9 Spezialitäten aus der traditionellen sizilianischen Küche

Es war gar nicht einfach, sich zwischen Streetfood, Vorspeisen, Desserts und den zahlreichen anderen Köstlichkeiten zu entscheiden. Aber am Ende haben wir 9 bekannte sizilianische Gerichte ausgewählt, die dich tief in die Tradition und Geschichte dieser wunderbaren Insel entführen.

Es war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben es geschafft, 9 sizilianische Spezialitäten herauszupicken (ich wünschte, es könnten mehr sein!), die die Kulinarik auf den Punkt bringen und das Lebensgefühl und die Geschichte dieser fantastischen Insel zum Leben erwecken. Spoiler: Beim Lesen könnte dir das Wasser im Mund zusammenlaufen!

9 sizilianische Spezialitäten, die du unbedingt probieren musst

1. Arancino/a

Wenn wir über Sizilien und die lokale Küche sprechen, kommt dieses Gericht ziemlich schnell auf den Tisch. Aber zunächst müssen wir auf ein bestimmtes Thema eingehen … das Geschlecht dieser sizilianischen Spezialität!

Die Menschen in Sizilien (und nicht nur dort) kennen den lexikalischen Sturm, den der Name dieses Gerichts entfacht hat. Kurz gesagt: In Catania ist es arancino (also die männliche Form), in Palermo dagegen arancina (die weibliche Form).

Das Team arancino argumentiert, dass der Begriff von der Dialektform arancinu stammt, die männlich ist. Das Team arancina hält dagegen, dass der Begriff auf das Aussehen dieses Gerichts zurückzuführen ist – nämlich eine „kleine Orange“ (hier allerdings würden die Menschen aus Catania protestieren, denn ihr arancino hat eine längliche Form).

Die Spezialität auf Reisbasis wurde unter der arabischen Herrschaft Siziliens geboren (9. bis 11. Jahrhundert), als Reis, Safran und Fleisch gemischt und zu einem Knödel geformt, dann nach seiner Form benannt wurde. Es liegt auf der Hand, warum die Menschen in Sizilien dieses Bällchen sofort mit ihren köstlichen Orangen assoziierten.

In Süditalien hat die Diskussion über das grammatikalische Geschlecht dieses Snacks eine derartige Hitze erreicht, dass sie Außenstehende überraschen mag. Aber sie ist zur „Mutter aller sizilianischen Streitigkeiten“ geworden, und selbst die Accademia della Crusca, Italiens altehrwürdige Sprachgesellschaft, hat sich mittlerweile eingeschaltet.  Einige haben sogar vorgeschlagen, geschlechtsneutrale Begriffe wie arancin* oder arancin@ einzuführen, vergleichbar mit ähnlichen sprachlichen Innovationen, die in den letzten Jahren in anderen Sprachen stattgefunden haben.

Egal wie du sie nennst: Die Variante mit Fleisch und Erbsen ist die traditionellste, aber auch Schinken und Käse sind sehr beliebt. Sizilianische Spezialitäten par excellence!

2. Pane e panelle und pani câ meusa

Pane e panelle und pani câ meusa sind zwei weitere beliebte Streetfood-Snacks. Beide bestehen aus einer weichen mafalda (sizilianisches Brötchen) mit Sesam, der sogenannten vastedda, die mit köstlich frittierten Kichererbsenfladen (panelle) oder Milz (meusa) und anderen Innereien vom Kalb oder Rind gefüllt wird.

Auch dieses Gericht geht auf die Araber:innen zurück, die als erstes Kichererbsenmehl entdeckten – eine köstliche und preiswerte Zutat, die von den Sizilianer:innen schnell übernommen wurde. Man sagt, dass die panellari in ihren lapini (mit einer Fritteuse ausgestattete Trucks) schon so illustre und treue Kunden wie den Dramatiker Luigi Pirandello und den Schriftsteller und Politiker Leonardo Sciascia bedient haben.

Pani câ meusa dagegen stammt aus der koscheren Küche. Aus religiösen Gründen durften jüdische Metzger:innen keine Bezahlung annehmen, also verkauften sie alle übrig gebliebenen Innereien als pani câ meusa, um ein wenig Geld zu verdienen.

Nach der Vertreibung der Jüdinnen und Juden im Jahr 1492 durch Ferdinand II. von Aragonien beschlossen die Käseverkaufenden, die so genannten caciuttari bzw. caciuttare, diese Spezialität weiterhin zu verkaufen. Heute gibt es zwei Varianten: die schietta (die „Unverheiratete“) mit Kutteln und Zitrone oder die maritata (die „Verheiratete“) mit Kutteln und Caciocavallo (ein halbfester Schnittkäse) oder Ricotta.

Sizilianische Spezialitäten: 3. Pasta alla Norma

Pasta alla Norma wird aus Tomatensauce, gebratenen Auberginen, gesalzenem Ricotta und Basilikum gemacht. Wenn es um sizilianische Spezialitäten geht, ist dieses Gericht ohne Frage eines der bekanntesten in Italien und der Welt. Der Name geht auf den aus Catania stammenden Schriftsteller Nino Martoglio zurück: Er liebte diesen primo piatto („ersten Gang”) so sehr, dass er ihn na vera Norma nannte, in Anlehnung an die berühmte Oper des Komponisten Vincenzo Bellini, der ebenfalls in Catania geboren wurde. Berichten zufolge feierte das Pastagericht am 26. Dezember 1831 Premiere, an dem Tag also, als Bellinis „Norma“ uraufgeführt wurde.

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4. Caponata

Tomaten und Auberginen sind auch in der berühmten caponata die Hauptzutaten. Dieses Gericht wird warm oder kalt serviert, als Vorspeise oder Beilage, wobei es früher oft auch als Hauptgericht mit Brot gegessen wurde.

Zwiebeln, Knoblauch, Oliven, Kapern, Mandeln, Pinienkerne, Rosinen, Basilikum, Sellerie, Paprika, Möhren … Die Liste der Zutaten ist so vielfältig wie die Varianten der caponata. Du hast die Qual der Wahl. Die einzige Bedingung: Sie muss süß-sauer sein. Mische die Zutaten einfach mit einem Dressing zusammen und genieße ein Stück Sizilien!

5. Pasta ch’i sardi

Ein weiterer unverzichtbarer primo piatto in Sizlien ist Pasta mit Sardinen. Für dieses Rezept solltest du unbedingt Bucatini (eine Art Spaghetti mit Loch) nehmen. Dazu kommen Sardinen (oder Sardellen oder beides), Rosinen, Pinienkerne (und/oder gehackte Mandeln), wilder Fenchel und ’a muddica – Semmelbrösel also. Wer mag, kann noch Zwiebeln, Safran und schwarzen Pfeffer dazugeben.

Dieses Rezept stammt angeblich aus der Feder des findigen Kochs, der für den byzantinischen Feldherrn Euphemius von Messina arbeitete. Als die hungrige türkische Flotte in Capo Granitola landete, stellte dieser Koch aus ein paar schlichten Zutaten etwas her, das noch heute als eines der besten und bekanntesten Gerichte Siziliens gilt.

6. Pistachio pesto

Ein echter Star unter den Zutaten der sizilianischen Küche ist die unscheinbare Pistazie, deren Sorte Bronte weltberühmt ist. Diese Delikatesse aus Catania, die auch „grünes Gold“ genannt wird, kommt in vielen süßen Rezepten zum Einsatz – von Eiscreme über cannolo und cassata bis hin zu Kuchen, semifreddi und vielen anderen Desserts.

Pistazieneis ist der perfekte Begleiter für die typisch sizilianische Brioche. Und Pistazienpesto, eine köstliche Sauce, die oft mit Sahne, getrockneten Tomaten, Pancetta, Lachs, Garnelen oder Muscheln kombiniert wird, ist definitiv einen Versuch wert. Was die Zutaten angeht, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Du solltest nur nie vergessen, vor dem Servieren ein paar gehackte Pistazien über das Gericht zu streuen.

Sizilianische Spezialitäten: 7. Cannolo

Wenn wir über sizilianische Spezialitäten reden, dürfen wir natürlich cannoli nicht vergessen. Auch diese süße Köstlichkeit kommt in vielen Varianten daher, sowohl was den knusprigen Teig als auch die Ricotta-Füllung angeht. Die Liste der möglichen süßen Zutaten ist lang und kann unter anderem Marsala, Zimt, Kakao, Kaffee, Honig, Pistazien und kandierte Früchte enthalten. Für welche du dich auch entscheidest, dieses kultige Slowfood braucht Zeit und Präzision (aber vertraue uns, die Mühe lohnt sich).

Cannoli sind auch eine klassische Karnevalsspezialität. Eine frühe Beschreibung datiert zurück ins Jahr 75 v. Chr., als der damalige Quästor von Marsala (Libeum), Cicero, den cannolo als „Röhre aus Mehl mit essbarer, gesüßter Milch“ beschrieb. Das Rezept wurde schnell zur Lieblingsspeise der Frauen im Harem von Caltanissetta, die nach dem Ende der arabischen Herrschaft zum Christentum konvertieren und den Schleier ablegen mussten. Dank ihnen hat die cannolo-Tradition bis heute überlebt.

8. Cassata

Die Hauptzutaten der sizilianischen cassata sind Biskuit, Ricotta, Marzipan, Pistazien, Schokolade, kandierte Früchte und Rum. Ursprünglich wurde diese Spezialität zu Ostern gereicht. Es gibt ein beliebtes Sprichwort: Tintu è cu nun mancia a cassata a matina ri Pasqua. („Arm dran ist der Mann, der am Ostermorgen keine cassata essen kann.”)

Auch hier geht die früheste Version auf die Zeit der arabischen Herrschaft zurück. Damals wurde der Kuchen mit einem Mürbeteig gebacken und quas’at genannt (was in Anlehnung an das Gefäß, das zur Herstellung des Teigs verwendet wurde, „Schüssel“ bedeutet). Die cassata, wie wir sie heute kennen, wurde erstmals 1873 von Salvatore Gulì, einem Konditor aus Palermo, beschrieben.

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Sizilianische Spezialitäten: 9. Marsala und Passito di Pantelleria

Marsala und Passito di Pantelleria gehören ebenfalls auf die Liste sizilianischer Delikatessen, auf die man in der Provinz Trapani und Sizilien insgesamt sehr stolz ist. Diese Süßweine mit geschützter Herkunftsbezeichnung sind der perfekte Tropfen zum Abschluss eines guten Mahls – besonders, wenn sie zu den oben genannten Desserts gereicht werden.

Marsala wurde erstmals in großen Mengen von einem Liverpooler Kaufmann namens John Woodhouse produziert. Als er 1773 nach Mazara del Vallo reiste, zwang ihn schlechtes Wetter dazu, in einer Osteria in Marsala Unterschlupf zu suchen, wo er diesen edlen Wein serviert bekam. Begeistert von dem Geschmack, kaufte Woodhouse eine große Menge auf und schickte sie nach England. Dort wurde der Süßwein so beliebt, dass der englische Kaufmann seinen Handel mit der Stadt Marsala ausbaute. Admiral Nelson selbst soll einer der größten Fans gewesen sein und Marsala nach seinem historischen Triumph bei Trafalgar zum „Wein des Sieges“ erklärt haben.

Die Wurzeln des Passito di Pantelleria reichen sogar noch weiter zurück: Bereits 200 v. Chr beschrieb General Mago Marco aus Karthago den aus der Zibibbo-Traube hergestellten Wein.

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