5 Slang-Wörter aus den 2000ern, die ein Comeback feiern sollten

Jugend- und Umgangssprache aus den 2000ern ist gerade alt genug, um wieder cool zu werden. Welche Wörter haben es verdient, im Alltag wieder verwendet zu werden?
05/01/2021
5 Slang-Wörter aus den 2000ern, die ein Comeback feiern sollten

Die Jugend „lol”-t, „checkt ein”, „checkt ab”, „gammelt hart” und „geht steil”. Musst du beim Lesen dieser Wörter auch schmunzeln? Dann weißt du wohl auch, dass diese Begriffe alle aus der Jugendsprache der 2000er-Jahre stammen. Einige haben sich mit der Zeit abgenutzt und sind verschwunden. Andere wurden so populär, dass sie in die gesamte Gesellschaft vordrangen und seitdem Kult sind – wenn auch ohne die ursprünglich jugendliche Ausdruckskraft.

Zeit also für einen Rückblick: Was war damals angesagt und welche Slang-Wörter aus den 2000ern verdienen es, wiederentdeckt zu werden?

Jugendsprache und Zeitgeist

Allein schon die Tatsache, dass in Deutschland seit 2008 ein eigenes bekannt gegeben wird, zeigt die extremen Unterschiede im Alltag zwischen Jugend- und Erwachsenensprache. Während sich die Ausdrucksweise der Erwachsenen schon immer den sozialen Gepflogenheiten anpasste, sind die Jugendlichen einer jeden Generation da etwas kreativer: Der Gebrauch ihrer Sprache bildet auch immer den jeweiligen Zeitgeist ab. In den 1980er-Jahren trug man Lederjacke und weiße Reebok Kicks? „Oberaffengeil!” Vor der Jahrtausendwende hatte man Tickets für Pearl Jam oder die Foo Fighters? „Ultrakrass!” Doch jede Generation an Jugendlichen bekommt zu hören: „Ich versteh einfach nicht mehr, was die Jugend da redet.”

Die folgenden Slang-Wörter aus den 2000ern haben es alle verdient, in den allgemeinen Sprachgebrauch zurückzukehren:

Deutsche Jugend- und Umgangssprache der 2000er-Jahre

1. Knork

Bedeutung: toll, klasse, gut, ausgezeichnet

„Knorke” kursiert bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts als Modewort in den Dunstkreisen kultivierter Geselligkeit, wie etwa in der Kunst oder dem Kabarett. Es hat sich aus dem Berliner Sprachraum entwickelt und bedeutet so viel wie „klasse” oder „ausgezeichnet”.

Warum das Wort unter Jugendlichen in den 2000er-Jahren wieder total angesagt war? Vielleicht aufgrund seines kehligen Klangs, vielleicht aber auch aus jugendlichem Protest gegen die vielen Anglizismen in der deutschen Alltagssprache. Denn im selben Zeitraum setzte sich noch ein weiterer Begriff durch, der genau dasselbe meinte: Auf einmal war alles „cool”. Kaum ein anderes Modewort hat einen derartigen Siegeszug in die heutige Sprache vollzogen und wird auch heutzutage noch unabhängig von Alter, Milieu oder Etikette so breit verstanden und benutzt. Da wäre doch „knorke” mal wieder eine schöne Abwechslung?

2. Chillen

Bedeutung: eingedeutscht aus dem Englischen „to chill”, entspannen, abhängen, sich beruhigen

„Chillen” ist mit der 2000er-Generation erwachsen geworden und hat sich in deren Sprachgebrauch bis heute relativ stabil gehalten. „Gechillt” wurde damals in sogenannten „Chill-out-Areas” von Techno-Clubs: Damit waren Bereiche gemeint, in denen sich Tanzende zu entspannter Musik erholen konnten. Mittlerweile wird nicht mehr nur in der subkulturellen Nische „gechillt”. Der Begriff bezeichnet generell zwangloses Abhängen und Entspannen. Auch wenn der Begriff ursprünglich aus dem Jahrzehnt der wilden Raves stammt, passt er heute wieder besser denn je: In der aktuellen Zeit sehnen sich viele Menschen nach mehr Leichtigkeit und innerer Ruhe im Leben.

Deutsche Jugend- und Umgangssprache der 2000er-Jahre

3. Schwarm

Bedeutung: Person, die man verehrt oder in die man verliebt ist

Heutzutage hat man einen „Crush”, früher hatte man einen „Schwarm”. Was das Wort für ein erneutes Aufleben so spannend macht? All die wortverwandten Begriffe, die wir eh schon im Alltag verwenden: Bei „schwärmen” oder „Schwärmerei” denkt man an Schmetterlinge im Bauch, rosige Wangen und verliebtes Kopfkino. Schwärmende Personen wandeln scheinbar mit einem sympathisch-dümmlichen Dauergrinsen durch die Welt und schweben dabei gefühlt zwei Zentimeter über dem Boden. Auch wenn die Schwärmerei nicht erwidert wird. Dann bleibt es bei einem Tagtraum – aber schön nostalgisch klingt das Wort allemal.

4. Gruscheln

Bedeutung: sogenanntes Schachtelwort aus „grüßen” und „kuscheln”

In den 2000er-Jahren unternahmen die sogenannten „Digital Natives” ihre ersten Gehversuche im Internet. Die damalige Social Media-Welt bestand im deutschsprachigen Raum noch aus Portalen wie SchülerVZ oder StudiVZ anstatt Facebook, auf Twitter konnte man nur Nachrichten mit 160 Zeichen teilen und Fotos wurden in Alben angelegt statt im Instagram-Feed kuratiert.

Diese aufregende neue Welt machte allerlei Wortneuschöpfungen nötig: Mit„gruscheln” war zum Beispiel eine unverfängliche Kontaktaufnahme mit befreundeten und bisher unbekannten Mitgliedern gemeint. Im Gegensatz zur Funktion ist die Wortherkunft von „gruscheln” allerdings nicht eindeutig definiert. Ob das Wort deswegen auf Schulhöfen, in Uni-Mensen und Online-Gruppen seine Wellen schlug? Oder lag der Grund vielmehr darin, dass man seinem Schwarm nun erstmals digital einen Liebesbrief zustecken konnte? Apropos „Schwarm”…

Imba - Deutsche Jugend- und Umgangssprache der 2000er-Jahre

5. Imba

Bedeutung: Kurzform für Englisch „imbalanced”, zu stark, stärker als vorhergesehen

Der Begriff „imba” stammt aus dem Computerspiel „World of Warcraft” und weist auf ungleiche Kräfteverhältnisse zwischen den einzelnen Figuren hin – was ein faires Spiel von vornherein unmöglich macht. Im übertragenen Sinne bedeutet der Begriff auch „zu stark” oder „stärker als vorgesehen”. In der heutigen Zeit offenbart sich das aktuell zeitgeistige Moment in „imba”: Das Wort bringt die Ausweglosigkeit einer Situation zum Ausdruck und zollt der Gegenseite mit nüchterner Anerkennung Respekt. „2020 war einfach imba.”

War dir das eben vielleicht zu sehr an den Haaren herbeigezogen? Zu gewollt 2020-zeitgeistig? Dann beweist das ziemlich gut, dass Jugendsprache eigenwillig ist und ihren eigenen Gesetzen folgt.

Es lohnt sich also immer, bei jugend– und umgangssprachlichen Worten ganz genau hinzuhören. Nicht nur, weil man dadurch weiß, wovon geredet wird. Sondern auch, weil Umdeutungen, Wiederverwertungen und Überspitzungen aktueller Jugendsprache eine Menge über den Zeitgeist und die gelebte Kultur in einem bestimmten Land oder Sprachraum aussagen. Wer sich also mit der Jugend- und Umgangssprache der 2000er bis heute auseinandersetzt, versteht mehr über die Gedanken und Gefühle der jeweiligen Generation und über Land und Leute. Und genau darum geht es doch beim Lernen einer neuen Sprache! 

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Quang Nguyen-Xuan
Quang lebt in Berlin und arbeitet als freier Redakteur und Texter. Mit einem Hintergrund in Soziologie und Kulturanthropologie fühlt er sich textlich und thematisch in der Melange aus Politik, Philosophie und Pop-Kultur pudelwohl, ob in Academia, Aktivismus oder ausufernden Alliterationen. Er schreibt, um seine Welt für einen Moment zu ordnen, und findet seine innere Mitte beim Fahrradfahren, Heimwerken und in den (sub)kulturellen Biotopen Berlins.
Quang lebt in Berlin und arbeitet als freier Redakteur und Texter. Mit einem Hintergrund in Soziologie und Kulturanthropologie fühlt er sich textlich und thematisch in der Melange aus Politik, Philosophie und Pop-Kultur pudelwohl, ob in Academia, Aktivismus oder ausufernden Alliterationen. Er schreibt, um seine Welt für einen Moment zu ordnen, und findet seine innere Mitte beim Fahrradfahren, Heimwerken und in den (sub)kulturellen Biotopen Berlins.

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