Kann Sprachenlernen Vorurteile abbauen?

Vorurteile haben wir alle irgendwie. Aber wir können an ihnen arbeiten. Zum Beispiel durch Sprachenlernen.
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Kann Sprachenlernen Vorurteile abbauen?

Bevor wir uns ansehen, wie Sprachenlernen Vorurteile abbauen kann, lass mich eins klarstellen: In diesem Artikel geht es nicht darum, mit dem Finger auf Leute zu zeigen oder so zu tun, als sei ich erhaben und vorurteilsfrei. Ich habe ganz sicher Vorurteile. Alle Menschen, selbst solche mit den besten Intentionen, haben Vorurteile. Wir sind einfach evolutionär gestrickt, schnelle Entscheidungen zu treffen, und Schubladendenken geht damit Hand in Hand. Trotzdem finden die meisten, dass Vorurteile irgendwie nicht mehr in unsere Gesellschaft gehören. Als Bürger in einer globalen Welt kommen wir immer häufiger mit Menschen anderer Kulturen in Kontakt, die Dinge anders sehen oder ausleben. Klar gibt es in einigen Kulturen menschenverachtende Praktiken, die du von deinem moralischen Standpunkt auf keinen Fall akzeptieren musst – das hat nichts mit mangelnder Offenheit zu tun. Aber es gibt eben auch Dinge, die nicht unbedingt schlechter oder besser in einer anderen Kultur sind – sie sind eben anders. Und genau die zweite Art von Vorurteilen lässt sich super durch Sprachenlernen abbauen. Das versteht sich von selbst: Wer eine Sprache versteht, versteht auch deren Sprechenden besser. Eine multilinguale Weltsicht erweitert das Verständnis über die Sprachen, die du sprichst, hinaus. Denn je mehr du erlebst und je mehr anderen Sichtweisen du ausgesetzt bist, desto leichter wird es sein, dein Wissen und deine neue Weltsicht auch auf andere Situationen zu übertragen.

 

Kann Sprachenlernen Vorurteile abbauen? Wenn ja, welche?

Vorurteil Nummer 1: Wie unhöflich!

Wir Deutsche gelten international als unhöfliches Völkchen. Und wir selbst schätzen den Rest der Welt natürlich auch gerne von unserem Standpunkt ein: Zum Beispiel finden wir die Engländer ausgesprochen höflich. Wenn du aber in die jeweilige Sprache und Kultur eintauchst, kann schnell eines klar werden: Es gibt überall höfliche und unhöfliche Menschen. Aber sie leben im Kontext ihrer Kultur. Und in verschiedenen Kulturen gibt es unterschiedliche soziale und auch sprachliche Codes, um höflich zu sein. So wird dir deine englische Chefin wahrscheinlich nicht direkt sagen, wenn sie mit deiner Arbeit nicht zufrieden ist. Sie sagt es dir aber trotzdem. Eben nur so verpackt, wie sie es aus ihrer Kultur gewöhnt ist. Eine andere Sprache zu lernen, schärft dein Verständnis, wann du eine direkte Ansage nicht persönlich nehmen solltest. Oder wann ein „Ja“ wirklich ein „Ja“ oder eben ein verstecktes „Nein“ ist.

 

Vorurteil Nummer 2: Wow, das klingt ja richtig aggressiv?

Russen sind total aggressiv. Die klingen immer so, als wenn sie sich gegenseitig anschreien.“ Auch dieses Vorurteil lässt sich durch Sprachenlernen im Nu beheben. Denn schnell wird dir klar werden: Andere Sprachen haben andere Sprachmelodien und Laute, die etwas härter, weicher, singender oder abgehackter klingen können.

 

Vorurteil Nummer 3: Die sprechen viel zu laut!

Auch eine bestimmte Lautstärke gehört zu bestimmten Kulturen und Sprachen. Bei den einen ist es völlig normal, auch mal über die andere Person hinwegzureden. Wenn du eine andere Sprache lernst und diese etwas besser sprichst, wird dir schnell auffallen, dass auch du mit einer anderen Sprache in eine andere Rolle schlüpfst – und diese Rolle könnte lauter oder leiser sein, als du normalerweise in deiner Muttersprache sprichst.

 

Vorurteil Nummer 4: Das sind solche Schmeichler – und immer auf Körperkontakt aus.

In anderen Kulturen gibt es unterschiedliche Einstellungen zu Körperkontakt. Und ja, es kann sehr, sehr überraschend kommen, zur Begrüßung auf einmal einen Kuss auf die Wange gedrückt zu bekommen. Auf der anderen Seite kannst du einige Fauxpas begehen, wenn du zum Beispiel jemandem deine Hand anbietest, wenn das Händeschütteln für diese Person nicht zur Kultur dazugehört. Darum ist es wichtig, Sprachen nicht isoliert aus einem Grammatikbuch zu lernen. Die Lernmethode, egal ob du mit einem Lehrer oder im Selbststudium lernst, sollte dir auch kulturelle Aspekte deiner Lernsprache vermitteln. Am wichtigsten ist hier aber, dass du dich mit Menschen in deiner neuen Sprache unterhalten musst, um die kulturellen Gepflogenheiten zu verstehen. Also sei nicht schüchtern!

 

Vorurteil Nummer 5: Die sind einfach etwas blöd …

Jemand hat einen Akzent oder kann sich nicht richtig in einer anderen Sprache ausdrücken und, schwupps, wird dieser Person mangelnde Intelligenz unterstellt. Dieses Vorurteil können aber nur Leute haben, die sich noch nie im Sprachenlernen versucht haben. Denn jeder, der schon mal eine neue Sprache gelernt hat, wird schnell feststellen: Es fehlen einem meistens die Worte. Und es ist verdammt frustrierend, sich nicht richtig ausdrücken zu können. Besonders wenn es in der Muttersprache doch so einfach wäre. Aber es gibt ein Licht am Ende des Tunnels: Wenn jemand eine neue Sprache schlecht spricht, heißt es immerhin, dass die Person diese neue Sprache ein bisschen spricht. Und eine und eine Viertelsprache sprechen zu können, ist schonmal besser, als nur eine zu können …

Hast du weitere Beispiele dafür, wie Sprachenlernen Vorurteile abbauen kann? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

Wirke deinen Vorurteilen entgegen, indem du jetzt eine neue Sprache lernst – vielleicht eine, die ganz anders ist als alles, was du bisher sprichst!
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