Sprich Sprachen, wie du es schon immer wolltest

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Die Leiden des jungen Zweisprachigen

Zweisprachig aufzuwachsen hat nicht nur Vorteile…

Artikel von: Giulia Depentor
Illustration von Stefano Colferai

Meine tiefempfundener Neid auf zweisprachige Menschen ist kein Geheimnis: Wann immer meine Englischlehrerin mich Verbtabellen abfragte; wann immer ich versuchte, die richtige Schreibweise der französischen Frageformel qu’est-ce que zu lernen; oder erst vor Kurzem, als ich ein paar unmögliche deutsche Wörter aussprechen sollte, war meine Frage immer die gleiche: „Warum bin ich verdammt nochmal nicht zweisprachig?“

Der wahrscheinlichste Grund dafür, dass ich nicht zweisprachig bin, ist, dass ich in Italien als Kind italienischer Eltern aufgewachsen bin… da hatte ich also auch nicht allzu viele Chancen. Ich habe zwar versucht, später in der Schule und an der Universität Fremdsprachen zu lernen, aber es war einfach nicht dasselbe.

Das Konzept von Mehrsprachigkeit ist nicht eindeutig definiert: Für einige bedeutet Zweisprachigkeit, von Geburt an mit zwei Sprachen aufzuwachsen. Für andere ist Bi­lin­gualismus schlicht damit verbunden, mehr als eine Sprache zu beherrschen, ganz egal, wie gut man die Sprachen spricht und wann man begonnen hat, sie zu lernen – die Meinungen gehen also weit auseinander. Einer der wenigen Punkte, in dem die meisten Studien übereinstimmen, ist, dass sich der Sprachenlernprozess mit dem Alter von einer intuitiven zu einer schlussfolgernden Lernweise verschiebt. Um es anders auszudrücken: Es ist „natürlicher“, eine Sprache zu lernen, wenn du in jungen Jahren damit anfängst.

Darum respektiere und bewundere ich auch heute als Erwachsene jene bilingualen Menschen, die mehr als eine Sprache mit in die Wiege gelegt bekommen haben – und das, obwohl ich von mir sagen kann, neben dem Italienischen noch zwei andere Sprachen ganz gut zu sprechen. Meine Bewunderung hat sich dahingehend verändert, dass ich als Kind zweisprachige Menschen wie mythologische Kreaturen (auf einer Stufe mit Einhörnern, Zentauren und Amanda Palmer) behandelte, während ich ihnen jetzt nur dumme Fragen stelle:

„Uuund… in welcher Sprache denkst du?“
„Uuund… in welcher Sprache fluchst du?“
„Uuund… in welcher Sprache träumst du?“
„Uuund… in welcher Sprache willst du mich zur Hölle schicken?“
Uuund… so weiter.

Du kannst dir meine Enttäuschung vorstellen, als ich entdeckte, dass zweisprachig zu sein nicht nur rosig ist: „Ja“, sagen meine zweisprachigen Opfer jedes Mal, wenn sie versuchen, mich loszuwerden, „bilingual aufzuwachsen ist sicherlich ein Vorteil, aber…“

Aber?!?

1) „… aber ich weiß nie, auf welcher Sprache ich mich streiten soll!“

Ich kann mich besser auf Deutsch streiten, aber meine Mutter ist Amerikanerin und hat immer verlangt, dass ich ausschließlich Englisch mit ihr spreche – auch, wenn wir uns gestritten haben. Sie hat so getan, als würde sie mich nicht verstehen, mit einem unverständlichen Akzent gesprochen oder Wörter benutzt, die ich nicht kannte. Manchmal hat sie sogar während eines Streits meine grammatikalischen Fehler oder meine Aussprache korrigiert! Natürlich hat sie immer alle Auseinandersetzungen gewonnen.

2) „… aber ich übersetze ständig Dinge, die es gar nicht gibt.“

Jede Sprache hat ihre Wörter und Sprichwörter, die unübersetzbar sind, oder die kein Gegenstück in anderen Sprachen haben. Ich war davon immer verwirrt und habe in den Himmel geschaut und gesagt: „Oh, es regnet Katzen und Hunde“ oder jemandem mühevoll erklärt, warum etwas „ein Stück Kuchen“ ist.

3) „… aber ich bin immer die aus …

Ich bin immer die Französin, wenn ich unter Deutschen bin; und die Deutsche, wenn ich unter Franzosen bin. Dadurch werden mir nicht nur mysteriöse Akzente angedichtet, sondern ich werde auch für beide Länder zur Kulturbeauftragten. Wenn meine deutschen Freunde Filme diskutieren, muss ich alles über Nouvelle Vague wissen. Wenn auf der anderen Seite eine Diskussion über den Einfluss des Hegelschen Idealismus auf das heutige Weltbild oder die Marxistische Wirtschaftstheorie ansteht… Ich glaube, du verstehst mein Problem so langsam.

4) „… aber mir werden immer dumme Fragen gestellt!“

„Uuund… in welcher Sprache denkst du?“
„Bist du manchmal verwirrt?“
„Uuund… in welcher Sprache fluchst du?“
„Versteht dein Hund Spanisch?“
„Uuund… in welcher Sprache träumst du?“
„Wenn du auf dem Klo sitzt und nichts zu lesen hast, in welcher Sprache liest du die Inhaltsstoffe auf deiner Zahnpastatube?“

Ich bin immer so eine Art Experiment: Die Leute bitten mich, dieses oder jenes in dieser oder jener Sprache zu sagen oder verlangen, dass ich einen nicht-untertitelten Film live übersetze. Außerdem denken viele Leute, dass man sich über einfach alles (in allen Sprachen) unterhalten kann, nur, weil man zwei Sprachen spricht… auf der anderen Seite gibt es aber auch immer Menschen, die mir vorhalten, dass ich nie das gleiche Sprachniveau wie sie als monolinguale Sprecher erreichen kann. Naja, wenn es sie glücklich macht…

5) „… aber ich weiß nie, welches Team ich anfeuern soll.“

Zweisprachig zu sein bedeutet, zwei verschiedenen Kulturen anzugehören und manchmal zwischen den Stühlen zu sitzen – das wird dann zum Problem, wenn die Nationalmannschaften „deiner“ beiden Länder sich im Finale der Fußball-WM gegenüberstehen.

„Was soll ich sagen? “, sagt mein immer noch neidisches monolinguales Ich. Diese Nachteile – wenn wir sie so nennen können – werden sicherlich deutlich von den Vorteilen überwogen. Mehr als eine Sprache zu beherrschen, besonders auf muttersprachlichem Niveau, kann einfach nie eine schlechte Sache sein.

Probleme der Zeitsprachigkeit - Detail

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