Sprich Sprachen, wie du es schon immer wolltest

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Die skandinavischen Sprachen – drei zum Preis von einer?

Worin unterscheiden sich Schwedisch, Dänisch und Norwegisch? Wo liegen ihre Gemeinsamkeiten? Wenn du eine der Sprachen kannst, sprichst du sie dann alle? Sehen wir es uns etwas genauer an.

Artikel von: Elin Asklöv

Ah, Skandinavien! Weite, unberührte Landschaften. Getrockneter und eingelegter Fisch, wo man auch hinsieht. War das gerade eine blonde Meerjungfrau, die auf einem Elch vorbeigeritten ist? So genau konnte man das nicht erkennen, zwischen den ganzen Alexander-Skarsgård-Doppelgängern, die in ihren Norwegerpullovern vorbeischlendern und ihre charakteristisch melodische Sprache sprechen. Aber was ist diese Sprache eigentlich? Oder vielmehr: diese Sprachen? Was sind die Unterschiede zwischen Schwedisch, Dänisch und Norwegisch? Wenn du eine der Sprachen kannst, sprichst du sie dann alle? Sehen wir uns Skandinavien und die sogenannten nordgermanischen Sprachen mal etwas genauer an.

Um welche Sprachen geht es hier?

Eigentlich haben die drei skandinavischen Sprachen Dänisch, Norwegisch und Schwedisch so viel gemeinsam, dass sie fast als Dialekte angesehen werden könnten. Wer eine spricht, kann Sprecher der anderen zumindest bis zu einem gewissen Grad verstehen. Die drei Sprachen haben sich aus dem Altnordischen – oft „Wikingersprache“ genannt – entwickelt. Sie bilden den nordöstlichen Zweig des germanischen Sprachbaums, während Isländisch und Färöisch den nordwestlichen Zweig ausmachen.

Falls du dich gerade gefragt hast: Finnland kann zwar je nach Definition als Teil von Skandinavien angesehen werden, die finnische Sprache ist aber mit der ungarischen, samischen und estnischen verwandt und gehört nicht einmal zu den indo-europäischen Sprachen.

Schwedisch hat mit zehn Millionen die größte Sprecherzahl. Die anderen beiden haben je etwa fünf Millionen Sprecher.

Kennste eine, kennste alle?

Dänisch und Norwegisch sind einander sehr ähnlich – wenn man sich das Vokabular ansieht, sind sie sogar fast identisch! Vom Klang her weichen die beiden Sprachen jedoch recht weit voneinander ab. Norwegisch und Schwedisch sind sich im Bezug auf die Aussprache näher, aber die Wörter unterscheiden sich.

Ich stelle mir die skandinavischen Sprachen gern als drei Schwestern vor: Schwedisch, die älteste Schwester, ist garantiert die größte, aber für die anderen beiden nicht immer ganz so wichtig, wie sie sich gerne einbildet. Norwegisch, das Mittelkind, versteht beide ihrer Schwestern gut und spielt oft die Vermittlerin. Dänisch, die Jüngste und die Rebellin, raucht im Haus und niemand versteht sie.

Diese Metapher ist gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt: Eine Studie von Delsing und Åkesson aus dem Jahr 2005 hat gezeigt, dass Dänen die größten Schwierigkeiten haben, ihre Nachbarn zu verstehen – und dass ihre Nachbarn auch die größten Schwierigkeiten dabei haben, sie zu verstehen. Unterhaltungen zwischen Schweden und Dänen sind besonders dafür bekannt, etwas holprig zu sein. Als schwedische Muttersprachlerin bin ich mittlerweile so weit, dass ich das meiste, was ich auf Dänisch höre, verstehen kann – auch wenn ich mich dabei sehr konzentrieren muss. Meinen dänischen Gesprächspartnern wird es sicherlich ähnlich gehen.

Aussprache

Dänisch – die missverstandene kleine Schwester

Wenn es um die dänische Aussprache geht, gibt es viele Klischees: „Sie klingen immer so, als seien sie betrunken!“, „Es ist, als hätten sie eine heiße Kartoffel im Mund!“, „Stockbesoffene Norweger sprechen fehlerfrei Dänisch!“ oder „Warum sprechen die so undeutlich?“ – ja, wir necken uns gerne in Skandinavien, aber diese Aussagen sind eigentlich ziemlich ignorant. Dänisch wird nämlich nicht einfach nur „schlecht ausgesprochen“ oder ist eine besonders unartikulierte Sprache, sondern soll so klingen! Lass mich das etwas genauer erklären. Dänisch unterscheidet sich von den anderen beiden Sprachen vor allem durch die Diskrepanz zwischen geschriebener und gesprochener Sprache: Die Wörter werden verkürzt, die Konsonanten abgeschwächt und die Endungen fast verschluckt. Um es noch ein bisschen kniffliger zu machen, enthalten viele Wörter den charakteristischen stød, die dänische Antwort auf den Glottalstop. Für Sprecher des Schwedischen oder Norwegischen scheinen viele dänische Aussprachemuster vollkommen willkürlich. Ich als Schwedin würde sagen: „Hej, vad heter du?“ („Hallo, wie heißt du?“), ein Däne würde hingegen fragen: „Hej, hvad hedder du?“ – geschrieben sieht es nicht sehr anders aus, aber was ich hören würde, wäre etwas, das ich am besten mit [Hai, whäth hi-öh du?] umschreiben kann. Natürlich ist eine so grundlegende Frage recht einfach zu verstehen, aber es wird schon etwas schwerer, wenn sich das Gespräch um Gefühle, Politik oder Astrophysik dreht. Oft geben wir einfach auf und wechseln stattdessen ins Englische.

In Wahrheit ist es aber alles eine Frage der Gewohnheit und dem grundlegenden Verständnis der Ausspracheunterschiede. Ich glaube, ich kann für die meisten Schweden sprechen, wenn ich sage, dass ich die Grundregeln der dänischen Aussprache nie gelernt habe – zum Beispiel, dass das geschriebene „eg“ wie [ei] ausgesprochen wird, „af“ wie [au] und „øg“ wie [oi]. Wenn man diese Regeln nicht kennt, dann kann es einem natürlich so vorkommen, als würde die dänische Aussprache jedes mal aufs Neue improvisiert.

So würden ein Schwede, ein Norweger und ein Däne „Wie heißt du?“ sagen:

Hvad hedder du? (Dänisch):



Vad heter du? (Schwedisch):



Hva heter du? (Norwegisch):


Vokabular

Achtung vor falschen Freunden!

Um deine skandinavischen Nachbarn besser zu verstehen, musst du ein bisschen mehr über die Unterschiede im Vokabular wissen. Besonders wenn Dänen oder Norweger mit Schweden sprechen, haben sie viele Wörter in ihrem passiven Wortschatz – das heißt, sie können die Wörter zwar verstehen, aber nicht zwangsläufig selbst verwenden. Es gibt auch ein paar falsche Freunde, nach denen man Ausschau halten muss: Wenn ein Schwede und ein Norweger sich darauf einigen, etwas roligt zusammen zu unternehmen, wird sich der Schwede etwas sehr Spaßiges vorstellen, während der Norweger sich auf etwas Ruhiges und Entspannendes einstellt. Wenn ein Däne denkt, dass ein Norweger nett oder niedlich ist, wird er ihn rar nennen – wovon der Norweger ziemlich beleidigt sein könnte, denn für ihn heißt rar „seltsam“. Und wenn ein Norweger sagt, dass er sich sein Hemd, also sein kneppe zuknöpft, dann sage ich lieber nicht, was der Däne an der Stelle denkt…

Rechtschreibung

Könntest du das für mich aufschreiben?

Trotz der Unterschiede im Vokabular sind geschriebenes Dänisch und Norwegisch fast identisch. Der Grund dafür ist, dass Norwegen vom 14. bis 19. Jahrhundert zu Dänemark gehörte. Das administrative und intellektuelle Zentrum des Königreichs war Kopenhagen – darum mussten auch sämtliche offiziellen Dokumente auf Dänisch verfasst werden. Dänisch hinterließ jedoch kaum Spuren in der gesprochenen Sprache Norwegens – Schweden hatte aufgrund seiner geografischen Nähe einen deutlich größeren Einfluss. Eine Unterhaltung zwischen einem Norweger und einem Dänen ist darum meist von viel „Hva?“ begleitet. Wenn sie stattdessen einfach ihre Handys herausholen und sich Nachrichten schreiben würden, würde das Gespräch ungehindert fließen.

Heißt das, dass Schweden, Norweger und Dänen nicht miteinander sprechen sollten?

Nein, natürlich nicht! Sie müssen sich nur etwas bemühen. Du kannst eine Sprache nur verstehen, wenn du viel Input bekommst, und gesprochener Input ist hier am wichtigsten. Das gilt auch für diese Art von Einwegkommunikation. Obwohl du die Sprache deines Gegenübers nicht reproduzieren musst, weil du auch mit deiner eigenen Sprache verstanden wirst, musst du immer noch entschlüsseln, was dein Gesprächspartner sagt. Diese Art von Gespräch nennt sich Semikommunikation, ein Begriff, der von dem amerikanischen Linguisten Einar Haugen geprägt wurde. Um zu „semikommunizieren“, musst du dich einfach an die andere Sprache gewöhnen. Wenn Schweden nie Dänisch hören würden, könnten sie trotz der sprachlichen Gemeinsamkeiten nicht viel verstehen. Zum Glück produzieren die Dänen großartige TV-Serien, die jeder sehen will, also macht das Dänischhören sogar Spaß!

Und der Preis für den besten Semikommunikatoren geht an…

… Norwegen! Wie sich herausstellt, ist das Mittelkind in dieser Familie am verständnisvollsten: Norwegische Sprecher sind die klaren Gewinner, wenn es darum geht, ihre Nachbarn zu verstehen. Dafür gibt es drei Hauptgründe: Erstens ist Norwegisch im wahrsten Sinne des Wortes das Mittelkind – es wird wie Dänisch geschrieben, aber wie Schwedisch ausgesprochen. Zweitens sind sie daran gewöhnt, Dänisch und Schwedisch im Fernsehen und Radio zu hören. Drittens gibt es auch innerhalb der norwegischen Sprache eine weite Bandbreite an Dialekten, die alle einen relativ hohen Status haben – sogar Politiker sprechen ihren Dialekt. Darum müssen Norweger Leute verstehen, die nicht so sprechen wie sie selbst, sonst würden sie nicht in ihrem eigenen Land reisen können!

Wenn du also Norwegisch lernst, wirst du die anderen beiden Sprachen leicht verstehen können. Du findest Schwedisch oder Dänisch aber schöner? Dann nichts wie ran! Familien halten schließlich zusammen, und mit ein wenig Übung, Offenheit (und Händen und Füßen, falls gar nichts mehr geht), solltest du dich überall in Skandinavien verständigen können, egal, welche der drei Sprachen du sprichst.

Willst du Dänisch, Schwedisch oder Norwegisch lernen?

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