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Dänische Karnevalstraditionen: vom Katzenkönig und den süßen Brötchen

Wie und warum feiern Menschen in anderen Ländern zur Karnevalszeit? In Dänemark erhellen zum Teil uralte Traditionen die nassgrauen Tage im Februar.

Artikel von: Birte Dreier

Helau, Alaaf oder welcher Karnevalstyp bist du? In Deutschland geht es zur Narrenzeit hoch her. Am Narrenruf lassen sich die Jecken schnell einer Karnevalshochburg zuordnen. Eine typisch deutsche Tradition. Dachte ich. Bis ich dann in meinem ersten Jahr in Dänemark eines Besseren belehrt wurde. Die Dänen feiern nämlich auch Karneval! Nur nennen sie es fastelavn und haben ihre ganz eigenen Bräuche, die sich bis auf das Verkleiden doch sehr von den mir aus Westfalen bekannten Karnevalstraditionen unterschieden.

Fastelavn wird traditionell am fastelavnssøndag gefeiert, dem Sonntag sieben Wochen vor Ostersonntag, oder aber auch dem Sonntag vor Rosenmontag in Deutschland. Heute ist fastelavn hauptsächlich ein Fest, bei dem sich Kinder verkleiden, eine schwarze Katze aus einem Holzfass schlagen und fastelavnsboller („Karnevalsbrötchen“) von Groß und Klein gegessen werden. Dass fastelavn ebenso wie Karneval in Deutschland ursprünglich der Abend vor Beginn der Fastenzeit war, dürfte heute nur noch für die Wenigsten eine Rolle spielen. Etwa 80 % der Dänen sind nämlich lutherisch-evangelisch getauft, wodurch das Fasten vor Ostern seit der Reformation an Bedeutung verloren hat. Im Gegensatz zu Norwegen und Schweden haben sich in Dänemark dennoch einige Traditionen zur Karnevalszeit erhalten.

Fastelavn – das klingt doch wie …

Der dänische Begriff fastelavn geht auf den niederdeutschen Begriff Fastelovend zurück, der noch heute in der Region vom nördlichen Rheinland bis zum Niederrhein gebräuchlich ist und die Zeit von Donnerstag bis Dienstag vor Fastenbeginn bezeichnet. Wörtlich ist der Abend vor dem Fasten gemeint, wobei das Fasten vor Ostern ein christlicher Brauch ist. Viele der Bräuche an fastelavn gehen jedoch bereits auf die vorchristliche Zeit in Dänemark zurück. Ein Brauch war es zum Beispiel, die dunkle Jahreszeit und böse Geister mit einem Fest und gruseliger Verkleidung zu vertreiben. Nach und nach hat sich dieser heidnische Brauch mit der christlichen Feier der Zeit vor dem Fasten vermischt. Noch heute ist es gebräuchlich, fastelavnsboller („Karnevalsbrötchen“) zu essen, am fastelavnssøndag („Karnevalssonntag“) eine schwarze Katze aus einem Holzfass zu schlagen, sich zu verkleiden und am fastelavnsmandag („Karnevalsmontag“ oder „Rosenmontag“) um die Häuser zu ziehen, zu singen und Geld und/oder fastelavnsboller abzustauben.

Was machen die mit der schwarzen Katze?

Ganz richtig, Dänemark ist nicht nur ein Ferienhausidyll mit langen Sandstränden und traumhaften Sonnenuntergängen im Sommer. So manche dänische Tradition erscheint aus heutiger Sicht recht brutal. In diese Kategorie fällt ganz sicher auch das alljährliche Katze-aus-dem-Holzfass-Schlagen zur Karnevalszeit. Das funktioniert in etwa so: Ein Holzfass wird an einem Baum aufgehängt und der Reihe nach wird mit einem Holzknüppel auf das Fass eingeschlagen. Früher befand sich in diesem Fass eine schwarze Katze, die dem Aberglauben nach Unglück brachte und deswegen ruhig sterben durfte. Daher kommt dann auch der Ausdruck at slå katten af tønden (wörtlich „die Katze aus der Tonne schlagen“), der sich bis heute gehalten hat. Früher wurde fastelavn hauptsächlich von Erwachsenen gefeiert. Die kinder- und tierfreundlichere Variante wird noch heute begangen. Statt mit einer Katze wird das Fass mit Süßigkeiten befüllt, die dann herauspurzeln, sobald es jemand geschafft hat, den Boden des Holzfasses zu zerschlagen. Diese Person bekommt dann den Titel kattekonge („Katzenkönig“) und die Person, die davor oder danach an der Reihe war, den Titel kattedronning („Katzenkönigin“). Die Regeln werden dabei jeweils vorher festgelegt und sind in etwa so individuell auslegbar wie die Regeln beim Mau-Mau. Damals war der Titel des Katzenkönigs übrigens durchaus attraktiv, da er dem Träger oder besser gesagt seinem Lehnsherrn ein Jahr lang Steuerfreiheit gewährte.

Brötchen, sonst gibt’s Saures!

Eine weitere Tradition im dänischen Karneval ist es, dass die Kinder sich am Montag verkleiden und von Tür zu Tür ziehen, um ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern. Dies wird nicht mehr überall in Dänemark gefeiert, ist aber immer noch weit verbreitet. Dazu singen die Kinder ein traditionelles Karnevalslied, in dem es darum geht, die Herausgabe des einen oder anderen fastelavnsbolle zu erwirken. Die Drohung ähnelt dabei dem an Halloween üblichen „Süßes, sonst gibt’s Saures!“ und heißt übersetzt: „Wenn ich keine Brötchen bekomme, dann halte ich dich zum Narren.“ Heutzutage wird das Wort Brötchen dabei häufig mit dem Wort für Geld ersetzt.

Karneval in Skandinavien

Die skandinavischen Länder werden ja gerne mal in einen Topf geworfen, gemeinsame Kulturgeschichte und eine enge Verwandtschaft der Sprachen legen dies nahe. Die Karnevalszeit ist allerdings eine der Traditionen, die sich nicht in allen drei Ländern findet. Eine Gemeinsamkeit zum Karneval ist den skandinavischen Ländern jedoch geblieben: Wie könnte es anders sein, die Karnevalsbrötchen! Diese süßen Brötchen werden zur Karnevalszeit sowohl in Norwegen und Schweden als auch in Finnland und Estland verspeist, oft mit Vanillecreme und Marmelade. Velbekomme!

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