Sprachen und Wörter, die von Schriftstellern erfunden wurden

Welche Autoren – von dystopischen Werken bis hin zu Kinderbüchern – haben ihre fiktionalen Welten mit eigenen Sprachen bereichert?
Sprachen und Wörter, die von Schriftstellern erfunden wurden

Illustriert von Elena Lombardi

Glaubst du, ein Buch zu schreiben ist schwer? Es ist mit Sicherheit kein Spaziergang. Zuerst musst du dir eine Geschichte ausdenken. Dann musst du darauf achten, konsistent zu bleiben, sodass die Charaktere ihre Namen nicht ändern oder dass sie nicht sterben und dann magischerweise wieder ins Leben zurückkehren (das kann passieren, wenn man sich zwischen den Dutzenden und Dutzenden von Seiten verliert).

Dann, wenn die Handlung abgeschlossen ist, kommt die Zeit des Korrekturlesens: Tippfehler, Wortwiederholungen und so viele andere langweilige Details, die die Arbeit noch komplizierter machen.

Als wenn das alles nicht schon schwer genug wäre, haben einige Schriftsteller beschlossen, es sich noch schwerer zu machen, während sie ihr Meisterwerk zu Papier bringen: Sie erfinden zusätzlich zu ihrer neuen Welt eine neue Sprache.

Während einige dieser Conlangs nur von wenigen Lesern gesehen werden, gehen andere in die Geschichte ein. Wir sehen uns hier einige berühmte Beispiele an.

Neusprech (in älteren Übersetzungen auch Neusprache genannt), erfunden von George Orwell in 1984 (1948)

In der dystopischen Welt von George Orwells 1984 wird Sprache zum politischen Mittel: Die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten werden durch Sprachplanung eingeschränkt, um so die Bevölkerung in allen Lebensbereichen kontrollieren zu können.

Neusprech basiert auf Englisch (beziehungsweise der Sprache, in die das Buch übersetzt wurde). Das Lexikon ist jedoch eingeschränkt, die Grammatik vereinfacht, Ausnahmen und Unregelmäßigkeiten werden abgeschafft. Des Weiteren besitzt Neusprech keine gegenteiligen Wortpaare wie gut versus schlecht oder warm versus kalt. Stattdessen wird die Vorsilbe un- für die Wortbildung eingesetzt: Aus warm wird beispielweise unkalt. Mehrdeutige Wörter werden ebenso getilgt und eine aktive Reduzierung des Vokabulars findet statt.

Mit Neusprech hat Orwell ein machtvolles Mittel geschaffen, um dem Leser die Unterdrückung und totale Kontrolle in seiner fiktionalen Welt zu vermitteln. Nicht umsonst ist dieses Meisterwerk ein Mahnmal gegen Totalitarismus.

Nadsat, erfunden von Anthony Burgess in A Clockwork Orange (1962)

Die Bezeichung Nadsat selbst gibt schon einen Hinweis darauf, wer diese erfundene Sprache verwendet: Das Wort basiert auf dem russischen Suffix der Zahlen von 11 bis 19 (-надцать/-nadzat’), welchen in etwa dem englischen -teen wie in Teenager entspricht. Nadsat ist somit ein Jugendjargon aus Anthony Burgess Roman A Clockwork Orange.

Im Original ist die Sprache eine Mischung aus russischen Vokabeln, dem Cockney Rhyming Slang und einigen anderen Einflüssen. Auch in der deutschen Übersetzung ist der Einfluss des Russischen deutlich zu erkennen.

So heißt Droog „Freund“ (vergleiche mit Russisch друг/drug), getrunken wird Moloko-Plus, also „Milch mit Drogen“ (vergleiche mit Russisch * молоко /moloko* – „Milch“) und es fallen Wörter wie bolschig („groß“, vergleiche mit Russisch * большой/bolschoi*).

Durch die Verwendung von Nadsat anstelle einer zeitgenössischen Jungendsprache hat Burgess A Clockwork Orange zu einem zeitlosen Werk gemacht, das auch heute noch Bedrückung auslöst.

J. R. R. Tolkiens Sprachen in Der Herr der Ringe (1954)

Während Fans die Geschichten und Welten schätzen, die Tolkien sich ausgedacht hat, könnte man glatt glauben, dass diese nur geschaffen wurden, um die fiktionalen Sprachen des Linguisten zu beheimaten: Tolkiens sprachliche Kreationen beinhalten Valarin (Sprache der Götterwesen), Eldarin, Vanyarin, Noldórin, Telerin, Sindarin, Avarin (allesamt Elbensprachen), Quendin (die Hochelbische Sprache und Sprache der Gelehrten), Khuzdul (Sprache der Zwerge), Orquin (Sprache der Orks und Uruk-Hai), Entisch (Sprache der Ents), Parmalambië (Schriftsprache) und Matengwië (Zeichensprache). Seine Sprachen besitzen eine Grammatik und Semantik, die natürlichen Sprachen gleichkommen, auch wenn ihr Vokabular nicht so weit ausgebaut ist.

Die Sprachen in Game of Thrones (2011–heute)

Die Fantasy-Saga Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin, auf der die TV-Serie Game of Thrones basiert, erwähnt mehrere fiktionale Sprachen. Abgesehen von ein paar Wörtern ist der Dialog jedoch auf Englisch verfasst. Die Fernsehfassung stand demzufolge vor der Schwierigkeit, Dialoge für Sprachen schreiben zu müssen, die nicht existierten. Um der Authentizität keinen Abbruch zu tun, entschieden sich die Produzenten, Sprachen für die Serie entwickeln zu lassen. Auftritt David J. Peterson – der Linguist und Mitbegründer der Language Creation Society machte sich an die Arbeit und entwarf die dothrakische Sprache mit funktioneller Grammatik und fast 2000 Wörtern. Die valyrischen Sprachen folgten – heute kann man sie sogar lernen.

Die Sprachen in J. K. Rowlings Harry Potter-Serie (1997–2007)

Auch J. K. Rowling erwähnt in ihrer Harry Potter-Serie zahlreiche fiktive Sprachen. Die berühmteste und markanteste darunter ist mit Sicherheit Parsel, die Sprache der Schlangen.

Mit Babbel kannst du zwar keine fiktiven, dafür aber 14 echte Sprachen lernen!

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Katrin Sperling
Katrin Sperling ist in Potsdam geboren und aufgewachsen und hat nach dem Abitur ein Jahr in Toronto, Kanada verbracht. Weil ihr Hogwarts-Brief zu ihrem 20. Geburtstag im Jahr 2011 immer noch nicht angekommen war, musste sie schließlich die Realität akzeptieren und studierte Englische und Deutsche Linguistik in Berlin. Zum Glück erwies sich die Linguistik als genauso magisch, weswegen Katrin sehr glücklich ist, jetzt für das Babbel Magazin über Sprachen zu schreiben.
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