Wie gemeinnützige Arbeit durch Sprachen bedeutungsvoller wird

Die Geschäftsführerin einer Nonprofit-Organisation erzählt uns, wie sieben Sprachen ihre gemeinnützige Arbeit bereichern.
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ARTIKEL VON Dylan Lyons
Wie gemeinnützige Arbeit durch Sprachen bedeutungsvoller wird

In einer internationalen Nichtregierungs- oder gemeinnützigen Organisation zu arbeiten, erfordert viel Mut. Je nach deiner Rolle oder Mission der Organisation wirst du wahrscheinlich in Entwicklungsländer reisen, wo du unter Umständen große Armut sehen wirst. Trotz, oder vielleicht gerade wegen, des Kummers lohnt sich die Arbeit, weil sie dir die Möglichkeit gibt, anderen zu helfen und die Welt ein stückweit besser zu machen. Wenn man in einer gemeinnützigen Organisation arbeitet, ist es sehr wertvoll, andere Sprachen zu sprechen – manchmal sogar notwendig. Es ist viel einfacher, bedeutsame Beziehungen mit ortsansässigen Führungskräften und Einheimischen anderer Länder aufzubauen, wenn du die dort heimische Sprache kannst.

Wir haben mit Angelina Klouthis gesprochen. Sie ist Geschäftsführerin des US-amerikanischen Zweiges der Vicente Ferrer Stiftung. Diese Non-Profit-Organisation arbeitet daran, Armut im ländlichen Indien zu bekämpfen. Klouthis hat im Laufe ihrer Karriere sieben Sprachen gelernt, und sie hat keine Pläne, bald mit dem Sprachenlernen aufzuhören.

 

Gemeinnützige Arbeit und Mehrsprachigkeit – das ist die Verbindung

Die Vicente Ferrer Stiftung wurde 1969 in Spanien von einem Priester namens – richtig geraten – Vicente Ferrer gegründet. Er verließ die Kirche kurz nach der Gründung der Organisation und verbrachte sein Leben damit, mit ländlichen Bauern und Dorfbewohnern in Indien zu arbeiten, um Armut zu beseitigen. Einer seiner letzten Wünsche war, dass die VFF einen Standort in den USA eröffnet. Angelina Klouthis wurde als Geschäftsführerin ausgewählt.

„Ich glaube, ein entscheidender Faktor für meine Anstellung war, dass ich fließend Spanisch spreche“, sagt Klouthis. „In meiner Rolle bin ich die Schnittstelle zwischen den Standorten in den USA, Indien und Spanien. Ich verbringe einen großen Teil meines Tages damit zu sehen, wie wir zusammenarbeiten und wie wir Kampagnen teilen können, die nicht einfach nur übersetzt oder kopiert sind, sondern wirklich sinnvoll für ein US-amerikanisches Publikum sind.“

Klouthis hat etwas Spanisch in der High School und in College-Kursen gelernt. Aber so richtig ist sie erst in die Sprache eingetaucht, als sie sie auch im echten Leben anwenden musste und gesprochen hat. „Ich glaube, ich habe am besten dadurch gelernt, dass ich furchtbare Fehler gemacht und so oft wie möglich mit Leuten interagiert habe“, erinnert sich Klouthis.

Bevor sie das Ruder bei der VVF USA übernommen hat, hat Klouthis mit USAID, dem Außenministerium der Vereinigten Staaten, dem kolumbianischen Ministerium für Arbeit und dutzenden basisdemokratischen Organisationen zu Hause und im Ausland gearbeitet. Sie spricht Haitianisch, Französisch, Spanisch, Englisch und die westafrikanischen Sprachen Hausa, Fulani und Zarma. Außer Englisch hat sie all diese Sprachen als Erwachsene während ihrer Arbeit in verschiedenen Organisationen gelernt. Sie betont den maßgeblichen Effekt, den das Sprechen von lokalen Sprachen auf ihre gemeinnützige Arbeit hat: „Wenn du mit einem Dolmetscher arbeitest, geht dir viel verloren. In einem persönlichen Gespräch mit nur einer Person erhältst du viel mehr gehaltvolle Informationen und Daten, die du kaum niederschreiben oder dokumentieren kannst. Es ist einfach etwas, das du fühlst, und das dann fehlt.“

„Wenn ich in ein ländliches Dorf gehe oder eine städtische Latino-Gemeinde in Washington D.C. besuche, die versucht, ein Gemeindeproblem zu lösen, kann ich eine echte Unterhaltung mit ihnen führen. Ich kann mit ihnen ohne eine dritte Partei in Verbindung treten oder bin nicht auf Google Translate angewiesen. Ich kann mich mit ihnen in ihrer Sprache identifizieren. Das macht meine Arbeit nicht nur bedeutsamer, sondern auch effektiver.“

 

Was ist die größte Herausforderung im Job?

Obwohl sie viele der einheimischen Sprachen spricht, denen sie begegnet, sagt Klouthis, dass der schwerste Teil ihrer Arbeit immer noch die Sprachbarriere ist. Sogar wenn sie mit ihren Ansprechpartnern in Übersee Spanisch spricht, kommen Missverständnisse auf.

Zum Beispiel als sie den Stiftungsrat der VFF mit einem spanischen Kollegen diskutierte: Was in Spanien einen Stiftungsrat ausmacht, unterscheidet sich sehr von der Vorstellung von einem Stiftungsrat in den USA. Klouthis und ihr Kollege sprachen also dieselbe Sprache, waren aber immer noch nicht auf einer Wellenlänge.

„Wir sagen genau dieselben Wörter und verstehen uns gegenseitig. Wir sagen die richtigen Wörter, aber die jeweilige Bedeutung ist komplett unterschiedlich“, erklärt Klouthis. „Es sind all diese versteckten Dinge, die über die eigentliche Definition des Wortes hinausgehen und die davon abhängen, wie du sie interpretierst.“

Um diese Missverständnisse, die schnell in Streit oder Verstimmung ausarten könnten, zu beheben, empfiehlt Klouthis, unvoreingenommen an die Situation heranzugehen und gedanklich einen Schritt zurück zu machen und zu fragen: „Wo ist hier die Fehlverbindung?“

 

Und was macht gemeinnützige Arbeit in einer anderen Sprache besonders lohnend?

Für Klouthis ist der bereicherndste Teil ihrer Arbeit die Möglichkeit, kontinuierlich zu lernen und zu wachsen, während sie neue Leute an neuen Orten trifft und neue Projekte annimmt.

„Ich lerne jeden Tag etwas, ob das ein neues Wort auf Englisch ist, weil ich nach einer coolen Übersetzung aus dem Spanischen suche, oder ein neues Wort auf Spanisch“, sagt Klouthis. Aber ihr Lernen geht über Sprachkenntnisse hinaus. Gemeinnützige Arbeit gibt Klouthis die Möglichkeit, Teile der Welt zu sehen, die nicht viele andere sehen, und dabei zu helfen, die Welt auf positive Art zu formen.

„Mein Vokabular wächst. Die Erfahrungen, die ich mache, erweitern sich. Mein Verständnis der Welt verändert sich. Ich bin konstant von neuen Dingen inspiriert, und es lohnt sich, diese Art von Erfahrungen zu machen.“

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