Sprichst du „vegan”? Das Ernährungslexikon zum vegan leben

Dürfen vegane Schnitzel eigentlich Schnitzel heißen? Und was ist der Unterschied zwischen Sojamilch und Sojadrink? Wir helfen dir, „vegan” zu verstehen.
Sprichst du „vegan”? Das Ernährungslexikon zum vegan leben

Es reicht aus, sich in den Regalen jeden Supermarkts oder sogar eines lokalen Geschäftes umzusehen, um zu sehen, dass vegetarisch oder vegan leben mehr als nur eine Laune oder ein Trend unter Tierschützenden ist. Längst sind es auch nicht mehr nur strikt vegan Lebende, die zu pflanzlichen Ersatzprodukten greifen.

Der Handel muss sich der steigenden Nachfrage nach pflanzlicher Küche stellen und Lebensmittelherstellende werden immer kreativer, wenn es darum geht, in jedem Regal auch vegane Optionen zu bieten. 

Hält unsere Sprache mit diesem Prozess Schritt? Oder muss sie dafür mit neuen Wörtern ausgestattet werden? Lass uns eine Tour durch die Definitionen, Bezeichnungen und Neologismen des Veganismus machen. Hier findest du alles, was du zum vegan leben sprachlich brauchst.

Vegan leben: Die wichtigsten Definitionen im Ernährungslexikon

Im Alltag begegnen uns viele verschiedene Bezeichnungen für Ernährungsformen und Diäten – doch was ist nun der Unterschied zwischen pflanzlich und vegan? Hier findest du die Übersicht der wichtigsten Begriffe zum veganen Ernährungslexikon.

Vegetarisch leben

Vegetarismus leitet sich vom englischen vegetarian („Vegetarier:in“), das sich wiederum aus dem Wort vegetable („Gemüse”) und vegetation („Pflanzenwelt”) ableitet. Die Wörter stammen vom lateinischen vegetare, was so viel wie „beleben, ermuntern, gesund erhalten, leben, grünen“ bedeutet.

Wer vegetarisch lebt, isst weder Fleisch noch Fisch. Die Ovo-Lacto Ausrichtung bedeutet, dass diese Personen Milch (vom lateinischen Lac) und Eier (vom lateinischen Ovum) auf dem Teller jedoch akzeptieren! Vegetarische Gerichte sind also zumeist nicht auch gleich vegan.

Vegan leben vs. sich pflanzlich ernähren

Der englische Begriff veganism („Veganismus”) wurde ursprünglich von Donald Watson aus dem Wort vegetarianism („Vegetarismus”) abgeleitet.

Der Veganismus ist oft eine Lebenseinstellung und Philosophie, die sich nicht nur auf Mahlzeiten konzentriert. Es geht darum, so gut wie möglich Tierleid und -sterben zu verhindern. Wer vegan lebt, verzichtet nicht nur auf Tierprodukte in der Nahrung, sondern häufig auch bei Kleidung, Kosmetik und in anderen Lebensbereichen.

Über Personen, die lediglich keine Tierprodukte essen, könnte man sagen, sie ernähren sich pflanzlich. Die pflanzliche Ernährung ist ein wichtiger Teil, Veganismus geht aber oft noch einen Schritt weiter. Häufig wird vegan leben mit pflanzlicher Ernährung gleichgesetzt – die Begriffe sind aber noch nicht verbindlich festgelegt.

In den Medien wird auch oft der Begriff veganisch verwendet, der sich offenbar an vegetarisch anlehnt – genau genommen aber falsch ist.

Weitere Bezeichnungen im Ernährungslexikon

Puddingvegetarier:in oder Puddingveganer:in ist eine nicht ganz ernst gemeinte Selbstbezeichnung. Der umgangssprachliche Ausdruck bezeichnet Personen, die zwar vegetarisch bzw. vegan leben, jedoch dabei nicht unbedingt auf eine gesunde Ernährung achten. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass vegetarisch oder vegan Lebende nur Gemüse und Obst essen (können), lieben Puddingveggies das andere Extrem: verarbeitete Lebensmittel, Fertiggerichte, und – Überraschung – Pudding!

Pescetarier:innen essen zwar Fisch, jedoch kein anderes Fleisch.

Flexitarier:innen sind Personen, deren Ernährung nur hin und wieder Fleisch enthält.

Omnivore werden gerne umgangssprachlich auch als „Allesesser“ bezeichnet, schließen also kein bestimmtes Nahrungsmittel aus ihrer Ernährung aus.

Vegan leben: Bezeichnungen unter der Lupe von Politikschaffenden

Das Ernährungslexikon des Veganismus hat es gar nicht so einfach. Neue Herstellungsarten und Produkte wirbeln die Benennungskonventionen durcheinander. Hast du dich nicht auch schon mal gefragt, …

Sind Sojamilch und Sojadrink das gleiche?

2013 haben das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union beschlossen, dass Namen wie Butter, Milch, Joghurt, Käse und Sahne ausschließlich echten Milchprodukten vorbehalten sind. Statt dein Müsli mit Sojamilch zu essen, darfst du offiziell dafür nur ein Sojagetränk oder einen Sojadrink verwenden. Möchtest du Sojajoghurt, findest du dieses unter Neologismen wie beispielsweise Sojagurt

Diese Bezeichnungen sind also ausschließlich Produkten vorbehalten, die „durch ein- oder mehrmaliges Melken“ aus der „normalen Eutersekretion“ von Tieren gewonnen werden. Das Marketing von Ersatzprodukten für Milcherzeugnisse soll jedoch noch weiter eingeschränkt werden und steht momentan erneut zur Debatte.

Vielleicht fällt dir am nächsten Regal jedoch auf, dass das Glas Erdnussbutter keine Butter enthält – wie kann das sein?

Enthält Erdnussbutter also Butter?

Erdnussbutter ist ein besonderes Beispiel und von dieser Benennungsregel ausgenommen. Da diese Bezeichnung seit langem gängig ist, ist sie zulässig – genau wie beispielsweise Kokosmilch. Anders ist das in den Niederlanden – dort wurde Erdnussbutter pindakaas (wörtlich „Erdnusskäse“) benannt und bildet damit im europäischen Bereich sprachlich eine Ausnahme.

Nach niederländischem Recht dürfen nur Produkte das Wort „Butter” verwenden, die auch tatsächlich Butter enthalten. „Käse“ wurde hingegen schon für einige Produkte wie leverkaas („Leberkäse”) und hoofdkaas („Presswurst”) benutzt (die auch keinen Käse enthalten). Zudem wurde pindakaas in der ehemaligen niederländischen Kolonie Suriname bereits als Name für die gepresste Erdnussmasse genutzt.

Dürfen pflanzliche Ersatzprodukte „Schnitzel” heißen?

Doch die Debatte geht weiter: 2020 wurde ein Antrag (dieses Mal von Seiten der Agrarverbände) diskutiert, der die Europäische Union zu einer weiteren Verschärfung der Vorschriften drängt.

Es wurde dafür plädiert, dass „sich auf Fleisch beziehende Begriffe und Bezeichnungen (…) ausschließlich den zum Verzehr geeigneten Teilen der Tiere vorbehalten” sein sollen, da die Herstellende von Ersatzprodukten Bezeichnungen wie Steak, Wurst, Schnitzel oder Burger „kapern” würden.

Vegane Laibchen statt Veggieburger, Grillstangen anstelle von Sojawürsten und statt veganem Schnitzel … vegane Panier-Scheibe? Proteste von NGOs, Ersatzprodukteherstellenden und die Unterschriften von mehr als 450.000 Verbrauchenden führten schließlich zur Ablehnung der Verordnungsänderungen. Vegan und vegetarisch lebende Personen können sich also beruhigt zurücklehnen.

Da Produkte wie Sojasteaks oder Kichererbsenwürstchen klar als vegetarisch oder vegan gekennzeichnet sind, liegt hier auch kein Grund zur Verwirrung bei den Verbrauchenden vor. Vielmehr erleichtern Bezeichnungen wie Burger oder Steak das Integrieren von Produkten in Mahlzeiten.

Fest steht außerdem, dass Gesetze die Sprachgewohnheiten bisher kaum verändert haben. In kulinarischen Blogs findet man immer noch vegane Rezepte mit Sojamilch oder Kokosjoghurt und auch im alltäglichen Sprachgebrauch sind diese Bezeichnungen üblich.

Das vegane Ernährungslexikon aus Sicht der Sprachwissenschaft

Viele halten die neuen Wörter, die Fleisch- oder Milchgerichte und -produkte umschreiben, für verwirrend und sehen das Vorgehen sogar als sprachlich inkorrekt. Unterdessen weisen Fachpersonen aus der Sprachwissenschaft auf zwei Phänomene hin, die der Schlüssel zum Verständnis der Bildung solcher Namen sind. Es geht um die Schaffung von Neosemantismen und wortbildenden Neologismen.

Vegan leben: Neosemantismen

Neosemantismen sind Wörter oder Phrasen, denen eine neue Bedeutung gegeben wird oder deren ursprüngliche Bedeutung sich erweitert hat. Schauen wir uns ein paar Beispiele an:

  • Hack: Ursprünglich ein Produkt, das lediglich aus Fleisch besteht, hat es heute genügend vegane Pendants. Veganes Hack besteht meist aus Erbsen, Soja, Weizeneiweiß oder Sonnenblumenkernprotein.
  • Aufschnitt: Hier lohnt es sich, zu erwähnen, dass das Wort Wurst bereits einmal seine Bedeutung erweitert hat! Früher bezeichnete es nämlich lediglich „geräucherte Fleischprodukte“. Auch die Cabanossi erlag einer Neosemantisierung: Ursprünglich wurde sie aus Schweinefleisch hergestellt, heute kann sie Geflügel, Rind und – ganz genau – vegan sein. So verhält es sich auch mit dem Aufschnitt.

Diese Substantive geben an, wie das Gericht zubereitet wurde und wie es aussieht. Die Ergänzung (z.B.: vegan) informiert über die verwendeten Zutaten. Dadurch wissen wir, was uns auf dem Teller erwartet!

Neologismen: Einmal Vöner, bitte!

Der eigentliche Spaß beginnt jedoch mit den bereits erwähnten wortbildenden Neologismen. Im Deutschen sind diese oft bereits bekannte Wörter, die ihre Schreibweise ändern, ein Suffix erhalten oder ganz einfach einen Buchstaben mit “V” ersetzen – dieser steht natürlich für vegan oder vegetarisch. Hier findest du einige Beispiele, die sich langsam, aber sicher, einen Platz im Sprachgebrauch sichern:

  • Vayonnaise – eine Mayonnaise auf Sojamilchbasis
  • Vürstchen
  • Tofubutter
  • Soja/Hafer Cuisine – vegane Sahne
  • Zoodles (Zucchini Noodles) – Nudeln aus Zucchini
  • Cashewbert – Camembert aus Cashewnüssen
  • Ohnig – Honig, der nicht von Bienen erzeugt wird
  • Räucherlaxs – veganer Lachs
  • Vöner – vegane oder vegetarische Variante des Döners
  • Wörter mit dem Suffix – frei: eifrei, milchfrei, milchproduktefrei, glutenfrei

Ernährungslexikon: Irreführende Bezeichnungen rund um den Veganismus

Ist Eiweiß vegan?

Eiweiß ist eine Bezeichnung für Protein, das sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten ist. Umgangssprachlich wird Eiweiß auch für Eiklar (das nicht vegan ist) verwendet. Der Grund dafür ist vermutlich, dass Protein zum ersten Mal im Eiklar von Hühnereiern entdeckt wurde. In der Regel spricht man heute von Protein. Steht Eiweiß jedoch in der Zutatenliste, kann man davon ausgehen, dass tierisches Eiweiß enthalten ist.

Proteine bekommen vegan lebende Personen übrigens von Hülsenfrüchten, Nüssen oder Sojaprodukten.

Fleischtomaten oder Ochsenherztomaten

Diese Tomaten enthalten weder Fleisch noch Ochsenherzen. Im Falle der Ochsenherztomaten ähnelt nicht nur das Aussehen, sondern sogar das Volumen und das Gewicht tatsächlich dem Herz eines Ochsen. Fleischtomaten hingegen sind nach der Menge an Fruchtfleisch benannt.

Kakaobutter

Obwohl Kakobutter nach einer fetthaltigen Kakaocreme klingt, ist sie eigentlich das Fett aus Kakaobohnen. Somit ist Kakaobutter nicht auf Basis von tierischer Butter, sondern vegan.

Honigmelone

Honigmelonen mögen vielleicht so süß wie Honig sein und dazu noch deutlich aromatischer als Wassermelonen. Mit Bienenhonig haben sie jedoch nichts zu tun.

Vegan leben? Mit diesem Ernährungslexikon kein Problem mehr! Jetzt sprichst du flüssig „vegan”!


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