Sprich Sprachen, wie du es schon immer wolltest

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Weshalb ich Minderheitensprachen lerne

Mandarin, Spanisch, Englisch und Arabisch mögen die „Supersprachen“ des modernen Zeitalters sein, doch Minderheitensprachen wie Katalanisch, Bretonisch und Kornisch sind äußerst wichtig für die Vielfalt unserer kulturellen DNA. Hier erfahrt ihr, weshalb diese Sprachen nicht aussterben.

Artikel von: Michael Youlden

„Sprichst du mit einem Menschen in einer ihm verständlichen Sprache, wird das Gesagte seinen Kopf erreichen. Sprichst du aber mit ihm in seiner eigenen Sprache, so erreichst du sein Herz.“

Dieses Zitat stammt vom kürzlich verstorbenen Nelson Mandela und fasst meine Motivation zusammen, mich auf das Lernen von Minderheitensprachen zu konzentrieren. Wir halten es für selbstverständlich, dass ein paar wenige Supersprachen den Dialog in der modernen Welt dominieren, doch wir müssen nur 100 Jahre zurückgehen, um eine sehr viel buntere sprachliche Landschaft vor uns zu sehen. Walisisch und Irisch etwa waren damals sehr viel weiter verbreitet, als sie es heute sind. Bretonische Soldaten kämpften im Schützengraben Seite an Seite mit ihren französischen Kollegen und hatten große Schwierigkeiten, die Sprachbarriere zu überwinden. Die baskische Sprache wiederum erlebte in dieser Zeit als Ausdruck ethnischer Identität eine Wiedergeburt. Aufgrund verschiedener Faktoren, zu denen unter anderem Verbote, Abschreckung, Migration, Bildungssysteme, Militärdienst und Globalisierung zählen, sind diese Sprachen heute auf einmal zu sogenannten „Minderheitensprachen“ geworden.

Minderheitensprachen haben mich schon immer interessiert. Eine Minderheitensprache wird von einer Bevölkerungsminderheit in einem bestimmten Gebiet gesprochen und steht meist im Schatten der Nationalsprache. Im Vergleich zu den heutigen „Supersprachen“ stehen für Minderheitensprachen meist weniger Literatur und Lernmittel zur Verfügung. Manche Leute mag das abschrecken, ich persönlich jedoch betrachte es als eine faszinierende Herausforderung. Stell dir vor, du versuchst, Kurse für Okzitanisch zu finden und nicht etwa Spanischkurse oder Kurse für chinesisches Mandarin, für die es tonnenweise leicht erhältliches Material gibt.

Ich führe meine Liebe für Minderheitensprachen gern auf eine gewisse intellektuelle Aufsässigkeit und den Hang zur Gegenkultur zurück. Sprachen mit geringer Medienrepräsentation oder sozialem Status gewinnen in meinen Augen an Attraktivität. Eine weniger gesprochene Sprache impliziert, dass weniger über sie bekannt ist und so gibt es mehr selbst zu entdecken. Man wird zu einer Art Pionier und entschlüsselt Codes wie Indiana Jones (bloß ohne die vage und immer präsente Gefahr donnernden Gerölls, das über einem abzustürzen droht). Gute Sprachkenntnisse sind die Voraussetzung, um eine Kultur zu verstehen, und die Vorstellung, mich in einer mir nur wenige Monate zuvor noch komplett fremden Umgebung zurechtzufinden, ist einfach enorm aufregend. Noch bedeutender aber ist die Tatsache, dass es sich um Minderheitensprachen handelt. Für Linguisten, Sprachliebhaber oder einfach nur Menschen, die sich für andere Kulturen interessieren, bedeutet das Aussterben einer Sprache eine große Schande. Doch gibt es einen noch schöneren Grund für das Lernen von Minderheitensprachen, der über meine persönlichen Ambitionen und Interessen hinausgeht. Während viele der sogenannten Minderheitensprachen als Reaktion auf die homogenisierenden Auswirkungen der Globalisierung und zur Betonung der eigenen Identität eine Renaissance erleben, laufen andere Gefahr, für immer auszusterben. Wenn ich mich also dafür entscheide, eine Minderheitensprache zu lernen, helfe ich dabei, sie und vor allem das kulturelle Wissen, das sie in sich birgt, zu erhalten. Dieses Wissen kann die medizinischen Eigenschaften einheimischer Pflanzen umfassen oder einfach eine neue Sicht auf bestimmte Dinge geben.

Es hat viele Irisch- und Bretonischsprecher gegeben, die sich dafür entschieden haben, ihre Kinder auf Englisch oder Französisch zu erziehen, da sie glaubten, dass ihre eigenen Sprachen in der modernen Welt an Bedeutung verlieren würden. Doch diese Haltung ändert sich gerade drastisch. In solchen Regionen entdeckt die Jugend von heute ihre Muttersprache wieder, während sie noch vor wenigen Jahren in der hegemonialen Sprache erzogen worden wäre. Für mich war der aktuelle Status einer Sprache in der Welt immer zweitrangig. Wenn mich die Kultur und die Sprache interessieren, dann ist das ein hinreichender Grund für mich, sie zu lernen. Chinesisch, Arabisch, Russisch und Japanisch – „Lerne diese Sprachen und du wirst Erfolg haben.“, trommeln die Massenmedien. Tatsächlich sind all dies Sprachen, die ich in Zukunft gern einmal lernen möchte, aber wenn ich mich dafür entscheide, dann nicht aufgrund der ökonomischen Notwendigkeit, die von den Medien propagiert wird.

Neben der aufregenden Herausforderung, die das Lernen einer Minderheitensprache mit sich bringt, gibt es noch viele andere Gründe, die dafür sprechen. Das Erlernen einer solchen Sprache hilft dabei, Zugang zu den Einheimischen zu finden, die deine Bemühungen zu schätzen wissen. Um noch einmal mit Mandela zu sprechen: „Ohne Sprache kann man nicht mit Menschen reden und sie verstehen, man kann nicht ihre Hoffnungen und Sehnsüchte teilen, ihre Geschichte begreifen, ihre Poesie wertschätzen oder ihre Lieder würdigen“. Wenn man sich die Mühe macht, eine Minderheitensprache zu lernen, erkennt man damit die Werte einer nicht dominanten Kultur an und zollt ihr implizit Respekt. Nicht jeder wird seinen Platz unter dem Schirm einer Supersprache einnehmen wollen oder sich in der Sprache einer geerbten Kultur zu Hause fühlen. Wenn du also wirklich Stellung nehmen willst oder deine Ideen und Meinungen zum Ausdruck bringen möchtest: Das Vertrauen und die Aufmerksamkeit einer Person gewinnst du am ehesten, wenn du mit ihr in ihrer Sprache sprichst. Das Aussterben einer Minderheitensprache ist ein Verlust für jeden. Wenn du die Aufmerksamkeit der Welt auf eine Kultur lenken und zu ihrer Erhaltung beitragen willst, ist der beste Weg, um dies zu erreichen, ihre Sprache zu lernen.

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