Hässlich oder schön – wie ist der Klang der deutschen Sprache?

Wie lässt sich der Klang der deutschen Sprache beschreiben? Klingt sie hart, militant oder gar herzlich und poetisch?
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Hässlich oder schön – wie ist der Klang der deutschen Sprache?

Wie ist der Klang der deutschen Sprache? Die Antwort auf diese Frage kann variieren. Während viele Deutschsprechende inzwischen stolz auf den Klang ihrer Sprache sind, klingt die deutsche Sprache für viele Außenstehende irgendwie hart, abgehackt und nicht besonders schön. Das mag daran liegen, dass sie oft nur als Parodie gehört wird, ein militantes Geschrei, das mit der echten deutschen Sprache wenig zu tun hat. Und auch Filme aus Hollywood tun unserer Sprache oft keinen Gefallen. Aber wie klingt die deutsche Sprache eigentlich wirklich, relativ objektiv betrachtet?

Wie kann der Klang einer Sprache beschrieben werden?

Bevor wir betrachten, wie Deutsch klingt, müssen wir ein paar Dinge klären. Erstens müssen wir verstehen, dass Meinungen über Sprachen untrennbar mit Meinungen über deren Sprechende verbunden sind – das trifft übrigens auch auf Dialekte zu. Wahrscheinlich klingt die deutsche Sprache also für viele hart, weil sie ein dementsprechendes Bild von deutschen Menschen im Kopf haben: Wenn nicht militant (die Weltkriege lassen sich nicht so schnell wegdenken), dann zumindest pingelig und nicht besonders leidenschaftlich. Das könnte zu einem gewissen Grad erklären, dass nur wenige Jiddisch, Flämisch oder Niederländisch als besonders harte Sprachen wahrnehmen, obwohl sie sehr nah mit unserer verwandt sind.

Außerdem hat die Muttersprache des oder der Hörenden natürlich auch einen Einfluss darauf, wie eine Sprache wahrgenommen wird. Wenn wir zum Beispiel sagen, dass Deutsch viele Konsonanten hat, ist das im Vergleich mit beispielsweise Italienisch oder Französisch der Fall – nicht aber im Vergleich mit dem Polnischen.

Drittens können wir von einem Klang der deutschen Sprache eigentlich gar nicht reden. Das Platt im Norden klingt ganz anders als die Berliner Schauze, Sächsisch oder Fränkisch. Selbst innerhalb der einzelnen Dialekte lassen sich Variationen finden.

Wir können also nicht objektiv sagen, dass eine Sprache „schön“ oder „hässlich“ klingt. Alles, was wir tun können, ist, ihre Eigenschaften zu beschreiben. Das werden wir in diesem Fall für die standarddeutsche Sprache tun.

Wie klingt die deutsche Sprache – was macht sie aus?

Im Folgenden wollen wir einige markante Merkmale der deutschen Sprache beschreiben, die vielleicht erklären, warum die deutsche Sprache von manchen als hart wahrgenommen wird.

Der Glottisschlag

Wenn wir sprechen, passiert Luft aus unserer Lunge einige Stationen, die dafür sorgen, dass spezielle Laute geformt werden. Eine dieser Stationen sind die im Kehlkopf sitzenden Stimmlippen, auch Glottis genannt. Wenn sie sich komplett verschließen, kommt dabei ein unhörbarer Knacklaut heraus: der stimmlose glottale Plosiv oder Glottisschlag. Dieser Laut ist unter anderem dafür verantwortlich, dass wir [Spiegel-ei] sagen und nicht [Spiege-lei]. Da er im Deutschen vor Vokalen am Wortanfang gesprochen wird, kann er das Deutsche auch „abgehackt“ klingen lassen und nicht etwa „fließend“ oder „gebunden“.

Konsonanten, Konsonanten und noch mehr Konsonanten

Wie bereits erwähnt, hat das Deutsche im Vergleich zu anderen Sprachen recht viele Konsonanten. Lautkombinationen wie [kn] existieren zum Beispiel auf Englisch nur noch geschrieben, ausgesprochen werden sie nicht mehr: knife („Messer“) oder knight („Ritter“) werden [naif] oder [nait] ausgesprochen. Das war übrigens nicht immer so. Vermutlich war die mittelalterliche Aussprache von knight [knicht] – das verwandte deutsche Knecht lässt sich dahinter gut erkennen.

Zudem kann Deutsch in einer Silbe viele Konsonanten unterbringen: Das Wort Strumpf hat nur eine Silbe – und auch nur einen Vokal! Auch bei der Verbkonjugation du feilschst (vom Infinitiv feilschen) purzeln munter die Konsonanten durcheinander. Im Japanischen ginge das zum Beispiel gar nicht. Dort bestehen Silben immer aus einen Konsonanten gefolgt von einem Vokal. Und auch Sprechende aus anderen Sprachen bekommen deutsche Wörter manchmal nur dann über die Lippen, wenn sie ein paar zusätzliche Vokale einschmuggeln.

Explosive Plosive

Plosive Laute sind all die Konsonanten, bei denen der Artikulationsstrom erst blockiert und dann „explosionsartig“ freigelassen wird. [P], [b], [t], [d], [k] und [g] gehören zum Beispiel zu den plosiven Lauten. Du kannst das leicht überprüfen, denn du kannst diese Laute nicht lang aussprechen – ein langes [m], [f], [s] oder [l] geht dagegen problemlos. Auf Deutsch werden viele Plosive zudem behaucht ausgesprochen und „explodieren“ damit besonders gewaltig. Dadurch klingt die deutsche Sprache in manchen Ohren hart.

Die Auslautverhärtung

Ein weiteres markantes Beispiel der deutschen Sprache ist die Auslautverhärtung. Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass auf Deutsch die Laute im Auslaut (also am Silben- und Wortende) grundsätzlich stimmlos ausgesprochen werden. Statt [Hund] sagen wir also [Hunt], statt [Tag] [Tak]. Das fällt den meisten Deutschen nicht auf, da die Rechtschreibung uns an diesen Stellen einen anderen Laut vorgaukelt: Wir sehen „d“ oder „g“ und bilden uns darum ein, diese Laute auch auszusprechen. Sprechende aus anderen Sprachen, die keine Auslautverhärtung haben, nehmen den Unterschied aber wahr – und wenn nicht, macht sich das in ihrem Akzent bemerkbar!

Die Auslautverhärtung strahlt außerdem aus. Dieser Prozess wird progressive Assimilation genannt. Das heißt, dass ein harter Auslaut auch den folgenden Anlaut (sofern es ein Konsonant ist) etwas härter klingen lässt.

Die Reibelaute

Reibelaute, auch Frikative genannt, gibt es viele und es gibt sie in vielen Sprachen. Mit dem Begriff sind all jene Laute gemeint, bei deren Artikulation eine Engstelle gebildet wird, sodass die ausströmende Luft verwirbelt wird und so ein Art reibenden Laut erzeugt. [F], [v], [sch], [s], [z] und auch das englische [th] gehören alle zu den Frikativen. Auch der stimmlose velare Frikativ, der [ach]-Laut (also der [ch]-Laut, der im Deutschen nach [a], [o] und [u] ausgesprochen wird) gehört dazu. Dieser kehlige Laut wird von manchen als unangenehm wahrgenommen.

Und auch ein anderer Reibelaut verlangt der deutschen Sprache einen ganz speziellen Klang: der stimmhafte uvulare Frikativ. Welcher Laut sich dahinter versteckt? Unser standarddeutsches [r]! Das deutsche [r] wird hinten im Rachen gegurgelt (ähnlich wie das [r] im Französischen und Neuhebräischen). In vielen anderen Sprachen, in denen auch „r“s geschrieben werden, werden die resultierenden Laute dagegen vorne im Mund gerollt oder mit der Zunge in der Mitte des Mundes gebildet.

Der Ton macht die Musik!

Wenn es um den Klang einer Sprache geht, spielt schließlich die Betonung eine große Rolle. Anders als du vielleicht vermutest, haben wir im Deutschen keine feste Wortbetonung – soll heißen: Es ist nicht immer die erste Silbe, zweite oder letzte Silbe betont. Stattdessen liegt dem deutschen Wortklang die Stammsilbenbetonung zugrunde. Wie der Name schon verrät, wird also immer die Silbe, die den Wortstamm bildet, betont. Das lässt sich bei Verben gut erkennen. Im Infinitiv von bauen, backen und machen liegt die Betonung auf der ersten Silbe, denn sie bildet den Stamm. Wenn wir dagegen die Partizipform bilden (gebaut, gebacken, gemacht), wandert die Betonung von der ersten auf die zweite Silbe, beziehungsweise bleibt sie auf dem Wortstamm sitzen.

Bei zusammengesetzten Nomen (Komposita) liegt die Betonung meist auf der ersten Komponente.

Das waren also einige Hauptmerkmale, mit denen sich der markante Klang der deutschen Sprache beschreiben lässt. Nun ist deine Meinung gefragt: Abgehackt, hart, herzlich oder poetisch – wie klingt die deutsche Sprache für dich?

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