10 Schriftstellende, die ein Pseudonym verwenden

Von JK Rowling bis George Orwell – diese Geschichten stecken hinter 10 bekannten (und erdachten) Namen.
Zwei Männer mit Schreibmaschine zum Thema Pseudonyme Schrifsteller

Immer, wenn ich die Geschichte hinter einem Namen erfahre, geht die Phantasie mit mir durch und ich stelle mir vor, welches Pseudonym ich mir zulegen würde, wenn ich meine Identität hinter einem ausgedachten Namen verbergen wollen würde. Ist es dir auch schon einmal so ergangen? Ein Künstlername, auch Pseudonym genannt, ist ein fiktiver Name, den ein Autor oder eine Autorin nutzt. Hast du zum Beispiel schon einmal von Richard Bachman gehört … ? Vielleicht, aber wenn, dann unter seinem Künstlernamen: Stephen King. Und wie steht es mit Robert Galbraith? Galbraith ist kein geringerer als das Pseudonym der Erfinderin der Zauberwelt von Hogwarts: J.K. Rowling. Eigentlich ist sogar „JK Rowling“ ein Pseudonym, das die Autorin Joanne [„Kathleen“, nach ihrer Großmutter] Rowling wählte, um die Aufmerksamkeit von der Tatsache abzulenken, dass sie eine Frau ist. Diese Pseudonyme sind nur einige Beispiele, die sich berühmte Schriftsteller und Schriftstellerinnen zugelegt haben, um – aus welchem Grund auch immer – ihre wahre Identität zu verbergen.

Ein Pseudonym kann wie ein Schild wirken, das den Schreibenden erlaubt, Dinge zu formulieren, ohne sich Kritik oder Verurteilung auszusetzen, einer voreingenommenen Haltung aus dem Weg zu gehen und sich frei in einem Genre ihrer Wahl auszudrücken. Wir haben dir eine Liste einiger Autorinnen und Autoren mit den interessantesten Pseudonymen zusammengestellt, sowie die Gründe, aus denen sie sich für diese „redaktionelle Taktik“ entschieden haben.

10 Pseudonyme berühmter Autorinnen und Autoren (und die Geschichte dahinter)

Pseudonyme: 1. Ana Paula Arendt

Ana Paula Arendt, Pseudonym von R. P. Alencar, ist eine brasilianische Schriftstellerin, Dichterin und Diplomatin. Ihr Künstlername ist eine Hommage an Hannah Arendt und Pablo Neruda, ihre Lieblingsautorin und ihren Lieblingsautor, und sie schreibt bereits seit 2012 Gedichte. 

Ihre umfangreiche Arbeit umfasst Kinderbücher, Romane, Gedichte und Theaterstücke. Zu ihren bekanntesten Werken zählen O Constituinte („Der Wähler”), wofür sie Preise der União Brasileira de Escritores-RJ (brasilianische Vereinigung für Schriftsteller:innen in Rio de Janeiro) an der Academia Brasileira de Letras (die brasilianische Literaturakademie) sowie des Editora Só Livro Bom gewann.

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2. Ayn Rand

Ayn Rand ist der Künstlername von Alissa Zinovievna Rosenbaum. Rand nahm dieses Pseudonym 1926 an, als sie von Russland in die USA auswanderte. „Ayn“ ist inspiriert durch eine finnische Schriftstellerin oder Schriftsteller (die genaue Person hat sie nie verraten), und „Rand“ ist eine Art Abkürzung ihres Nachnamens Rosenbaum.

Für Millionen von Leserinnen und Lesern stellt das Betreten von Rands Universum eine unvergessliche Erfahrung dar. Rand wollte ihre erhabene Vision des Menschen zu einer Realität werden lassen, indem sie Romane schuf. Die Autorin ist am besten bekannt für ihre beiden Bestseller The Fountainhead („Der Ursprung bzw. Der ewige Quell” – 1943) und Atlas Shrugged („Atlas wirft die Welt ab” bzw. „Wer ist John Galt?” bzw. „Der Streik” – 1957) sowie die Entwicklung der Philosophie des Objektivismus.

3. bell hooks

bell hooks ist das Pseudonym von Gloria Jean Watkins, einer renommierten Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Aktivistin. Die weltbekannte US-Amerikanerin untersuchte die Verbindungen zwischen Rasse, Geschlecht und Klassenzugehörigkeit. Ihre Themen waren die Anliegen schwarzer Frauen und Schriftstellerinnen sowie der Entwicklung feministischer Identitäten.

Mit 19 schrieb sie ihr erstes Buch Ain’t I a Woman: Black Woman and Feminism, das 1981 veröffentlicht wurde. Ihr Künstlername ist eigentlich der Name ihrer Urgroßmutter, und die Kleinschreibung ist Absicht. So soll das ganze Gewicht der Aufmerksamkeit auf ihrer Botschaft liegen: der Würdigung des weiblichen Vermächtnisses anstatt ihrer selbst als Person.

Pseudonyme: 4. George Orwell

Als Eric Arthur Blair sein erstes Buch Down and Out in Paris and London (1933) veröffentlichen wollte, entschied er sich für ein Pseudonym, um seiner Familie die Schande zu ersparen, falls er in Armut enden würde.

Er gab sich den Namen „George Orwell”, um seine Liebe zur englischen Tradition und zur Landschaft auszudrücken, denn der Heilige Georg ist der Schutzpatron Englands, und auf dem Fluss Orwell ist Eric sehr oft segeln gegangen. 

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5. Joseph Conrad

Manchmal verursachen die Pseudonyme von berühmten Schriftstellern sogar einen Aufruhr. Genau das geschah im Falle von Józef Teodor Konrad Korzeniowski. Als der polnische Romanautor seine Werke gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal veröffentlichte, nutzte er eine abgekürzte, anglisierte Version seines eigenen Namens: Joseph Conrad.

Die polnische intellektuelle Szene war empört, denn sie empfand dies als mangelnden Respekt für ihr Heimatland. Es half auch nicht, dass Conrad die britische Staatsbürgerschaft annahm und seine Werke auf Englisch herausgegeben wurden. Doch Korzeniowski erklärte: „Es ist allgemein bekannt, dass ich Pole bin und dass Józef und Konrad meine beiden Geburtsnamen sind; letzteren nutzte ich als Nachnamen, um es Menschen mit anderen Muttersprachen nicht so schwer zu machen … Ich finde nicht, dass ich meinem Land untreu werde, wenn ich den Engländern beweise, dass ein Gentleman aus der Ukraine (Korzeniowski war ein ethnischer Pole, der in einem ukrainisch kontrollierten Gebiet des damaligen Russischen Kaiserreichs geboren wurde) ein ebenso exzellenter Segler sein kann wie sie und dass es in ihrer Sprache etwas gibt, das ich Ihnen mitteilen möchte.“

6. Lewis Carroll

Für ein amerikanisches Ohr klingt Lewis Carroll wohl bereits absolut britisch, doch Charles Lutwidge Dodgson würde vermutlich noch mehr nach Großbritannien klingen. Dodgson nahm dieses Pseudonym 1856 an. Gemäß der US-amerikanischen Lewis Carroll Society war der Schriftsteller so zurückhaltend, dass er sein Privatleben geheim halten wollte und aus diesem Grunde einen Künstlernamen wählte. Als an Lewis Carroll adressierte Briefe in Dodgson’s Büro in Oxford ankamen, verweigerte der Autor die Annahme, um dieser Charade weiter Vorschub zu leisten.

Dodgson erfand das Pseudonym Carolus Ludovicus, eine lateinische Version seiner beiden Vornamen Charles Lutwidge, und entwickelte diese leicht anglisiert weiter zu Carroll Lewis, bis er dann schließlich noch die Reihenfolge umdrehte und bei Lewis Carroll angelangt war. Sein Verleger wählte dieses Pseudonym aus einer Liste verschiedener vorgeschlagener Namen.

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Pseudonyme von Schriftsteller:innen: 7. Pablo Neruda

Als Dichter, Diplomat und chilenischer Politiker wird Pablo Neruda als eine der wichtigsten Figuren der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts angesehen. Er kam als Ricardo Eliecer Neftalí Reyes Basoalto auf die Welt und begeisterte sich bereits in sehr jungen Jahren für Literatur, doch sein Vater billigte diese Wahl nie.

Als Basoalto seine Gedichte veröffentlichte, brauchte er einen Namen, unter dem ihn sein Vater nicht identifizieren konnte. Aus diesem Grund entschied er sich für Pablo Neruda, als Hommage an den tschechischen Dichter Jan Neruda. Und später nahm er dieses Pseudonym dann auch als echten Namen an.

8. Tristan Tzara

Tristan Tzara wurde als Samuel Rosenstock in eine rumänisch-jüdische Familie geboren. Seine anti-bourgeoisen Prinzipien führten zu harten Auseinandersetzungen mit seiner Familie, aufgrund derer sein Vater ihn sogar enterbte. Wie er später schrieb, „Ich war für ihn gestorben“.

Als Symbol für den formellen Bruch mit seiner Familie entschied er sich, seinen Namen zu ändern. Es gibt die verschiedensten Theorien, aus welchem Grund er diesen Künstlernamen wählte. Im Hebräischen bedeutet Ttzara’at „von der Gemeinschaft ausgeschlossen“. Im Rumänischen bedeutet es „traurig auf dem Land“. Von manchen wurde er auch „Tzara Thoustra” genannt, in Anlehnung an Friedrich Nietzsches Buch „Also sprach Zarathustra.”

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Pseudonyme: 9. Italo Svevo

Der Künstlername von Ettore Schmitz zeigt seine zweigeteilte kulturelle Identität: Italienisch (Italo) und Deutsch (Svevo). Ettore Schmitz war jüdischen Ursprungs, geboren in Triest im Österreich-Ungarischen Kaiserreich zu einer Zeit, in der sich eine besonders reiche und komplexe mitteleuropäische Kultur entwickelte.

Nach dem Fiasko seiner ersten beiden Romane gab Svevo seine literarischen Ambitionen auf und arbeitete als Maler im Geschäft seines Schwiegervaters. Er reiste oft beruflich ins Ausland, und bei diesen Reisen erwarb er ziemlich profunde Englischkenntnisse.  Er nahm sogar Englischstunden bei James Joyce, der eine längere Zeit in Triest verbrachte. Es war Joyce selbst, der Svevos Werk Zeno’s Conscience in Frankreich herausbrachte, wo der Autor aus Triest schlussendlich berühmt wurde.

10. Elena Ferrante

Zu guter Letzt möchten wir unsere Liste mit einem mysteriösen, uneindeutigen Namen beenden: Elena Ferrante. Viele behaupten, dass dieser Name ein Pseudonym ist, doch die Autorin oder der Autor haben dies nie bestätigt.

Ihre Identität ist Objekt vieler Spekulationen. Der Romanautor und Literaturkritiker Marco Santagata behauptet, dass Elena Ferrante in Wirklichkeit die Historikerin Marcella Marmo ist, eine Professorin der Universität von Neapel Federico II. Andere wiederum glauben, dass es sich um Marcello Frixione handelt. Wiederum andere meinen, die Autorin sei Anita Raja, eine Essayistin aus Neapel, die die Ehefrau von Domenico Starnone ist, wohingegen auch Goffredo Fofi, Sandro Ferri oder Sandra Ozzola von einigen ins Spiel gebracht werden. Es gibt sogar Menschen, die glauben, dass Starnone selbst Elena Ferrante ist.

In dem Buch La Frantumaglia schreibt die Autorin, dass ihr ihr Privatleben sehr wichtig ist, und spricht über ihren Wunsch nach Anonymität. Die Autorin bekräftigt, dass ihre Bücher kein Foto von ihr auf dem Cover benötigen und sie auch nicht für Marketingmaterial zur Verfügung steht. Doch aus welchem Grund? Sie findet, dass ihr Werk „für sich selbst spricht“ und versichert, dass ihre Präsenz dem nichts weiter hinzufügen würde.

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