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Meine Erfahrungen auf dem Jakobsweg

Jessi erfüllt sich ihren Kindheitswunsch, den Jakobsweg zu pilgern. Sie frischt ihre Spanischkenntnisse auf und begibt sich auf die Reise. Lies hier ihren Erfahrungsbericht.
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ARTIKEL VON Jessica Leutz
Meine Erfahrungen auf dem Jakobsweg

Ich bin Jessi, 26 Jahre alt. Im Frühsommer dieses Jahres begab ich mich auf ein außergewöhnliches Abenteuer: den Jakobsweg. Für alle, die ihn nicht kennen: Das ist ein jahrhundertealter Pilgerweg in Nordspanien, der zur Stadt Santiago de Compostela führt. Ursprünglich komme ich aus einem winzigen Dorf in Südwestdeutschland. Damals, als ich noch klein war, ging einer der Dorfbewohner diesen Weg. Seither wollte ich mich eines Tages auch auf den Jakobsweg begeben. Diese Idee entfachte mein Interesse an der spanischen Kultur und Sprache, sodass ich später sogar Spanisch studierte.

 

Durch meinen stressigen Alltag und die Hektik der Großstadt, in der ich heute lebe, gerieten jedoch sowohl mein Kindheitstraum als auch meine Sprachkenntnisse über einige Jahre in Vergessenheit. Anfang 2018 kündigte ich schließlich meinen Job, in dem ich nicht mehr zufrieden war, und erinnerte mich an meinen alten Traum. Ich wusste, dass nun die Zeit gekommen war, und machte mich direkt an die Auffrischung meiner Sprachkenntnisse und sammelte dabei Erfahrungen mit Babbel.

 

Insgesamt gibt es fünf verschiedene Routen, um den Jakobsweg zu pilgern. Diese führen von Deutschland nach Frankreich und schließlich durch Spanien an das ersehnte Ziel. Ich entschied mich für eine der weniger bekannten, ruhigeren Routen, nämlich den Küstenweg, der insgesamt 850 Kilometer lang ist. Da ich keine sechs Wochen unterwegs sein wollte, entschloss ich mich, nur einen Teil des Jakobswegs zu gehen. So startete ich strategisch in der spanischen Küstenstadt Gijón. Mein Freund wollte mich nicht alleine durch das spanische Hinterland ziehen lassen; also entschloss er sich kurzerhand, mich zu begleiten. Als Filmemacher konnte er natürlich nicht widerstehen, unser Abenteuer filmisch zu dokumentieren.

Die Reise auf dem Jakobsweg beginnt

Ende Mai ging es los. Entgegen aller Empfehlungen hinsichtlich Probepacken und Rucksackgewicht, packten wir zwei mehr oder weniger wild drauf los – und das erst kurz vor der Abreise! Am Morgen der Abreise setzten wir dann erstmals unsere Rucksäcke auf und machten uns auf den Weg zum Flughafen. Bereits nach den ersten fünf Metern, schauten wir uns zweifelnd an und fragten uns, wie wir diese schweren Rucksäcke Tag für Tag und über mehrere hundert Kilometer tragen sollten … Vor allem das zusätzliche Kameraequipment fiel schwer ins Gewicht. Jammern bringt nichts: Wir waren bereits auf dem Weg und es gab kein Zurück mehr!

 

Als wir in Gijón ankamen, besorgten wir uns noch unsere Pilgerausweise und eine Karte, die uns die jeweiligen Etappenziele und Tagesstrecken zeigte. Dann marschierten wir los – es war bereits 15:00 Uhr und die Etappe bis zur ersten Herberge war 25 Kilometer lang. Die ersten Meter gingen trotz des schweren Gepäcks relativ einfach und wir kamen recht zügig voran. Doch von Stunde zu Stunde wurde es anstrengender und mein Freund, der im Vorfeld dachte, wir würden hier einfach täglich ein bisschen spazieren gehen, realisierte allmählich, worauf er sich eingelassen hatte. Mit einem gelassenen Spaziergang hat der Jakobsweg reichlich wenig zu tun. Bereits der erste Tag war desillusionierend und forderte all unsere Energie. Als wäre das nicht schon genug, führte die Strecke auch noch an mehreren Müllverbrennungsanlagen und reichlich Industrie vorbei. Weit und breit waren weder Küste noch Meer in Sicht, wie es der sogenannte „Küstenweg“ eigentlich vermuten lässt! Allmählich setzte die Dämmerung ein und wir hatten noch immer ungefähr zehn Kilometer Fußmarsch vor uns. Mein Freund wurde von Schritt zu Schritt langsamer, bis er nur noch auf Fußsohlen balancierte, weil ihm die Füße so weh taten, dass er nicht mehr auftreten konnte.

 

Wir haben auf dem Jakobsweg hart gelernt: Mit unserem Gepäck brauchen wir viel länger als gedacht und körperlich ist das Wandern deutlich anstrengender, als wir es uns vorgestellt hatten.

 

Mein Freund war kurz davor, seinen Schlafsack auszurollen und sich einfach an den Straßenrand zu legen. Um kurz vor Mitternacht kamen wir dann schließlich im ersten Etappenziel, der Stadt Avilés, an. Die öffentliche Pilgerherberge hatte bereits seit anderthalb Stunden geschlossen, daher stoppten wir bei der erstbesten Pension. Natürlich hatten auch alle Restaurants bereits geschlossen. Wir waren zu erschöpft, um noch einen weiteren Schritt zu gehen, also fielen wir einfach ins Bett.

 

Jeder Tag wartet mit neuen Herausforderungen

Der nächste Morgen weckte uns mit einer ungewünschten Überraschung, die zur nächsten Herausforderung wurde: Dauerregen! Mein Freund wäre am liebsten direkt wieder zurückgeflogen. Aus Trotz gaben wir aber nicht auf: Tag für Tag überwanden wir uns aufs Neue, entgegen aller körperlichen, geistigen und wetterbedingten Strapazen uns mit langsamen Schritten dem ersehnten Ziel zu nähern. Wir meisterten gemeinsam einige Tiefpunkte. Obwohl Erschöpfung und Wutanfälle nicht ausblieben, schweißte uns die Erfahrung zusammen. Aber es wollte einfach nicht mehr aufhören zu regnen! All unsere Sachen blieben somit nass oder bestenfalls feucht.

 

Mithilfe meiner Spanischkenntnisse konnte ich zumindest für ein wenig Komfort sorgen: Ich organisierte uns in zwei Unterkünften kleine Heizlüfter – und einmal konnte ich einen Wirt sogar dazu überreden, extra für uns die Heizung anzustellen.

 

Dass ich mein Spanisch vor der Reise mit Babbel aufgefrischt habe, war von absoluter Notwendigkeit bei der täglichen Beschaffung von veganem Essen für mich und meinen Freund. Der Jakobsweg führte uns durch ländliche Gegenden, sodass wir quasi im Nirgendwo schliefen, kilometerweit vom nächsten Supermarkt entfernt. Hier ist es üblich, dass die Gastgeber der Herbergen für die Pilger kochen. Dabei ist vegane Ernährung häufig ein unbekanntes Konzept. Auf Spanisch musste ich somit unseren Gastgebern ausführlich erklären, was vegan bedeutet und was wir essen.

 

Aber nicht nur uns beiden halfen meine Sprachkenntnisse weiter: Oftmals konnte ich anderen Pilgern, die kein Spanisch sprachen, in den unterschiedlichsten Situationen weiterhelfen.

 

Die Erfahrungen, die ich vom Jakobsweg mitnehme

Neben den ganzen Strapazen dieser Reise, durfte ich meine Sprachkenntnisse auf diesem Weg mehr denn je nutzen! Ich konnte mit den Einheimischen kommunizieren und somit einen ganz besonderen Einblick in die Kultur Nordspaniens bekommen. Von meinen Kenntnissen endlich einmal richtig und täglich Gebrauch machen zu können, war eines der absoluten Highlights dieser Reise – und die beste Motivation, zurück in Deutschland weiterhin Spanisch zu üben. Außerdem habe ich es als sehr wohltuend empfunden, mich täglich in der Natur zu bewegen. Das ist ein absolutes Kontrastprogramm zu meinem Großstadtalltag.

 

Darüber hinaus hat mich dieser Weg gelehrt, Grenzen zu überschreiten und Herausforderungen zu meistern. Mein Freund und ich haben gelernt, auch in absoluten Ausnahmesituationen und am äußersten Rand unserer physischen sowie psychischen Belastungsgrenzen weiterhin gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Nur so konnten wir unser Ziel, Santiago de Compostela, erreichen.

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Jessica Leutz
Jessica Leutz ist in einem 400-Seelen-Dorf in Baden-Württemberg aufgewachsen. Nach ihrem Abi pendelte sie 4,5 Jahre lang zwischen Mannheim und Ibiza, wo sie im Winter ihrem Studium der BWL und Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Spanisch, Sprach- und Medienwissenschaften nachging und im Sommer bei Eventagenturen arbeitete und ihre Spanischkenntnisse ausbaute. Mit ihrem Bachelor in der Tasche zog es sie dann 2016 nach Berlin. Wenn sie nicht gerade ihrem Job als selbstständige Video Producerin nachgeht, fährt sie gerne raus in die Natur oder widmet sich ihren Leidenschaften Tanzen, Schneidern und Schreiben.
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