Wo auf der Welt wird Französisch gesprochen?

Wusstest du, dass Französisch eine der Sprachen mit dem höchsten Zuwachs ist und dass die Hälfte seiner Sprecher in Afrika leben? Oder dass Französisch-Guayana Teil der Europäischen Union ist und den Euro nutzt? Wir zeigen dir, wie weit der Einfluss dieser faszinierenden Sprache reicht.
Artikel Von Ed M. Wood
29/12/2019
Wo auf der Welt wird Französisch gesprochen?

Eine kleine Einführung in die französische Sprache

Bevor wir die Frage klären, wo überall französisch gesprochen wird, gibt es eine kleine Einführung: Das Französische ist genau wie Portugiesisch, Rumänisch und Spanisch eine romanische Sprache. Diese Sprachfamilie stammt vom sogenannten Vulgärlatein ab, das tagtäglich in den Straßen des Römischen Reichs gesprochen wurde und das durch die römische Kolonialisierung weit verbreitet war. Nach dem Zerfall des Römischen Reichs wurden viele der von Römern eroberten Gegenden kulturell und linguistisch isoliert. So zerfiel das dort gesprochene Latein ebenfalls, und zwar in die verschiedensten lokalen Dialekte. Aus diesen entwickelten sich schließlich die romanischen Sprachen, wie wir sie heute kennen. Französisch entwickelte sich aus den galloromanischen Dialekten, die damals in Nordfrankreich gesprochen wurden. 1539 wurde es zur Staatssprache, nachdem François I. ein Edikt erlassen hatte, das es zur offiziellen Verwaltungssprache machte.

Wo wird Französisch gesprochen?

Französisch ist in 29 Ländern die offizielle Amtssprache. Damit ist sie nach dem Englischen weltweit auf Platz zwei. Die Länder sind in alphabetischer Reihenfolge: Äquatorialguinea, Belgien, Benin, Burkina Faso, Burundi, Dschibuti, die Elfenbeinküste, Frankreich, Haiti, Kamerun, Kanada, die Demokratische Republik Kongo, Luxemburg, Madagaskar, Mali, Monaco, Niger, Ruanda, die Schweiz, der Senegal, die Seychellen, Togo, der Tschad und Vanuatu.

Französisch ist außerdem

  • Verhandlungssprache der Europäischen Union,
  • die interne Amtssprache des Europäischen Gerichtshofs und
  • eine der anerkannten Arbeitssprachen der Vereinten Nationen.

Wie viele Menschen sprechen Französisch?

Die einfache Antwort wäre hier: „ungefähr 300 Millionen“. Allerdings wird diese Angabe der Komplexität und Vielfalt der Sprache nicht ganz gerecht. Zu diesen 300 Millionen gehören nämlich nicht nur Muttersprachler, sondern auch Menschen, die teilweise Französisch sprechen, sowie eine ganze Reihe an Dialekten und Kreolsprachen. Durch Kolonisation und Verstreuung belegt das Französische Platz sechs unter den meistgesprochenen Sprachen der Welt, nach Mandarin, Englisch, Hindi, Spanisch und Arabisch.

Es ist offizielle Amtssprache in Ländern, die über fünf verschiedene Kontinente verbreitet sind. Zudem ist sie nach dem Englischen die am meisten erlernte Sprache: Momentan lernen 120 Millionen Menschen Französisch. Zu den 220 Millionen Muttersprachlern kommen 72 Millionen, die es teilweise sprechen. Und diese Zahlen wachsen stetig. Demographischen Berechnungen zufolge wird die Gesamtanzahl aller Französischsprechenden bis zum Jahr 2050 auf 700 Millionen gestiegen sein. Dies ist dem Bevölkerungswachstum in Afrika zu verdanken, wo circa 50 % der französischen Muttersprachler leben. Laut einer Studie könnte die Anzahl bis zu diesem Zeitpunkt sogar die der Menschen übersteigen, die Mandarin sprechen.

Französischsprachige Länder: Welches Land hat die meisten französischen Muttersprachler?

Wie zu erwarten, gibt es in Frankreich die meisten französischen Muttersprachler. Dabei hat es unter den Ländern, in denen Französisch die Amtssprache ist, jedoch nicht die meisten Einwohner. Die Demokratische Republik Kongo hat zum Beispiel 77 Millionen Einwohner, Frankreich lediglich 62 Millionen. Wie kann es also sein, dass es im Kongo weniger Muttersprachler gibt?

Französisch nimmt hier eine etwas ungewöhnliche Stellung ein. In vielen Ländern teilt es sich nämlich den Status der Amtssprache mit einer jeweils anderen Sprache. In der Demokratischen Republik Kongo beispielsweise, die als belgische Kolonie gegründet wurde, gibt es 28 Millionen Französischsprechende. Französisch wurde als Amtssprache gewählt, weil es für Neutralität steht. Es dient als Verkehrssprache zwischen verschiedenen indigenen Gruppen, die jeweils eine der vier Nationalsprachen sprechen: Lingala, Kikongo, Tschiluba und Swahili.

Wie viele Menschen sprechen in Europa Französisch?

Wie viele Menschen sprechen in Europa Französisch?

Aber zurück nach Europa: Für fast die Hälfte der belgischen Bevölkerung sowie für einen (oder eine) von fünf Schweizer Einwohnern ist Französisch die Muttersprache. Auch in Luxemburg, Europas mehrsprachigstem Land, wird Französisch gesprochen. Insgesamt ergibt das eine Sprecherzahl von ungefähr 80 Millionen, womit Französisch nach Deutsch die am zweitmeisten gesprochene Sprache in Europa ist. Somit machen die europäischen Sprecher wie viel Prozent der weltweiten Anzahl aus? Genau, 40 %!

Wie viele Menschen in Nordamerika sprechen Französisch?

Wie viele Menschen in Nordamerika sprechen Französisch?

Ein kurzer Blick auf die offiziellen Meldungen des bilingualen kanadischen Premierministers Justin Trudeau zeigen: Seine gesamte öffentliche Korrespondenz wird auf Englisch und Französisch veröffentlicht. Das schließt sogar seinen Twitter-Feed ein. Bilingualität ist nämlich in der Kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten verankert. Sowohl Englisch als auch Französisch sind dort offizielle Amtssprachen. Ihr genauer Status wiederum ist von Provinz zu Provinz unterschiedlich. So ist in Quebec zum Beispiel Französisch die einzige Amtssprache. Hier leben 7 Millionen der insgesamt 10 Millionen kanadischen französischen Muttersprachler. Landesweit leben weitere 2 Millionen Menschen, die Französisch als Zweitsprache sprechen. Somit sprechen insgesamt circa 36 % der kanadischen Bevölkerung diese Sprache. Interessanterweise ist Montreal – die größte Stadt in Quebec – auf Platz vier der frankophonen Städte weltweit.

Und wie viele Leute sprechen in den USA Französisch? Mit 1,6 Millionen Sprechenden besetzt es dort Platz vier der am meisten gesprochenen Sprachen. Damit kommt es direkt nach Chinesisch mit 2 Millionen Sprechern. Dies umfasst sämtliche Varianten des Französischen, wie Quebecer Französisch, Cajun und das haitianische Kreol. In den Jahren 1980 bis 2000 ist die Anzahl der haitianischen Einwanderer stark angestiegen, sodass mittlerweile eine halbe Million Menschen in den USA leben, die diese Kreolsprache sprechen. Im Bundesstaat Louisiana sprechen 200.000 Menschen Französisch als erste Sprache bei sich zu Hause. Das sind 4 % der dortigen Bevölkerung. Haiti selbst, ein in den Großen Antillen gelegener Inselstaat, beherbergt 10 Millionen französischsprachige Einwohner. Davon sprechen 80 % Kreol als erste Sprache und 20 % Französisch. Die überwiegende Mehrheit der gebildeten Haitianer kann zwischen beiden Sprachen wechseln.

Wie viele Menschen in Afrika sprechen Französisch?

Wenn es weltweit 220 Millionen Sprecher gibt, von denen 22 Millionen in Kanada, Haiti und den USA sowie 80 Millionen in Europa leben, bleiben immer noch 120 Millionen übrig. Wo leben die denn nun alle?

Wie viele Menschen in Afrika sprechen Französisch?

Tatsächlich ist Afrika der Kontinent mit den meisten Französisch sprechenden Menschen. Für die meisten Einwohner dort ist es nur die Zweitsprache, doch es gibt auch Regionen, wo es die ursprüngliche Heimatsprache abgelöst hat, zum Beispiel Abidjan an der Elfenbeinküste. In vielen der 31 afrikanischen Länder, in denen sie gesprochen wird, hat sich die französische Sprache mit den einheimischen Sprachen vermischt. So ist ein bunter Strauß an Dialekten entstanden. In der Demokratischen Republik Kongo wird das Französische nicht nur als Verkehrs-, sondern auch als Verwaltungssprache und Sprache der höheren Bildung genutzt. Dank des hohen Bevölkerungswachstums in Subsahara-Afrika und der stetigen Erweiterung des Bildungssystems hat Französisch den höchsten Sprecherzuwachs in ganz Afrika.

Und was ist mit dem Rest der Welt?

Wir haben bereits erwähnt, dass auf fünf Kontinenten Französisch gesprochen wird, sind aber erst auf drei davon eingegangen: Die überwältigende Mehrheit der französischen Sprecher lebt zwar in Europa, Afrika und Nordamerika, aber auch in Asien, Südamerika, Ozeanien und im Nahen Osten sprechen diverse Menschen diese Sprache. So gehört Französisch-Guayana, das nördlich von Brasilien liegt, technisch gesehen zu Frankreich. Es gehört mit seiner Einwohnerzahl von einer Viertelmillion zur Europäischen Union und nutzt den Euro als Währung. Was Ozeanien angeht, ist Französisch die Amtssprache auf der pazifischen Insel Vanuatu. Außerdem wird es in Französisch-Polynesien und in den französischen Überseegebieten Neukaledonien sowie Wallis und Futuna gesprochen.

In Asien und im Nahen Osten ist die koloniale Vergangenheit immer noch in Laos, Vietnam und Kambodscha zu spüren. Diese Gebiete gehörten bis 1954 zu Französisch-Indochina. Auch im Libanon und in Syrien wird Französisch gesprochen. Obwohl der Gebrauch der Sprache in diesen Ländern stetig abnimmt, wird sie immer noch von vielen erlernt. Gesprochen wird sie weiterhin besonders von älteren Generationen, von den Bildungseliten sowie in höheren Bildungsinstitutionen.

Warum solltest du Französisch lernen?

Als häufigster Grund, um Mandarin, Englisch oder Arabisch zu lernen, wird deren überwältigende Anzahl an Sprechern angeführt. Für Französisch gilt das angesichts der demographischen Entwicklung genauso. Also, warum probierst du es nicht gleich aus? Fang hier an, Französisch zu lernen, staune über die Vielfalt der französischen Dialekte oder eigne dir ein paar besonders praktische französische Wörter an.

Lerne eine der am schnellsten anwachsenden Sprachen der Welt!
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Ed M. Wood
Ed M. Wood kommt ursprünglich aus Wells, der kleinsten Stadt Englands, und lebt mittlerweile in Berlin. Er hat Psychologie an der Universität von Southampton studiert, bevor er als Lehrer und Übersetzer in Spanien, England und Deutschland arbeitete. Danach absolvierte er einen MA in Politikwissenschaft in Bath, Berlin und Madrid. Sprachen, Kulturen und Reisen gehören zu seinen Hauptinteressen und es waren diese drei Dinge, die ihn schließlich zum Babbel-Turm geführt haben, wo er bis heute residiert.
Ed M. Wood kommt ursprünglich aus Wells, der kleinsten Stadt Englands, und lebt mittlerweile in Berlin. Er hat Psychologie an der Universität von Southampton studiert, bevor er als Lehrer und Übersetzer in Spanien, England und Deutschland arbeitete. Danach absolvierte er einen MA in Politikwissenschaft in Bath, Berlin und Madrid. Sprachen, Kulturen und Reisen gehören zu seinen Hauptinteressen und es waren diese drei Dinge, die ihn schließlich zum Babbel-Turm geführt haben, wo er bis heute residiert.

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