Unterschiede: Dialekt oder Akzent – oder andere Sprache?

Wo liegt eigentlich die Grenze zwischen Sprachen und Dialekten? Und wie kannst du einen Dialekt von einem Akzent unterscheiden?
Artikel Von Maren Pauli
30/07/2019
Unterschiede: Dialekt oder Akzent – oder andere Sprache?

Im ersten Moment mag es einem ganz einfach vorkommen, eine Sprache von einem Dialekt oder Akzent zu unterscheiden, oder?

  • Beispiele für eine Sprache wären Deutsch, Englisch oder Spanisch, wie sie in den Ländern Deutschland, England und Spanien gesprochen werden.
  • Dialekte, auch Mundart genannt, sind Variationen einer Sprache, wie zum Beispiel Hessisch und Berlinerisch Dialekte des Deutschen sind.
  • Ein Akzent beschreibt hingegen eine Ausspracheform, die üblicherweise von der Aussprache anderer Muttersprachler abweicht.

Man könnte also sagen, dass jedes Land seine Sprache hat und innerhalb dieser Sprache gibt es Dialekte. Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn menschliche Kommunikation hält sich nicht an Ländergrenzen. Was ist zum Beispiel mit Österreich? Dort ist Deutsch die Amtssprache. Ist also die österreichische Varietät des Deutschen (die ja zugegebenermaßen schon sehr anders klingt als Hochdeutsch) ein Dialekt?

Wie unterscheidet sich eine Sprache von einem Dialekt?

Es gibt einige Beispiele, bei denen es schwerfällt zu definieren, ob es sich um eine eigenständige Sprache oder einen Dialekt handelt (von der Frage, ob Dialekt oder Akzent erst einmal abgesehen). Dabei hilfreich ist der Begriff Amtssprache oder Nationalsprache. Damit wird die Sprache eines Landes bezeichnet, in der die Regierung mit den Bürgern kommuniziert und die in allen staatlichen Stellen genutzt wird. Hierbei handelt es sich immer – wie der Begriff schon vermuten lässt – um eine eigenständige Sprache. Das muss pro Land nicht immer nur eine Sprache sein. In Indien zum Beispiel sind Hindi und Englisch offizielle Amtssprachen und in der Schweiz gibt es mit Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sogar vier offizielle Amtssprachen.

Ein Kriterium zur Abgrenzung einer Sprache von einem Dialekt ist die gegenseitige Verständlichkeit. Können sich zwei Sprecher in ihrer jeweiligen Muttersprache nicht gegenseitig verstehen, spricht man von verschiedenen Sprachen und nicht von Dialekten.

Allerdings geht mir das mit Kölsch genauso, obwohl ich in Berlin aufgewachsen bin und meine Muttersprache Deutsch ist. Auch jemand, der ein ordentliches Urbairisch an den Tag legt, wird von mir nicht verstanden.

Warum also sind Kölsch und Bairisch Dialekte des Deutschen, obwohl sich die Sprecher manchmal nicht gegenseitig verstehen können? Im direkten Vergleich dazu können sich Schweden und Norweger gegenseitig viel besser verstehen als zum Beispiel Sprecher verschiedener chinesischer Dialekte – aber trotzdem sprechen die Schweden Schwedisch, die Norweger Norwegisch und alle Chinesen pauschal gesagt Chinesisch.

Soziopolitische Abgrenzungen sind nicht immer sprachwissenschaftliche Abgrenzungen

Der Grund ist hier nicht linguistischer, sondern soziopolitischer Natur. Wie bereits zuvor erwähnt beziehen sich Amtssprachen auf einen politischen, durch Grenzen abgesteckten Bereich. Oft steckt dahinter ein gemeinsames Kulturgut, das eine Nation definiert. Norwegen und Schweden sind verschiedene Länder, die zwar eine ähnliche Sprache, aber nicht die gleiche Nation teilen. China hingegen hat ein gemeinsames, Jahrtausende altes Kulturgut, und somit wird die Sprache dort als Chinesisch bezeichnet, auch wenn sich die Sprecher verschiedener Dialekte manchmal nicht untereinander verständigen können.

Grob zusammengefasst gibt es also zwei wichtigen Kriterien zur Bestimmung einer Sprache: linguistische und politische. Die linguistischen Kriterien schauen auf die sprachlichen Besonderheiten einer Sprache und vergleichen diese mit anderen Sprachen. Sie beantworten Fragen wie: Welche Unterschiede gibt es? Können sich die Sprecher gegenseitig verstehen? Wenn man hier zwei ähnliche Kommunikationssysteme miteinander vergleicht und diese kaum Unterschiede aufweisen, dann spricht man von Dialekten. Nach rein sprachlichen Kriterien wären zum Beispiel Niederländisch und Deutsch Dialekte derselben Sprache!

Oft sind aber die politischen Kriterien ausschlaggebender. Sie beziehen sich auf den Status einer Sprache innerhalb eines Landes oder einer Region. Ein Blick auf die beiden Kulturen und eigenständigen Länder Deutschland und die Niederlande bestätigt: Hier handelt es sich um zwei Sprachen, nicht um Dialekte.

Woher weiß ich, ob es sich um einen Dialekt oder Akzent handelt?

Akzente kann man leicht mit Dialekten verwechseln. Wie kannst du also bestimmen, ob ein Dialekt oder Akzent gesprochen wird?

Ein Akzent bezieht sich auf die Aussprachegewohnheiten einer Muttersprache in einer anderen Sprache.

Ein Französisch-Muttersprachler, der Deutsch spricht, hat oft einen französischen Akzent. Das bedeutet, dass er deutsche Wörter so ausspricht, als würde er seine Muttersprache sprechen. Wir Deutschen wiederum sind bekannt dafür, oft einen ziemlich deutschen Akzent zu haben, wenn wir Englisch sprechen. Da einige Laute, wie das englische [th], nicht in unserer Sprache vorkommen, tendieren manche Menschen dazu, es wie einen bekannten Laut in ihrer Muttersprache auszusprechen, etwa wie ein [s] oder manchmal wie ein [f]. Das wäre dann Englisch mit deutschem Akzent.

Gibt es eine einheitliche Regel zur Sprache oder zum Dialekt oder Akzent?

Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch wenn es jetzt etwas einfacher geworden ist, Sprachen von Dialekten und Akzenten zu unterscheiden, gibt es natürlich immer Fälle, wo doch wieder alles anders ist. Denn obwohl die politischen Kriterien zur Definition einer Sprache oft über den sprachlichen stehen, ist es im Fall von Österreich so, dass die Amtssprache Deutsch ist – und nicht Österreichisch. Österreichisches Deutsch zählt also als Dialekt der hochdeutschen Sprache. Noch Fragen?

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Maren Pauli
Maren Pauli ist in Berlin geboren und aufgewachsen, und entschied sich nach dem Abitur dafür, sprachlich, geographisch und kulturell so weit wie möglich entfernt von ihrem Heimatland zu studieren: in Japan. Schnell war klar, dass die Liebesbeziehung zum Land des Lächelns von Dauer sein würde. Ohne ihre Kamera und ihr Notizbuch bewegt sie sich nirgends hin, und zu ihren liebsten Hobbys gehören das Achterbahnfahren und das Verlaufen, da sie selbst in ihrer Heimatstadt eine miserable Orientierung hat. Aber so findet man bekanntlich die interessantesten Orte und erlebt die besten Geschichten.
Maren Pauli ist in Berlin geboren und aufgewachsen, und entschied sich nach dem Abitur dafür, sprachlich, geographisch und kulturell so weit wie möglich entfernt von ihrem Heimatland zu studieren: in Japan. Schnell war klar, dass die Liebesbeziehung zum Land des Lächelns von Dauer sein würde. Ohne ihre Kamera und ihr Notizbuch bewegt sie sich nirgends hin, und zu ihren liebsten Hobbys gehören das Achterbahnfahren und das Verlaufen, da sie selbst in ihrer Heimatstadt eine miserable Orientierung hat. Aber so findet man bekanntlich die interessantesten Orte und erlebt die besten Geschichten.

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