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9 fast vergessene deutsche Wörter

Welche Wörter finden wir so besonders, dass sie einfach zeitlos schön sind? Wir haben neun deutsche Wörter gefunden, die unter keinen Umständen vergessen werden dürfen.

Artikel von: Thea Bohn
Illustration von Raúl Soria

Ist es nicht viel zu schade, dass manche unserer liebsten Wörter in letzter Zeit nicht mehr so oft benutzt werden? Ja, das finden wir schon. Denn die deutsche Sprache entpuppt sich als Wundertüte für Wörter, die zu schön sind, um mit der Zeit vergessen zu werden.

Denke einmal an deine liebsten Wörter. Was macht ein Lieblingswort so besonders? Meist ist es nicht nur die Bedeutung, sondern auch der lautmalerische Klang oder die verspielte Zusammensetzung, die das Wort zu etwas ganz Besonderem machen.

Deswegen haben wir für dich eine feine Auswahl an neun deutschen Wörtern getroffen. Vielleicht erscheinen dir die Wörter altmodisch – aber sie sind auch so schön und besonders, dass sie unbedingt die zeitgenössischen Trends überleben sollten und nicht vergessen werden dürfen.

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Bauchpinseln

Man nehme einen Pinsel und male über den nächsten Bauch, den man findet – so ungefähr mag man die wortwörtliche Anleitung lesen, die einem das Wort bauchpinseln aufträgt. Das kannst du natürlich auch tun, kann dann aber schon seltsam werden. Tatsächlich sind wir trotzdem nicht ganz so weit weg von der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, denn bauchpinseln wurde zunächst benutzt, um zu beschreiben, wie wir unseren Hund oder unsere Katze am Bauch kraulen. Wenn wir nun vergleichbar nett zu unseren Mitmenschen sein wollen, müssen wir nicht den Umweg über deren Bauch nehmen. In der geläufigen Bedeutung bauchpinselst du deinen Gesprächspartner, indem du ihm ein besonders schmeichelhaftes Kompliment machst. Und ja, das kann sich natürlich auf dessen Bauch beziehen, muss es aber nicht.

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Kamelle

Die Kamelle stammt aus der Zeit, als man anfing, in der Apotheke Kamillenblüten getrocknet aufzubewahren, um sie dann als Heilpflanze gegen alle möglichen Beschwerden wie Hals- oder Bauchschmerzen einzusetzen. Wenn nun die Kamillenblüten schon viel zu lange im Regal verstaubten, wurden sie alt und verloren an Wirkungskraft. Man bezeichnete sie als Kamelle. So hat sich aus diesem Kontext das Wort Kamelle losgelöst und wurde zunehmend dafür verwendet, um solche Geschichten, die schon besonders oft und ausführlich erzählt wurden, als olle Kamellen abzutun.

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Splitterfasernackt

Splitterfasernackt ist ein paradoxes Wort. Zunächst einmal bezeichnet es das Nacktsein. Um dann zu verdeutlichen, wie überaus nackt jemand ist, zieht sich das Wort aber mehr an, nämlich gleich zwei zusätzliche Komponenten: Splitter und Faser. Darin steckt der Vergleich, dass jemand so absolut von allem abgezogen nackt ist wie der Splitter vom Baumstamm und die Faser vom Pulli.

Auch wenn das Wort splitterfasernackt etwas mehr Sprechaufwand bedeutet als das nüchterne Pendant nackt – wir finden es so schön, dass wir es auf keinen Fall vergessen wollen.

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Augenweide

Spätestens seit der Romantik ist die grüne Weide, an die der Schäfer am Baumstamm angelehnt seine Schafe beobachtet, das Sinnbild der Idylle. Mindestens genau so schön ist der Weidenbaum, der seine Äste zum Boden neigt. Diese Naturbilder galten als Labsal für die Seele – ein Anblick, an dem sich unsere Augen erfreuen. In diesem Kontext entstand das zusammengesetzte Wort Augenweide.

Zum Glück gibt es in unserer Welt aber mehr schöne Dinge als Weidenbäume – und so kursierte der Ausdruck zunehmend als sprachliche Wertschätzung für jeden wohltuenden Anblick. Natürlich wird dabei nicht jedes Mal das, was wir anblicken (einen schönen Menschen oder ein schönes Gebäude), im Wort selbst genannt (sonst hätten wir jetzt Wörter wie Augenmensch oder Augengebäude – und nicht nur Augenschmaus). Kurz: Wir glauben, das Wort Augenweide ist eine echte Augenweide.

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Abkupfern

Jahrhunderte vor unserem papierstauenden Bürokopierer lag die Vervielfältigung von Kunstwerken in der Verantwortung der Kupferstecher. Diese ritzten spiegelverkehrt das Abbild des zu kopierenden Gemäldes in eine Kupferplatte. Dabei ging es darum, dem Original treu zu bleiben – und nichts in Eigenkreativität zu verändern. Das handwerkliche Geschick der Kupferstecher wurde zunehmend im Gebrauch von abkupfern negativ ausgelegt; nämlich in dem Sinn, dass man ohne eigenen Aufwand etwas einfach kopiert und somit bewusst ein Plagiat anfertigt.

Zwar ist abkupfern nicht gerade ein vergoldetes Wort, aber einen Platz in unserer edlen Liste verdient es allemal.

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Spitzbub

Ja, wir vergöttern die Spitzbuben-Plätzchen und würden sie am liebsten nicht nur zur Weihnachtszeit naschen. Wie steht es aber um die andere Bedeutung des Wortes: Wann hast du zum letzten Mal deinen kleinen Bruder einen Spitzbuben genannt? Viel zu schade ist es, dieses Wort zu vergessen, denn kaum ein anderes drückt derart neckisch die Anerkennung lustiger Jungenstreiche aus. Auch wenn diese mal nicht so super unterhaltsam sind – wie, wenn wieder irgendein Spitzbub alle Spitzbuben aus der Keksdose geklaut hat.

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Mutterseelenallein

So vollkommen allein, wie es vielleicht gerne wäre, kann das Wort mutterseelenallein gar nicht sein, denn es steht im Mittelpunkt einer intensiv geführten Debatte der Etymologie: Woher stammt dieses Wort?

Im 17. und 18. Jahrhundert flohen vermehrt protestantische Gläubige (die sogenannten Hugenotten) aus Frankreich nach Berlin, wo sie aufgrund ihrer Minderheit die französische Phrase moi tout seul(e) prägten. Mit der Zeit haben die Berliner diese Phrase auch genutzt und durch ihre Aussprache das ähnlich klingende mutterseelen draus gemacht. Damit der ursprüngliche Sinn noch erhalten bleibt, hat man die Übersetzung dazugeliefert, indem allein an das Wortende angefügt wurde.

Vielleicht bezeichnet Mutterseele aber auch alle Menschen im Allgemeinen; sodass mutterseelenallein einfach meint, es gibt keine Menschen weit und breit?

Für völlig einsame Momente gibt es in jedem Fall ein sehr schönes Wort, das wir unbedingt dem nächsten Menschen verraten müssen.

saumselig vergessene deutsche woerter

Saumselig

Ein erster Blick auf das Wort saumselig mag zur Vorstellung verleiten, wie jemand völlig verträumt mit dem Saum eines Kleidungsstücks spielt. Obwohl die Endung -selig überwiegend positiv assoziiert wird, wie in leutselig und friedselig, gibt es eine Reihe an Wörtern, wie feindselig, armselig, scheuselig/scheußlich, bei denen -selig nur genutzt wird, um ein Adjektiv des ursprünglich auf -sal endenden Nomens zu bilden. So wurde aus dem mittelhochdeutschen sümesal, das „Versäumnis“, das Adjektiv saumselig. Heute ist uns das Verb (ver)säumen geläufig.

Im frühen 19. Jahrhundert stand im Knigge saumselig als Charaktereigenschaft notiert, die man sich abgewöhnen soll – denn ein saumseliger Mensch ist nachlässig und träge, neigt zu Tagträumen und kommt seinen Pflichten nicht nach.

Vielleicht ist es also gar nicht so unpassend, wenn du das kommende Mal jemanden, der allzeit verträumt mit dem Saum seiner Kleidung spielt, saumselig nennst.

mumpitz alte deutsche woerter

Mumpitz

Kaum zu glauben, dass Mumpitz ursprünglich eine Schrecken verbreitende Gestalt bezeichnet hat. Seinen Ursprung findet das Wort zum einen in vermummen, sich also zur Unkenntlichkeit verkleiden. Zum anderen hat sich das -pitz aus dem Butz- in Butzemann entwickelt. Der Butzemann ist eine bekannte folkloristische Figur zur Einschüchterung von Kindern. Somit war die ursprüngliche Bedeutung von Mumpitz ein Schrecken, der nicht sofort als solcher zu erkennen ist.

Mit der Zeit wurde Mumpitz für all solche Gerüchte verwendet, die offensichtlich dazu dienen, Schrecken zu verbreiten. Heute lässt sich humorvoll etwas als Mumpitz abwinken, wenn es offensichtlich auf Firlefanz beruht – also auf viel Lärm um nichts.

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