Sprich Sprachen, wie du es schon immer wolltest

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Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt?

Ein Überblick über die Sprachen unserer Welt und ihre Entwicklung: Warum werden einige Sprachen verschwinden und andere größer und wichtiger werden? Und wie kann man Sprachen vor dem Aussterben bewahren?

Artikel von: Maren Pauli
ILLUSTRIERT VON THERESA GRIEBEN

„Ich kann in sieben verschiedenen Sprachen meinen Kaffee bestellen!“ Wenn du diesen Satz hörst, klingt das ganz schön beeindruckend, oder? Wenn dir die gleiche Person allerdings sagt, dass sie in 0,1% aller Sprachen dieser Welt ihren Kaffee bestellen kann, klingt das gar nicht mehr so beeindruckend. Tatsächlich ist es aber so, dass sieben Sprachen nur etwa 0,1% der sprachlichen Vielfalt ausmachen, die wir auf unserem Planeten haben!

Ein kleines Experiment

Kaum zu glauben, oder? Da ich selbst so erstaunt war, habe ich in meinem Freundeskreis rumgefragt, was sie denken, wie viele Sprachen es auf der Welt gibt. Ich habe verschiedene Antworten bekommen, die jedoch eins gemeinsam hatten: Sie waren weit von der tatsächlichen Anzahl entfernt. Einige meiner Freunde tippten auf 90, andere auf 200 oder „sicher noch ein paar mehr“.

Als ich die Frage auflöste, habe ich dann haufenweise ungläubige Blicke geerntet: Laut modernen Sprachforschern zählt man nämlich etwa 7000 Sprachen, Dialekte nicht mit eingerechnet!

Obwohl ich mit Sprachen arbeite und mir dieser Vielfalt bewusst bin, kann auch ich mir nur schwer vorstellen, wo und von wem diese Sprachen alle gesprochen werden. Wenn schon fast eine Milliarde Menschen Mandarin sprechen, eine halbe Milliarde spanische Muttersprachler sind und wenn man dann noch bedenkt, wie viele Millionen Menschen Englisch, Französisch, Portugiesisch und Deutsch sprechen … Wie kann es da noch so viele andere Sprachen geben?

Von Sprachmosaiken und kleinen, aber feinen Sprachperlen

Besonders Indonesien ist eine wahre Fundgrube für Sprachforscher. Die 250 Millionen Einwohner leben auf mehr als 17.000 Inseln – ganz klar, dass es hier vor Jahrhunderten unzählige verschiedene Sprachen gab, als die Bewohner noch keinen Kontakt zueinander hatten. Eine ähnliche Sprachenvielfalt existierte in Südamerika, bevor die Kolonialmächte Spanien und Portugal die Gebiete unter sich aufteilten und somit ihre beiden Sprachen dort verbreiteten.

Wo aber verstecken sich die restlichen der 7000 Sprachen? Viele dieser (teilweise schon Jahrhunderte alten) Sprachen werden auch heute noch gesprochen, wenn auch oft von nur wenigen Sprechern. So zum Beispiel Pemón, eine karibische Indianersprache, die neben Spanisch und Portugiesisch in Gebieten Venezuelas, Brasiliens und Guyanas von circa 30.000 Menschen gesprochen wird. Oder Tschuktschisch, eine altsibirische Sprache, die im Nordosten Russlands von gut 7500 Muttersprachlern benutzt wird. Oder auch Ainu, die Sprache der Ureinwohner Nordjapans, die mittlerweile nur noch knapp zehn Muttersprachler zählt. Wie man an diesen Beispielen unschwer erkennen kann, werden die meisten dieser Sprachen in den nächsten Jahrhunderten aussterben. Fast automatisch fragt man sich: „Kann man denn nichts dagegen tun, wenn man schon weiß, dass diese Sprachen immer weiter zurückgehen und irgendwann ganz verschwinden werden?“

Verschwinden Minderheitensprachen?

Die Antwort ist ganz einfach und kompliziert zugleich: ja und nein. Natürlich hilft das Bewusstsein darüber enorm. In vielen Ländern, wie zum Beispiel Spanien oder Frankreich, gibt es erfolgreiche Bestrebungen, die dortigen Sprachen und Dialekte zu bewahren und teilweise wiederzubeleben. Aber nichtsdestotrotz ist es ein ganz natürlicher Wandel in unserer heutigen Welt, dass einige Sprachen bedeutender und (überlebens-)wichtiger sind als andere. Überall dort, wo sich Staaten entwickeln und Regierungen Bildungs- und Gesundheitssysteme einrichten, wird sich automatisch eine Sprache als Amtssprache durchsetzen. So ist es für Pemónsprecher in Venezuela unumgänglich, Spanisch zu beherrschen, und Nachfahren der Ainu sind schon lange mit Japanisch aufgewachsen, um einen besseren Zugang zu Bildung und damit ein besseres Leben zu haben.

Aufgrund möglicher Stigmatisierung sterben einige Sprachen schneller als andere: Ainu wurde beispielsweise lange Zeit als minderwertige Sprache betrachtet und somit waren Ainusprecher in Japan oft von der Gesellschaft ausgegrenzt. In solchen Fällen entscheiden sich Bevölkerungsgruppen oft, ihre eigene Sprache ganz abzulegen und ihren Kindern ausschließlich die Mehrheitssprache beizubringen, um sie sozial zu integrieren.

Aber selbst wenn eine lokale Sprache nicht als minderwertig angesehen wird, trägt die heutige Mobilität der Menschen und die Globalisierung dazu bei, dass Sprachen verschwinden. Nehmen wir einen Pemónsprecher, der auch Spanisch kann, und eine Tschuktschischsprecherin, die auch Russisch spricht: Sollten diese beiden sich entscheiden, zusammen eine Familie zu gründen, werden ihre Kinder aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit vier Sprachen aufwachsen. Je nach Wohnort und gemeinsamer Sprache der Eltern würden sie vermutlich Spanisch und Russisch oder sogar nur eine dieser beiden Sprachen als Muttersprache erlernen.

Außerdem ist die Erhaltung einer Sprache auch eine Kostenfrage für eine Nation. Nicht jeder Staat kann es sich leisten, einen ganzen öffentlichen Apparat und Massenmedien zweisprachig, geschweige denn mehrsprachig, zu unterhalten. Denken wir nur mal an alle öffentlichen Schilder, Formulare, Anträge, Sachbearbeiter, Polizisten, Ärzte, Zeitungen, Fernsehsender … die Liste ist unendlich. All das müsste mehrsprachig sein oder die betreffenden Personen müssten zumindest weitreichende Kenntnisse in den anderen Sprachen haben.

Ein erfolgreicher Rettungsversuch

Ein schönes Beispiel zur Erhaltung einer Sprache findet man in Toulouse, im Süden Frankreichs. Als Hauptstadt der Region Okzitanien wurde dort das U-Bahn-System zweisprachig angelegt: Alle Haltestellen werden auf Französisch und danach auf Okzitanisch, einer romanischen Sprache mit nur noch circa 100.000 Muttersprachlern in Frankreich, angesagt. Und Okzitanisch klingt oft gar nicht so anders als Französisch. Vielleicht ein bisschen wie eine Mischung aus Französisch und Spanisch. Und auch wenn in Zukunft immer weniger Menschen mit Okzitanisch als Muttersprache aufwachsen werden, so ist es durch solche Initiativen zumindest möglich, dass die Sprache als Zweitsprache in dieser Region erhalten bleibt.

Es gibt 7000 Sprachen auf der Welt … lerne zumindest ein paar davon.

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