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Unsere 30 liebsten sizilianischen Wörter und Redewendungen

Erfahre, warum man in Sizilien niemals zu dreizehnt am Tisch sitzen sollte und gewinne weitere Einblicke in die Kultur Siziliens.
Unsere 30 liebsten sizilianischen Wörter und Redewendungen

Einer der faszinierendsten Aspekte der italienischen Sprache ist, dass im Laufe ihrer Geschichte hunderte Varianten von Dialekten entstanden sind. Jeder Dialekt hat seine eigene besondere Geschichte, die etwas über die Menschen verrät, die ihn sprechen. Das Sizilianische ist eines der schillerndsten Beispiele und entwickelte sich durch die sizilianische Dichterschule zur ersten Literatursprache Italiens. Sizilianische Wörter sind dadurch natürlich besonders interessant und verraten auch so einiges über die Menschen, die sie verwenden.

Die bewegte Geschichte Siziliens hat dazu geführt, dass viele unterschiedliche Einflüsse ihre Spuren in der Sprache hinterlassen haben: Das Sizilianische ist das Ergebnis dieser faszinierenden und komplexen sprachlichen Verschmelzung. Auch wenn das Sizilianische nicht offiziell als Sprache anerkannt ist, so ist es heute ein bedeutender Teil des immateriellen Kulturerbes Italiens.

Auch die Werke einiger italienischer Schrifsteller wie Giovanni Verga, der in seinen Romanen das Standarditalienische mit dem sizilianischen Dialekt vermischte, gehören zu den bedeutendsten ihrer Zeit. Oder etwas aktueller: der große Erfolg von Andrea Camilleri, in dessen Kriminalromanen sizilianische Wörter und Redewendungen allgegenwärtig sind. Da kriegt man doch richtig Lust, eines seiner Bücher in ihrer Originalsprache zu lesen, oder?

Redewendungen bieten jedenfalls auch schon mal eine sehr gute Möglichkeit, um einen Dialekt oder eine Regionalsprache besser zu verstehen – ein Volk gibt seine Weisheiten immerhin durch idiomatische Ausdrücke weiter. Also: Lass uns 30 sizilianische Wörter und Ausdrücke entdecken!

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30 sizilianische Wörter und Ausdrücke, die du kennen solltest

1. Acqua davanti e ventu d’arreri

Wörtlich übersetzt: „vorne Wasser und hinten Wind“

Dieser Ausdruck wird verwendet, um eine Person zu bezeichnen, die uns auf den ersten Blick sympathisch ist und sich dann als unerträglich herausstellt. Man wünscht sich also, dass diese Person schnell verschwindet: mit dem Wasser voraus (gemeint ist Regen) und dem Wind im Rücken, der sie schneller wegtreibt.

2. Amunì

Amunì ist ein Ausdruck aus Palermo. Er ist aber so geläufig, dass wir ihn trotzdem in unsere Liste aufgenommen haben. Es gibt auch die Variante Amunìnni, die „lasst uns aufbrechen“ bedeutet. Damit möchte man jemanden ermutigen, sich zu beeilen, eine Entscheidung zu treffen. Und noch vieles mehr, das hier nicht alles aufgezählt werden kann.

3. Annacarsi

Zu den faszinierendsten Aspekten sizilianischer Wörter zählt, dass man sie nicht vollständig übersetzen kann. Annacarsi ist hierfür eines der besten Beispiele. Das Witzige an der ganzen Sache ist, dass der Ausdruck entgegengesetzte Dinge meinen kann: „sich beeilen“, aber auch „zögern“. Im Grunde genommen bedeutet es, dass sich jemand bewegt, ohne sich zu weit weg zu bewegen. Der Schriftsteller Roberto Alajmo meint, es ist wie wenn man ein Kind im Arm wiegt: Man wippt etwas vor und zurück und bewegt es dabei aber keinen Zentimeter.

4. A tia talìu

Diese sizilianische Redewendung ist besonders beliebt unter Eltern (wenn auch nicht ausschließlich). Sie bedeutet wörtlich „Ich beobachte dich“ und ist eine Warnung, in etwa wie: „Es mag den Anschein haben, dass ich dich nicht beobachte, aber ich habe dich im Auge.“

5. Bedda Matri!

Dieser sizilianische Ausdruck landet oft auf den Schildern der sizilianischen Restaurants in der ganzen Welt. Das sagt man, wenn man über etwas total erstaunt oder überrascht ist (ähnlich wie „wow“ oder „Wahnsinn“).

6. Botta ri sali

Mit diesem Ausdruck bezeichnet man jemanden, den man nicht besonders mag. Botta ri sali hat keinen so heiteren Ursprung: Er bezieht sich auf die Bergleute in den Salzminen, die auf engstem Raum arbeiteten und sich daher oft den Kopf an den Felswänden stießen.

Sizilianische Wörter: 7. Camurrìa

Dieses sizilianische Wort gehört zu den bekanntesten, auch abseits der Insel. Camurrìa bezeichnet im Grunde etwas, das „nervt“ oder „stört“. Daran gibt es kaum Zweifel, doch über den Ursprung ist man sich uneinig. Die einen meinen, dass es von dem Namen einer Geschlechtskrankheit stammen könnte, wiederum andere, dass es vom Wort camula („Holzwurm“) kommt.

8. Chista è a zita

Manchmal verbirgt sich hinter einer Volksweisheit eine gewisse Portion Fatalismus (siehe Giovanni Vergas Roman: I Malavoglia): Das Schicksal hat entschieden, und man muss sich ihm fügen. Chista è a zita, cu ‘a voli sa marita, bedeutet: „Das ist die Braut, wer sie will, wird sie heiraten“. Das ist der Lieblingsausdruck der sizilianischen Fatalisten. Im Grunde bedeutet es so viel wie „Die Würfel sind gefallen“, man kann nichts dagegen tun.

9. Cu n’appi, n’appi

Der vollständige Ausdruck lautet Cu n’appi n’appi re Cassatelli ri Pasqua und bedeutet wörtlich „Wer schon was davon hatte, der hatte schon was von den Cassatelle di Pasqua“. Die Cassattelle sind ein traditionelles sizilianisches Ostergebäck. Mit dieser Redewendung möchte man ausdrücken, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn man etwas schon aufgeteilt hat.

10. E cu è, Totò Termini?

Salvatore Termini, auch bekannt als Totò Termini, ist eine mythologische Figur der sizilianischen Kultur. Diesen Namen wirft man in den Raum, wenn man konkret auf jemanden Bezug nimmt. Man stößt dabei allerdings auf taube Ohren bei Menschen, die nicht aus Sizilien kommen. Wenn man über jemanden spricht und sagt: „Für wen hält er sich eigentlich, für Totò Termini?“, will man damit ausdrücken, dass sich diese Person aus uns unbekannten Gründen sehr wichtig nimmt. Wenn man sagt: arrivò Totò Termini a cavallo, also „Totò Termini ist mit dem Pferd gekommen“, bedeutet das, dass sich eine Person in ein Gespräch eingemischt hat. Und so weiter.

11. E cu parla ‘u paraqquaru

Diese Redewendung heißt wörtlich übersetzt „Und wer spricht, der Regenschirmmacher?“ und bedeutet praktisch, dass demjenigen, der spricht, nie jemand zuhört.

12. Focu ‘ranni

Focu ‘ranni („großes Feuer“) zählt zu den sizilianischen Redewendungen, die in der gesamten Region verwendet werden. Mit dem Ausdruck beschreibt man eine sehr komplizierte und verfahrene Situation.

13. Gira vòta e furrìa

Dieser Ausdruck bedeutet „sich ohne Ziel im Kreis drehen“ und wird verwendet, wenn man sich in einer Situation befindet, in der man immer wieder am Ausgangspunkt ankommt.

14. Lassari in tririci

Wie bereits erwähnt, vermitteln einige sizilianische Redewendungen die sizilianische Kultur besser als jede lange Abhandlung. Lassari in tririci (bedeutet wörtlich „jemanden zu dreizehnt lassen“) ist ein hervorragendes Beispiel hierfür. Dieser Ausdruck spielt offensichtlich auf Jesus und die 12 Apostel beim letzten Abendmahl an und bedeutet, dass man niemals zu Dreizehnt am Tisch sitzen sollte. Wenn jemand seine Freunde in letzter Minute versetzt und 13 von ihnen verbleiben, ist das ein Affront. Lassari in tririci wird also verwendet, um jemanden zu beschreiben, der uns in der Not im Stich gelassen hat.

15. Mastru Cola, cu ‘na furma

Mastro Cola war ein Schuhmacher, der all seine Pantoffeln nur aus einer Schablone herstellte. Die Redewendung bezeichnet jemanden, der immer seinen eigenen Weg geht und sich nicht darum schert, was andere von ihm halten.

16. Muoviti ddruocu

Diese Redewendung fällt unter die Kategorie „sizilianische Wörter, die man nicht erklären kann“. Muoviti drruocu („beweg dich drruocu“) hat eine paradoxe Bedeutung, ähnlich wie annacarsi, denn es bedeutet „stillhalten“. Was solltest du also tun, wenn dir jemand sagt muoviti drruocu? Stehen bleiben. Ist doch logisch, oder?

17. Non ni manciu chiacchiri!

Wörtlich übersetzt bedeutet es „ich esse keinen Klatsch und Tratsch“. Chiacchiere heißt auch ein traditionelles frittiertes Karnevalsgebäck. Hier sind die leeren Worte gemeint, im Sinne von: „Ich nehme dir dein Gerede nicht ab, du wirst mich nicht dazu bringen, etwas zu tun, was ich nicht tun will.“ Die Menschen in Sizilien lassen sich jedenfalls nicht so einfach beschwatzen, da muss man sich schon was einfallen lassen.

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18. N’un miriri e sbiriri

Dieser Ausdruck bedeutet „in kürzester Zeit“ und eine wörtliche Übersetzung ist praktisch unmöglich.

19. Orva di l’occhi!

Dieser Ausdruck bedeutet frei übersetzt „auf dass ich blind werde, wenn ich nicht die Wahrheit sage“.

20. Parlari tischi-toschi

Eine der witzigsten sizilianischen Redewendungen ist Parlari tischi-toschi. Damit macht man sich in Sizilien über diejenigen lustig, die sich weigern ihren Dialekt zu sprechen und es vorziehen, ihren Akzent so weit wie möglich zu verbergen. Man unterstellt ihnen, dass sie versuchen tischi-toschi, d. h. Toskanisch zu sprechen. Jemand der tischi-toschi spricht, gilt jedenfalls als eingebildet.

Sizilianische Wörter: 21. Peri peri

Peri peri bedeutet wörtlich „Füße, Füße“ und heißt so viel wie „herumbummeln“ oder „spazieren gehen“.

22. Risu susiti tisu

Dies ist eine weitere sizilianische Redewendung, die einen Großteil ihrer Ausdruckskraft verliert, wenn man sie wörtlich übersetzt. Risu susiti tisu bedeutet mehr oder weniger, „wer Reis isst, kann hinterher gut aufstehen”. Der Grund ist, dass Reis nicht schwer im Magen liegt und sich hervorragend eignet, wenn man etwas Leichtes essen möchte. Doch Vorsicht: Wenn du 5 frittierte Arancine ist, wirst du dieses Sprichwort nicht mehr verwenden können, wenn du vom Tisch aufstehst!

23. Sabbinirica

Dies ist eine feierliche und respektvolle Begrüßung. Man verwendet sie sowohl, wenn man sich begrüßt, als auch wenn man sich verabschiedet. Der Ausdruck bedeutet in etwa „Gott segne dich“ und wird hauptsächlich benutzt, wenn man ältere Menschen grüßt. Es gibt natürlich verschiedene Varianten, je nachdem in welcher Gegend man sich befindet, aber die Bedeutung bleibt stets dieselbe.

Sizilianische Wörter: 24. Sbrizzìa

Sbrizzìa (oder stizzìa) ist ein sehr starker Regen, ein extremes Wetterphänomen, das zwar nicht so häufig vorkommt, aber dennoch einen eigenen Namen verdient hat. Wenn der Regen so stark zunimmt, als ob er die Haut kneift, spricht man von einer pizzichiddìa (das kommt vom Wort pizzicare und bedeutet „kneifen“).

25. Sciatiri e matri!

Dieser eher merkwürdige Ausdruck ist ähnlich wie Bedda Matri und wird verwendet, wenn man über etwas sehr erstaunt oder überrascht ist. Es gibt viele Theorien, die versuchen die wörtliche Bedeutung dieses Ausdrucks zu entschlüsseln. Für die einen steht er für „Retter und Mutter“, für andere stammt er von einer arabischen Redewendung, die sich heute noch in ähnlicher Form in der maltesischen Sprache wiederfindet. Es ranken sich noch weitere Legenden um diesen Ausdruck. Doch am wichtigsten ist die Tatsache, dass im Laufe der Zeit zahlreiche Varianten entstanden sind, die jeweils unterschiedlich interpretiert werden. Dieser sizilianische Ausdruck zählt jedenfalls zu den umstrittensten, über die am meisten diskutiert wird.

26. Sintirsi cacocciula

Bei der cacocciula handelt es sich um die Artischocke. Diese Redewendung bedeutet „sich in Pose setzen“, so wie eine Artischocke, die aufgrund ihrer Form unter den anderen Gemüsesorten hervorsticht. Cacocciula wird in Sizilien sehr häufig verwendet, um zum Beispiel jemanden zu bezeichnen, der sehr viele Haare hat. Aber auch um zu sagen, dass man etwas Schweres auf dem Magen liegen hat.

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27. Spacca e lassa

Ein spacca e lassa ist ein Schaumschläger, der gut mit Worten kann, aber nicht liefert, wenn‘s drauf ankommt. De facto jemand, der sich rühmt, alles zu können, der dann aber kneift, wenn er es beweisen soll.

28. Stari a ranucchiuni

Der Ausdruck a ranucchiuni bezeichnet eine kleine Gruppe von Menschen.

29. Unn’è santu chi sura

Diese Redewendung bedeutet so viel wie „Heilige schwitzen nicht“. In Sizilien verwendet man diesen Ausdruck, wenn man sagen will, dass man von bestimmten Personen (also den Heiligen, die nicht schwitzen) besser nichts erwarten sollte. Die Erwartungen können also nur enttäuscht werden – immerhin schwitzen Heiligenstatuen bekanntlich nicht.

Sizilianische Wörter: 30. Va eccati!

Und schließlich kommen wir zu unserem letzten sizilianischen Lieblingsausdruck: Va eccati!. Wörtlich bedeutet es in etwa: „Geh und stürz dich!“ – gemeint ist offensichtlich „ins Meer“. Mit anderen Worten „hau ab, ich will dich nicht mehr sehen“.

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Bonus: Di pirsona pirsonalmente

Ok, es gibt nur eine Person (die noch dazu gar nicht real ist), die diesen Ausdruck verwendet. Er bedeutet wörtlich in etwa „von Person persönlich“. Doch die lingua pirsonale (die einzigartige „persönliche“ Sprache) des Polizeibeamten Catarella aus Camilleris Romanen, durfte auf dieser Liste nicht fehlen!

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