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10 Vintage-Wörter der französischen Sprache

Französisch, die Sprache von Molière, verbirgt Schätze, die leider vergessen und vergraben wurden. Aus diesem Grund präsentieren wir euch die schönsten Vintage-Wörter auf Französisch.

Artikel von: Marion Maurin

Illustriert von Adélaïde Laureau

Sobriquet („Beiname“)

Sobriquet ist ein veraltetes Synonym für surnom also „Spitzname“ oder „Beiname“. Ursprünglich bezeichnet es einen Schlag unters Kinn. Klingt seltsam? Nun, wir finden, dass mancher Spitzname durchaus mit der Intention verliehen wird, ein symbolischer Hieb gegen die Person zu sein. Die französische Sprache beweist Humor.

Passend dazu haben wir ein paar historische Spitznamen herausgesucht:

  • Berthe au Grand Pied: „Berthe auf Großem Fuß“ wurde Bertrade de Laon genannt, die Mutter von Karl dem Großen und Ehefrau von Pépin le Bref.
  • Petit Caporal: Napoleon fand es bestimmt nicht so amüsant, „Kleiner Korporal“ genannt zu werden.
  • Gros Louis: Den beschreibenden Spitznamen „Dickerchen Louis“ bekam Louis XVI verliehen.
  • Il Cavaliere: In der jüngsten Geschichte wurde Berlusconi mit dem ironischen Beinamen „der Kavalier“ versehen.
  • Governator: Was passiert, wenn der Terminator in die Politik einsteigt? Arnold Schwarzenegger verwandelt sich zum Governator.

Ouste!, auch: Oust! („Husch! Weg mit dir!“)

Ouste, sacripant! („Weg mit dir, du Nichtsnutz!“)

Mich erinnert Ouste! an die (nicht so) seltenen Momente, in denen meine Oma mich dabei erwischte, wie ich den Kuchen stibitzte – bloß weg da! Zum Glück hat sie mich nie als sacripant („Nichtsnutz“) beschimpft!

Savates („Pantoffeln“)

Laisse pas traîner tes savates! („Lass deine Pantoffeln nicht herumliegen!“)

Savate ist im Grunde ein Synonym für chaussures („Schuhe“) oder vieille pantoufle („alter Pantoffel“) mit einen abwertenden Ton. So findest du es auch im Ausdruck traine-savates („Landstreicher“) wieder. Woher der Begriff ursprünglich stammt, ist nicht sicher. Das Wort könnte aus dem Baskenland oder dem Arabischen stammen.

Saperlipopette („Himmelherrgott“)

Saperlipopette, où ai-je donc laissé traîner mes savates? („Himmelherrgott, wo hab ich meine Pantoffeln rumliegen lassen?“)

Stell dir vor: Während du die Haustür öffnest, erwischst du einen Dieb dabei, wie er deine Schuhe klaut. Würdest du gleichzeitig eine Zeitreise unternehmen, wäre deine Reaktion: Saperlipopette! Que faites-vous ici?! Ouste, gredin, du balai! Auf Deutsch etwa: „Himmelherrgott! Was machen Sie denn da?! Husch, Sie Schurke, raus mit Ihnen!“

Saperlipopette ist ein ganz besonderes Sprachparadox: fünf lange Silben, gruppiert in einem nie endenden Wort … und das soll als Reaktion auf eine Überraschung geäußert werden? Aus logischer Sicht gibt es sicherlich bessere Ausrufe. Zumindest ist saperlipopette ein Ohrenschmaus.

Chenapan („Lausbub“)

Qu’on ne t’y reprenne plus, petit chenapan! („Lass es ja nicht wieder los, kleiner Lausbub!“)

Chenapan („Lausbub“)

Noch so ein Wort, das von einer Großmutter stammen könnte … zumindest von meiner. Der Ausdruck bedeutet so viel wie voleur de grand chemin („Straßenräuber“) und ist von deutscher Herkunft. Vielleicht erkennst du’s ja. Es stammt vom Wort Schnapphahn ab, also einem gemeinen Hühnerdieb. Das ist sicherlich ein Bezug zu den skrupellosen Banditen, die das Geflügel auf den Bauernmärkten raubten.

Fi ! („Igitt“)

Fi, fi, qu’elle est laide ! („Igitt, igitt, wie hässlich das ist!“)

An diesen Satz aus Marie-Catherine d’Aulnoys Märchen La princesse Rosette aus dem 17. Jahrhundert werde ich mich wohl bis an den Rest meiner Tage erinnern. Der Ausdruck fi („igitt“) besteht aus zwei mörderischen Buchstaben, die sowohl Verachtung, als auch Abscheu ausdrücken. Dieses unbarmherzige Urteil solltest du nicht wahllos fällen.

Marmaille („Rasselbande“)

Ils sont venus avec toute leur marmaille. („Sie sind mit der gesamten Rasselbande gekommen.“)

Dieser Sammelbegriff bezeichnet lärmende Kinder. Seinen Ursprung findet er in marmot („Murmeltier“) und dem Suffix -aille, das in Kombination unserem Murmeltier eine abwertende Konnotation verleiht. Also immer dran denken: Es sind keine Murmeltiere, die mitgebracht werden, sondern lauter laute Kinder.

Cancans („Klatsch und Tratsch“)

Les commères du quartier passent leur temps à faire des cancans. („Die Klatschbasen aus der Nachbarschaft verbringen ihre Zeit mit Klatsch und Tratsch.“)

Cancans („Klatsch und Tratsch“)

Manche behaupten, dass die Ente mit ihrem charakteristischen coin coin, das für menschliche Ohren unerträglich ist, den Begriff cancan entstehen ließ. Dies bezeichnet so viel wie bavardage malveillant („bösartiges Geschwätz“). Obgleich recht malerisch, ist diese Erklärung nicht belegt. So könnte cancan auch vom arabischen كان كان („kan kan“) kommen, einem Ausdruck für des propos futiles („vergebliche Bemerkungen“).

Fleureter („bezirzen, umwerben“)

Il aime fleureter avec la laitière. („Er bezirzt gerne das Milchmädchen.“)

Fleureter („bezirzen, umwerben“)

Fleureter ist definitiv mein liebster Vintage-Ausdruck. Ich traf kürzlich beim Durchblättern der französischen Übersetzung von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz auf dieses Verb: Es hat mich sofort an das englische Wort für flirter („flirten“) erinnert. Kann flirter – wir Franzosen schreiben es heute mutig in der englischen Orthografie – etwa französische Wurzeln haben?

Das französische fleureter jedenfalls erinnert an den altmodischen Ausdruck conter fleurette („Süßholz raspeln“) und enthält tatsächlich die Konnotation der Verführung, Verspieltheit und eine Prise blumiger Rhetorik.

Contre-aimer („Zuneigung erwidern“)

Siècle vraiment heureux, siècle d’or estimé, Où toujours l’amoureux se voyait contre-aimé. („Wahrhaftig glückliches Jahrhundert, geschätztes Goldenes Zeitalter, in dem die Liebenden, wann immer sie sich sehen, einander Zuneigung erwidern“) – Pierre de Ronsard

Mit dem schönsten aller Themen – der Liebe – beenden wir unsere Liste an Vintage-Wörtern mit einer romantischen Note. Heutzutage ist dieses hübsche Verb völlig aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Contre-aimer bedeutet wortwörtlich „gegenlieben“, also die Liebe erwidern. Es handelt sich quasi um die Vintage-Variante eines Tinder-Matches.

Sprich Französisch, wie du es schon immer wolltest.

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