Diese 6 Aussprachefehler machen Deutsche im Spanischen

Du rollst das „r“ aber dein Spanisch klingt irgendwie „alemán“? Vermeide diese 6 typischen Aussprachefehler und werde deinen deutschen Akzent los.
Artikel Von Sarah Waldmann
Diese 6 Aussprachefehler machen Deutsche im Spanischen

Auf den ersten Blick scheint die Aussprache des Spanischen nicht besonders schwer: Fast alles spricht man so, wie man es schreibt. Es gibt keine Nasale, die einem das Leben schwer machen, und mit wenigen Regeln und Akzentzeichen weiß man immer, welche Silbe eines Wortes betont wird. Das gerollte „R“ und das gelispelte „Z“ sind scheinbar die einzigen Herausforderungen für Spanischlernende – oder?

Schön wär’s! Spanisch hält ein paar kleine Aussprachefallen bereit, die dich schnell als deutschsprachige Person outen – obwohl du doch das „R“ so leidenschaftlich gerollt und „Z“ so gefühlvoll gelispelt hast. Um deinen acento alemán loszuwerden, ist es wichtig, dir die Unterschiede zur deutschen Aussprache bewusst zu machen. Wir zeigen dir sechs typische Aussprachefehler, die Deutsche im Spanischen (unbewusst) machen, sowie nützliche Expertentipps, um akzentfrei Spanisch zu sprechen.

1. Zu explosiv bei den Plosiven

Während das gerollte „R“ für deutsche Ohren offensichtlich anders klingt, gibt es im Spanischen auch Laute, die sich nur minimal vom Deutschen unterscheiden – genau darin besteht die Gemeinheit! Ein Beispiel dafür sind die Plosive [p], [t] und [k]. Ihr Name leitet sich von der Art ab, wie sie im Mund gebildet werden. Nämlich mit einem Verschluss, bei dem zum Beispiel wie bei [p] beide Lippen fest aufeinandergepresst werden und dann – explosionsartig – gelöst werden. Im Deutschen wird bei Plosiven viel mehr Spannung aufgebaut als im Spanischen. Der Verschluss dauert länger, die Explosion ist heftiger. Man sagt dazu auch: Die Plosive im Deutschen sind behaucht (aspiriert). Im Spanischen werden [p], [t] und [k] hingegen nicht aspiriert. Sie klingen viel weicher, fast schon wie [b], [d] und [g]. Lernende mit Muttersprache Deutsch sprechen die spanischen Plosive deshalb oft zu explosiv aus.

Unser Aussprache-Tipp: Versuche, [p], [t], [k] eher wie ein hartes [b], [d] oder [g] auszusprechen.

Probier es aus: Paco empaca copas en tantos paquetes. („Paco packt Gläser in so viele Pakete.“)

Diese 6 Aussprachefehler machen Deutsche im Spanischen

2. Das harte Ende

Ein weiterer beliebter Aussprachefehler: Deutsche Muttersprachler*innen lassen meist nicht nur Plosive hart klingen, sondern auch den Auslaut, also das Ende von Wörtern wie bei „rund“ [runt] oder „mag“ [mak]. Diese sogenannte Auslautverhärtung haben wir so verinnerlicht, dass wir sie auch beim Sprechen anderer Sprachen nicht so leicht ablegen können. So wird aus ciudad de Madrid („Stadt Madrid“) schnell [ciudat de Madrit]. Spanischsprechende machen genau das Gegenteil: Sie sprechen das „D“ am Auslaut so weich aus, dass es beinahe wie das „th“ im englischen bath klingt oder sogar kaum hörbar als [ciudá] ausgehaucht wird.

Unser Aussprache-Tipp: Sprich das „D“ am Wortende so aus, dass du deine Zunge nicht von hinten an die Zähne drückst, sondern auf die Zahnkante legst. Heraus kommt ein ganz weiches [d]. Die Alternative: Lass „D“ am Wortende einfach ganz weg. [ciudá] klingt viel weniger deutsch als [ciudat].

Probier es aus: ¡Pintad la pared con gratitud! („Streicht die Wand mit Dankbarkeit!“)

3. Die vernachlässigten Vokale

Bei der Behandlung der Vokale ist Spanisch viel gerechter als Deutsch. Wieso? Im Deutschen können Vokale in unbetonten Silben froh sein, wenn sie noch als lustloser Schwa-Laut wie „e“ in „sagte“ ausgespuckt und nicht sogar ganz weggelassen werden wie das „e“ in „Hasen“. Im Spanischen klingen die fünf Vokallaute – [a], [e], [i], [o], [u] – in jeder Silbe gleich, egal ob betont oder unbetont. Kein Vokal wird weggelassen oder weniger deutlich ausgesprochen. Das „e“ in hacen („sie machen“) wird ebenso offen ausgesprochen wie das „e“ in eco („Echo“), und nicht etwa [hacn].

Unser Aussprache-Tipp: Achte darauf, alle Vokale immer gleich deutlich und offen auszusprechen: [a] wie in „Mann“, [e] wie in „hell“, [i] wie in „Igel“, [o] wie in „hoffen“, [u] wie in „Uhu“.

Probier es aus: ¡Mantente al día y hazte una idea como lo hacen ellos! („Bleib auf dem Laufenden und mach dir ein Bild davon, wie sie es machen.“)

Diese 6 Aussprachefehler machen Deutsche im Spanischen

4. Immer in Verbindung bleiben

Einige Besonderheiten der spanischen Aussprache treten nicht in einzelnen Wörtern, sondern im Redefluss hervor. Folgt auf ein Wort, das auf einen Konsonanten endet (zum Beispiel casas), eines, das mit einem Vokal beginnt (zum Beispiel amarillas), so wird der Konsonant des ersten Wortes mit dem darauffolgenden Wort „verbunden“. Der Ausdruck casas amarillas („gelbe Häuser“) wird zu [casa samarillas]. Endet das vorherige Wort wie bei casa amarilla auch auf einen Vokal, werden die beiden Vokale einfach zusammengezogen: [casamarilla]. Das führt dazu, dass Wörter viel flüssiger miteinander gesprochen werden als im Deutschen.

Unser Aussprache-Tipp: Sag abwechselnd [casas amarillas] und [casa samarillas] und achte auf den Unterschied.

Probier es aus: Las ardillas amables aman árboles. („Die netten Eichhörnchen lieben Bäume.“)

5. Viel zu knackig

Deutsch ist eine knackige Sprache: Vor Silben, die auf einen Vokal beginnen, fügen wir einen sogenannten Glottisschlag“ ein. Das ist ein unhörbarer Knacklaut, bei dem wir unsere Stimmbänder für einen Augenblick zusammendrücken, ehe wir mit dem Vokal loslegen (zum Beispiel vor dem „a“ in „beantworten“ oder am Anfang von „Apfel“). Vielleicht ist dir das bisher noch nie aufgefallen, aber beim Spanisch sprechen steht uns dieser unbewusste Prozess im Weg. Der Knacklaut verhindert nämlich die für das Spanische so typische fließende Aussprache, bei der die Grenzen zwischen den Wörtern oft verschwimmen.

Unser Aussprache-Tipp: Wenn du Wörter, die mit einem Vokal beginnen, mit dem vorhergehenden Wort zusammenziehst (zum Beispiel [lo sosos] statt [los osos] „die Bären“), kommst du gar nicht erst in Versuchung, irgendwo einen Knacklaut einzufügen.

Probier es aus: Eres alumno, ¡deberías estudiar! („Du bist Schüler, du solltest lernen!“)

5. Español ist nicht Espaniol

Diese 6 Aussprachefehler machen Deutsche im Spanischen

Der wohl spanischste Buchstabe ñ (eñe) verleitet nicht nur deutsche Lernende zu einer falschen Aussprache. Hier ist Detail und Know-how gefragt, denn unsere Lernsprache español spricht sich weder [espaniol] noch [espanjol] aus. Der Laut, der im phonetischen Alphabet mit dem Symbol [ɲ] wiedergegeben wird, ähnelt am ehesten dem „gn“ in Fremdwörtern wie Vignette oder Lasagne.

Unser Aussprache-Tipp: Presse den mittleren Teil deiner Zunge gegen den oberen, harten Teil deines Gaumens. Ganz wichtig: Die Luft entweicht dabei durch die Nase, nicht durch den Mund.

Probier es aus: Cada mañana, la araña come piña. („Jeden Morgen isst die Spinne Ananas.“)

6. Die Diphthong-Falle

Einer der beliebtesten Aussprachefehler ist das harmlos erscheinende aeropuerto, „Flughafen“. Immer wieder ertappen wir uns dabei, wie wir statt [a-eropuerto] so etwas wie [äropuerto] sagen. Ähnliche Schwierigkeiten sind bei Wörtern wie Europa (sprich: [e-uropa]), deuda [de-udas] („Schuld“) oder aula [aula] („Klassenzimmer“) vorprogrammiert. Das liegt zum einen daran, dass sie für das Deutsche untypische Diphthonge (Doppellaute aus Vokalen) beinhalten. Zum anderen sind die Buchstabenkombinationen „eu“, „au“ und „ei“ im Deutschen mit leicht abweichenden Lauten verbunden. Die Versuchung ist deshalb groß, [oiropa] oder [aola] zu sagen.

Unser Aussprache-Tipp: Knöpfe dir Wörter mit Diphthongen gezielt vor und übe die Aussprache zunächst langsam.

Probier es aus: El juez europeo está en el aeropuerto. („Der europäische Richter ist am Flughafen.“)

Wenn du diese Feinheiten der spanischen Aussprache beherrschst und somit bekannte Aussprachefehler umgehst, bist du schon ein ganzes Stück akzentfreier. Mit viel Übung und einigen weiteren Tricks kann dir bald niemand mehr einen acento alemán nachweisen. Wetten?

Worauf wartest du noch? Beginne jetzt deine Sprachlernreise.
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Sarah Waldmann
Am Bodensee mit multidialektalem Hintergrund aufgewachsen, beherrscht Sarah mittlerweile mehr als nur Schwäbisch und rudimentäres Plattdeutsch: Nach Abi und Andenabenteuern zog sie nach Berlin und studierte dort Spanisch und Portugiesisch. Einige Auslandaufenthalte auf der Iberischen Halbinsel später forscht sie nun zu Spracherwerb und schreibt als freie Autorin über Sprachen, Gott und die Welt.
Am Bodensee mit multidialektalem Hintergrund aufgewachsen, beherrscht Sarah mittlerweile mehr als nur Schwäbisch und rudimentäres Plattdeutsch: Nach Abi und Andenabenteuern zog sie nach Berlin und studierte dort Spanisch und Portugiesisch. Einige Auslandaufenthalte auf der Iberischen Halbinsel später forscht sie nun zu Spracherwerb und schreibt als freie Autorin über Sprachen, Gott und die Welt.

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