Sprich Sprachen, wie du es schon immer wolltest

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8 italienische Wörter, die wir auch auf Deutsch brauchen

Italienisch ist die Sprache der Musik und der Oper – und was sind ihre schönsten Wörter? Ein Brite verrät seine Favoriten.

Artikel von: Ed M. Wood

Bisher konntet ihr im Babbel Magazin etwas über meine deutschen und spanischen Lieblingswörter lesen, und damit über zwei Sprachen, die mir ziemlich gut vertraut sind. Mit dem Italienischen habe ich dagegen weniger Erfahrung – ich habe niemals in Italien gelebt und bin nie in italienischen Schuhen gelaufen. Aber ich habe das Land recht viele Male besucht und mir dafür jedes Mal Wörter zusammengescharrt – einen Vokabel-Mischmasch aus mit Eselsohren versehenen Sprachführern und Wörtern, die ich während zufälliger Begegnungen aufschnappte.

Die fehlende Vertrautheit ist jedoch nicht das einzige Hindernis bei der Zusammenstellung einer Liste mit Lieblingswörtern: Es gibt einfach so viele tolle Wörter im Italienischen. Ich weiß, ich weiß: Die gibt es in jeder Sprache! Aber das Italienische rollt dir einfach mit einer Leichtigkeit über die Lippen, es zwinkert deiner Gehörschnecke zu und kitzelt tonotopisch dein Innenohr. Ein Kollege von mir hat es kürzlich sehr passend ausgedrückt: „Italienisch klingt sogar dann umwerfend, wenn du etwas Unangenehmes sagst.“

Ich habe also die Qual der Wahl – los geht’s.

Allora

Konjunktion: „nun, also“

allora

Wenn man anfängt, eine Sprache zu lernen, gibt es immer ein paar Wörter, die einem aus sonst unverständlichen Sätzen entgegen springen. Das gibt einem die Hoffnung, dass eines Tages – vielleicht – der Rest des Satzes ähnlich leicht zu entziffern sein wird. Das trifft auch auf das Wort allora zu, das dein italienischer Gesprächspartner vor dir in die Länge ziehen wird, bevor er zu einem fulminanten Satz anhebt. Es ist eines dieser leicht unscharfen Wörter, dessen Übersetzung vom Kontext abhängt, in dem es genutzt wird. Am ehesten lässt es sich jedoch mit „nun“ oder „also“ übersetzen.

Alloooora, andiamo avanti con questa storia?

Rocambolesco

Adjektiv: „fantastisch, abenteuerlich, nervenzerreißend, wagemutig“

Rocambalesco

Die Sprachfreaks und Linguisten unter euch werden zweifelsohne auf den französischen Ursprung von rocambolesco verweisen. Rocambole ist eine fiktionale Figur, die der französische Schriftsteller Pierre Alexis Ponson du Terrail im 19. Jahrhundert ins Leben gerufen hat. Das französische Wort rocambolesque entstand dann aus der Vorliebe der Figur für verwegene Abenteuer. Das italienische Wort bezeichnet demzufolge eine verwegene Verschmelzung des Phantastischen, Abenteuerlichen, Waghalsigen, Nervenzerreißenden und des ausgesprochen Unglaublichen – und genau das war das romantisierte Bild, das ich im Kopf hatte, als ich als 18-jähriger das Flugzeug nach Italien bestieg, bereit, mich im Alleingang in Westeuropa auszutoben.

Chiacchierone/a

Nomen: „jemand, der viel redet; eine Plaudertasche, ein Plappermaul, eine Quasselstrippe“

Chiacchierone

Ich hatte eine Reise durch Italien, Österreich, die Schweiz und Süddeutschland geplant, um sämtliche übrig gebliebenen Ersparnisse auf den Kopf zu hauen, die ich während eines Jahres Work and Travel angehäuft hatte. In Venedig traf ich eine alte Schulfreundin italienischer Abstammung und versuchte, grübelnd die Kanäle entlang schlendernd, eine Bestandsaufnahme dieses surrealen städtischen Themenparks zu machen, während sie von nichts anderem redete als dem Tratsch ihres ersten Jahres an der Universität. Plötzlich hielt sie in einem Moment der Selbstreflektion inne.

„Mann, ich bin so eine… Dingsbums.”

„Nun ja, vielleicht, aber das hängt davon ab, was du mit Dingsbums meinst“, antwortete ich.

„Ich bin eine richtige… chiacchierona. Ich kann nie den Mund halten! Wie sagt man das nochmal?”

Eine chiacchierona ist eine „Quasselstrippe“, wie wir schnell feststellten; „eine Schwaflerin, ein Klatschmaul, ein Plappermaul mit lockerer Zunge“ – und auch ein phantastisches Wort mit gebündelten und schnatternden cha-cha-cha-Klängen und einem Sack voller Metaphorik. Darüber hinaus sind all seine Ableitungen gleich betörend: chiacchiera und chiacchierata („Geplauder”) ebenso wie das Verb chiacchierare („plaudern”). Wenn du deine chiacchiera etwas in Richtung Boshaftigkeit treibst, so wirst du über ein weiteres lexikalisches Juwel stolpern: pettegolezzo oder „Klatsch“.

Sfizio

Nomen: „Laune“

sfizio

Ich bin kein großer Einkäufer. Meine Shoppingausflüge gehen mit militärischer Präzision und Disziplin vor sich: mit dem Tunnelblick ab durch die Gänge der Zerstreuung. Und dennoch: Als ich den Zug bestieg, um mich schnell von Venedig Richtung Ferrara zu entfernen, fühlte ich mich erdrückt von der Auswahl an Karneval-Zubehör, dessen vollkommene Sinnlosigkeit sich mit jedem gewonnenen Meter, der sich zwischen Venedig und dem sonst sparsamen Reisenden auftat, zunehmend manifestierte. Ich führe diesen kleinen Ausrutscher in Sachen Sparsamkeit im Nachhinein auf lo sfizio del vacanziere zurück – die „Laune des Urlaubers“.

Sfizio: die Zunge knistert und zischt bei den beiden eröffnenden Konsonanten, um dann eine noch höhere Vibrationsfrequenz auf dem dritten zu erlangen. Es klingt einfach großartig, und auch die Bedeutung gefällt mir.

Wie sehr ich mich selbst auch gern als vero viaggiatore – einen „wahren Reisenden“ – gesehen hätte: Mit einer Karnevalsmaske aus Plastik in der Hand ist es schwierig, dieses Bild aufrecht zu erhalten. Das ist so gar nicht rocambolesco. Nicht ein bisschen.

Struggimento

Nomen: „ein poetisches Gefühl von Leidenschaft, Kummer und Sehnsucht“

stuggimento

Von Ferrera aus machte ich mich, meinen treuen Reiseführer in der Hand, auf nach Bologna und erwartete eine geschäftige Studentenstadt. Ein Nachteil von Reiseführern ist, dass sie einen manchmal dazu bringen, den gesunden Menschenverstand und Forscherdrang fallen zu lassen. Die Uni war gerade aus, der Himmel bedeckt und die Konferenzbrigade war in der Stadt. Ich blätterte zur Unterkunftssektion meines Reiseführers und wurde leicht nervös, als ich dort nur ein armseliges Hostel vorfand. Ich rief an. Komplett belegt. Ich trottete von einem Budget-Hotel zum nächsten. Voll. Alle voll. Voll blöd. Zum ersten Mal in meinem Leben betrat ich eine Touristeninformation.

Non sapevi che c’è una conferenza in città? Gli hotel sono tutti pieni.

Mist! 18 Jahre jung und ohne Zufluchtsort. Die Züge fuhren nicht mehr. Plötzlich spürte ich mein Alter – mein ganz persönliches struggimento als eine Konsequenz der Kapitulation meiner Illusion von gesicherter Unabhängigkeit.

Eine italienische Freundin von mir zeigte sich vor kurzem frustriert aufgrund des Fehlens einer zufriedenstellenden Übersetzung für struggimento mit seiner schwankenden Bedeutung aus „Eingeweide aufwühlendem Elend“ und „Sehnsucht“. Ich glaube nicht, dass ich den Ausdruck in seiner Ganzheit erfasst habe. Andererseits behauptete sie, dass die Engländer einfach nicht wissen, wie man leidet, behütet durch die vorherrschende Steifheit auf unserer Insel voller emotionaler Distanz. Vielleicht werde ich es also nie ganz begreifen, und vielleicht ist das auch besser so.

Dondolare

Verb: „schaukeln, schwingen, schwanken“

Dondolare

Nach dem struggimento meiner Nacht in Bologna, in der ich in einer außergewöhnlich dreckigen Wohnung endete, die einem Freund von der Dame aus der Touristeninformation gehörte, kam ich nach Florenz. Ich hatte aus meinen Fehlern gelernt und im Voraus gebucht. Ausgewählt hatte ich eine schick aussehende Einrichtung, um mich für die erbärmlichen Zustände vom Vortag zu entschädigen. Ich betrat einen großzügigen, kunstvoll verzierten Gemeinschaftsraum, der mit Reisenden gefüllt war, die gerade die nachmittägliche Trägheit genossen, die von den Italienern als abbiocco bezeichnet wird. Den Ehrenplatz in diesem Raum nahm ein alter Schaukelstuhl ein, der gerade von einem schmuddeligen Australier belegt wurde, der darauf bedacht war, die Rezeptionistin mit seinen wenigen akzentbeladenen italienischen Wörtern zu beeindrucken. Neben ihm befand sich ein Schild, auf dem stand: „Non dondolare troppo sulla sedia a dondolo, dondolone!”.

Dondolare heißt „schwingen“ oder „schaukeln“. Und anscheinend ist ein dondolone wortwörtlich genommen „jemand, der schaukelt und wackelt“. Im übertragenden Sinne ist es ein „Gammler“ oder „Faulenzer“. Ein Wort kann kaum sehr viel lautmalerischer werden als dieses, obwohl sussarrare („flüstern“) ihm zweifellos nahe kommt.

Mozzafiato

Adjektiv: „atemberaubend, fesselnd“

Mozzafiato

Ich kam in Rom an, nachdem ich unterwegs Pisa und Siena abgehakt hatte. Ich hatte diese Städte mit skrupelloser Effizienz besucht, indem ich meine Zeit und Aufmerksamkeit in gleichen Teilen auf Fotoaufnahmen, Sightseeing, Reiseführerlesen und Pizzaessen verteilte. Und jetzt hatte ich genug. Wir ertappen uns oft dabei, wie wir uns von Reiseführern und dem unersättlichen Bedürfnis leiten lassen, uns selbst zu bestätigen, dass wir persönlich gesehen haben, was wir zuvor millionenfach im Fernsehen sahen: die müden Berühmtheiten einer Stadt.

In Rom legte ich es darauf an, mich unwiederbringlich inmitten der Alleen und Straßen der Stadt zu verlieren. Ich genoss die unvermeidliche Belohnung meiner Fehlorientierung, ob es sich nun um einen Springbrunnen handelte, eine Kirche oder ein gut besuchtes Szene-Café. Die Verdienste dieses Vorgehens wurden mit einem nachfolgenden Besuch des Petersdomes noch unterstrichen. Die Worte meines Vaters hallten in meinem Kopf wider:

„Die Pietà ist das außergewöhnlichste Stück Stein, das du jemals sehen wirst.“

Das wäre es ohne Zweifel geworden, hätte ich in all dem nervösen Gewimmel protziger Fotografen auch nur einen kurzen Moment lang einen flüchtigen Blick darauf erhascht. Ich zog mich zurück und geleitete mich selbst zu einer kleinen Kirche nahe des Kolosseums, in der Michelangelos majestätischer Moses sich geduldig niedergelassen hatte und darauf wartete, fernab der kollektiven Beengtheit des Petersdomes einen Moment des Trostes mit mir zu teilen. Es ist diese visione mozzafiato – allein vor dieser gottgleichen Kreation eines Mannes zu stehen – die mir für immer mit dieser speziellen Erinnerung verbunden sein wird.

Mozzare bedeutet „abschneiden“ oder „abhacken“ und fiato ist der „Atem“. Mozzafiato kommt damit dem deutschen „atemraubend“ am nächsten. Doch der Akt, jemandem die Luft abzuschneiden, fühlt sich abrupter und extremer an als der einfache Akt des Nehmens. Und irgendwie auch angebrachter für ein Land, das über solche „atemabschneidenden“ Schönheiten verfügt.

Dietrologia

Nomen: „der Glaube, dass sich hinter einer oberflächlichen Realität andere Dimensionen verbergen“

dietrologia

Und nun kommen wir zu dem letzten Wort auf meiner Liste, das ich mir zugegebenermaßen nicht auf meinem Kurztrip durch Italien angeeignet habe. Ich habe dieses Wort vor nur wenigen Wochen gelernt, als ich Matt Rendalls großartige Biographie über den italienischen Radrennfahrer Marco Pantani las. Pantanis Lebensgeschichte ist eingebettet in ein prächtiges Porträt italienischer Geschichte und Kultur, und Rendall skizziert darin die sehr italienische Auffassung von dietrologia, der „Überzeugung, dass sich hinter einer oberflächlichen Realität andere Dimensionen verbergen“ sowie die „aberwitzige Suche danach“, als fundamental, um die Achterbahnfahrt, die Pantanis Leben darstellt, zu verstehen.

Abschließende Worte

Ich lernte meine ersten italienischen Wörter aus einem Ernährungsbedürfnis heraus, als mein Magen knurrte, und ungeordnete Wörter taumelten aus meinem sehr englischen Mund. Die Ankunft des Essens, das du bestellt hast, bestätigt dir die Nützlichkeit deiner neu gelernten Wörter, deiner neuen Sprache, und stellt eine weitere kleine Motivation dar, mit dem Lernen fortzufahren. Solche Motivationen sind fundamental für den Sprachlernprozess. Sie treiben mein Interesse an Sprachen allgemein und am Italienisch im Besonderen weiter voran.

Wörter wie dondolare und sfizio bieten einen erfreulichen Wohlklang, während mozzafiato und struggimento eine tiefere, nuanciertere Betrachtungsweise ihrer englischen Äquivalente erlauben. Dietrologia wiederum wirft Licht auf eine sehr spezielle italienische Weltanschauung. Wenn wir all diese Ebenen zusammenweben, entsteht eine Landkarte, die es uns erlaubt, durch eine Kultur zu navigieren. Ich glaube, dass einen diese Karte zu einem Ziel bringen wird, das unendlich lohnenswerter ist als jegliches Ziel in einem Reiseführer, und es ist eben dieser Glaube, der mich anspornt, Sprachen zu lernen.

Von Rom aus machte ich mich auf Richtung Norden, nach Mailand, und dann über die Grenze hinweg in die Schweiz, wo ich die verrosteten Triebwerke meines Schulfranzösischen neu ölen musste. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich mir für ein anderes Mal und eine weitere Sammlung von Lieblingswörtern aufhebe.

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