen sind wählerisch: Sie lassen erfordern einen gewissen Fall (Kasus). Das Verb nehmen möchte hier einen Akkusativ (er nimmt den Stift), während ähneln sich nur mit dem Dativ zufrieden gibt (sie ähnelt meiner Mutter). Als Muttersprachler denkst du wahrscheinlich kaum darüber nach, aber für Deutschlernende kann es ganz schön schwer sein, sich Verben mit Akkusativ und Dativ zu merken.

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Verben in einer anderen Sprache?

Du hast gesehen: Verben sind nicht nur die Wortart schlechthin, um dich auszudrücken, sie können einem das Leben auch wirklich schwer machen. Wir haben hier drei einfache Tipps, wie du Verben auf einer anderen Sprache effektiv lernst:

1 Knöpf dir zuerst die häufigsten Verben deiner Lernsprache vor; so verlierst du nicht die Übersicht und kannst mit wenig Aufwand schon relativ viel sagen und verstehen.

2 Lerne neben der Grundform des Verbs immer einen Beispielsatz mit. So kannst du dir das Verb leichter merken und besser anwenden.

3 Mach das Lernen von Verbformen zu deiner Routine und lerne jeden Tag ein bisschen, zum Beispiel jeden Tag ein Verb.

Wenn du die Verben einer Sprache kennst, ist das fast schon die halbe Miete, um sie zu beherrschen. Lass dich also von Begriffen wie Konjugation, modale Hilfsverben oder reflexive Verben nicht abschrecken, sondern gehe diese gezielt an, um schnell Fortschritte zu machen.

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