Sprich Sprachen, wie du es schon immer wolltest

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Was für typische Anfängerfehler machen Deutsche, wenn sie Russisch lernen?

Warum spricht man das russische „o“ manchmal wie ein [a] aus, wie rollt man das russische [r] und auf welche falschen Freunde muss man achten? Wir zeigen dir, wie du typische Anfängerfehler auf Russisch umgehst!

Artikel von: Uta Röhrborn
Illustriert von Sveta Sobolev

Russisch zu lernen erscheint so manchem recht exotisch. Für andere wiederum liegt es auf der Hand. Denn deine Russland-Reise wird noch viel spannender und erlebnisreicher sein, wenn du dich auch mit den Menschen unterhalten kannst. Auch deine russischsprachigen Mitstudierenden an der Uni und der neue russische Kollege werden dich ins Herz schließen, wenn du ein wenig Russisch kannst und beim Bier zum Feierabend mit За здоровье! („Auf die Gesundheit!“), За нас! („Auf uns!“) oder mit За дружбу! („Auf die Freundschaft!“) mit ihnen anstößt. Und wer weiß, vielleicht wartet ja auch die große russische Liebe auf dich!

Damit dich nicht gleich jeder an deiner typisch deutschen Aussprache erkennt, erhältst du von uns nützliche Tipps, was du machen kannst, um ein bisschen russischer zu klingen.

Am besten stimmst du dich schon mal ein: Du sagst rrrussisch, indem du das [r] rollst und das folgende [u] lang aussprichst, etwa wie das [u] in gut. Ein kurzes und offenes [u] wie in muss (oder eben in russisch, wenn man es deutsch ausspricht) gibt es nämlich im Russischen nicht!

Was du machen kannst, um deinen Akzent weniger deutsch klingen zu lassen

1. Eine Regel vorneweg: „o“ wird zu [a], aber nicht immer

Hast du gewusst, dass der Name Boris, den so mancher ja auch in Deutschland trägt, eigentlich ein russischer Vorname ist, im Russischen aber ganz anders ausgesprochen wird? Den Namen Борис spricht ein Russischsprachiger in etwa [Baris] aus. Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe. Und da haben wir auch schon den eigentlichen Punkt. Ob ein geschriebenes „o“ nämlich wie ein [o] ausgesprochen wird oder eben wie ein [a], hängt von der Betonung ab. Ist das „o“ betont, wird es auch wie ein [o] ausgesprochen. Es ist dann quasi in der starken Position und darf sich selbst treu bleiben. Ein unbetontes „o“ hingegen ändert seine Qualität. Wörter wie Москва oder Россия — der Einfachheit halber schreiben wir den betonten Vokal mal fett — werden also in etwa so ausgesprochen: [Maskwa] und [Rassija].

Wie wird nun der berühmte Wodka in Russland ausgesprochen? Das Wort sieht auf Russisch so aus (betonter Vokal ist wiederum gefettet): водка. Richtig, Wodka bleibt Wodka beziehungsweise водка! Das Wort, von dem Wodka/водка eigentlich kommt, heißt вода. Ausgesprochen wird das „o“ in diesem Wort wie ein … na? … genau: [a], weil das „o“ in вода nicht betont ist. Das Wort bedeutet übrigens schlichtweg „Wasser“, und Wodka/водка ist die Verkleinerung davon: „Wässerchen“. Obwohl водка und вода also ganz nahe Verwandte sind, klingen sie durch die abweichende Betonung doch ganz unterschiedlich!

Водка бывает только двух сортов: хорошая и очень хорошая.

Höre dir hier den Beispielsatz an. Die erste Sprecherin hat einen deutschen Akzent – kannst du die Fehler hören? Mit der zweiten Version (gesprochen von einer russischen Muttersprachlerin) kannst du die korrekte Aussprache üben.

2. Ein leidenschaftliches [r]

Was wäre die russische Sprache ohne ihr gerolltes Zungenspitzen-[r]? Der Klang des Russischen hängt in nicht unerheblichem Maße davon ab. Für uns stellt dieses [r] aber eine Herausforderung dar, denn das [r] des Standarddeutschen ist dagegen recht unauffällig. Es wird entweder ganz weit hinten im Rachenraum gebildet und klingt wie ein Rauschen oder Gurgeln. Oder es wird überhaupt weggelassen, genauer gesagt zu einem [a]-ähnlichen Laut umfunktioniert.

Das [r] des Russischen dagegen lässt sich nicht verbergen, man muss schon dazu stehen. Am besten mit Leidenschaft!

Wir üben das gleich mal! Wir legen die Zungenspitze an die Alveolen, das ist die Stelle hinter den oberen Schneidezähnen. Durch den ausgeatmeten Luftstrom wird die Zunge dazu gebracht, an dieser Stelle zu vibrieren. Ein russisches Zungenspitzen-[r] besteht aus etwa zwei bis vier Flatterbewegungen; zwei bis vier Mal also schlägt die Zungenspitze kurz und schnell an die Alveolen. Das macht schon ein ordentliches Geräusch! Bei mir rollt das [r] am besten, wenn es nach einem „p“ steht — also nach einem russischen „п“. Probier es doch mal mit den Wörtern вопрос („Frage“) und проблема („Problem“)! Sei dabei nicht zu zaghaft! Wenn der Luftstrom, der die Zunge zum Vibrieren bringen soll, zu schwach ist, setzt sie sich gar nicht erst in Bewegung …

Многие проблемы можно решить, если забыть о них и отправиться на рыбалку.

Höre dir hier den Beispielsatz an. Die erste Sprecherin hat einen deutschen Akzent – kannst du die Fehler hören? Mit der zweiten Version (gesprochen von einer russischen Muttersprachlerin) kannst du die korrekte Aussprache üben.

3. Flexibel bleiben: Artenvielfalt bei den Konsonanten

Liebhaber von Konsonanten kommen beim Erlernen des Russischen voll auf ihre Kosten. Vielleicht kommen dir zuerst die Zischlaute in den Sinn? Also Laute wie [sch], [tsch] oder [schtsch], für die das Russische die Buchstaben „ш, ч oder щ“ hat? Berühmt für die Zischlaute in ihrem Namen — und für ihre Köstlichkeit natürlich! — sind die beiden Suppengerichte Schtschi und Borschtsch: щи und борщ.

Höre dir hier die Hörbeispiele щи und борщ (gesprochen von einer russischen Muttersprachlerin) an.


Abgesehen von den Zischlauten hat das Russische noch jede Menge anderer Konsonanten. Dass es insgesamt so viele sind, liegt daran, dass viele Konsonanten in zweifacher Ausführung vorhanden sind: einmal als sogenannter harter und einmal als sogenannter weicher Konsonant. Sehr deutlich wird das am russischen л, hier hört man den Unterschied sehr gut: лук („Zwiebel“) — люк („Luke“).

Höre dir hier die Hörbeispiele лук („Zwiebel“) und люк („Luke“) (gesprochen von einer russischen Muttersprachlerin) an.


Weder das [л] in лук noch das [л] in люк sind mit dem deutschen [l] identisch.

Das [л] in лук ist hart. Du kannst dir dazu Folgendes merken: Folgt auf einen Konsonanten ein у, а, о, э oder ы, so ist der Konsonant hart. Wenn der Konsonant ganz am Ende des Wortes steht, ist er ebenfalls hart. Für die Aussprache eines harten [l] kannst du probieren, zuerst ein deutsches [l] zu sprechen und dann — ohne die Zunge von den oberen Schneidezähnen zu lösen — gleichzeitig ein [u] zu artikulieren. Herauskommen sollte ein russisches hartes л, das einen deutlich tieferen Eigenton hat als das deutsche [l].

Kommen wir nun zu dem [л] in люк. Es ist ein weicher Konsonant. Du erkennst weiche Konsonanten daran, dass ihnen ein ю, я, ё, е oder и folgt. Ebenso zeigt das Weichheitszeichen ь einen weichen Konsonanten an. Für ein weiches russisches [l] musst du den vorderen bis mittleren Teil deiner Zunge anheben und nach vorne verlagern. Somit kommt ein wesentlich großflächigerer Verschluss als beim harten russischen [l] zustande. Du solltest auch die Lippen stärker zurückziehen als gewohnt. All dies führt dazu, dass das russische weiche [l] viel heller klingt als ein deutsches [l] oder gar ein russisches hartes [l].

Abschließend hierzu kann ich nur sagen: Nur Mut zum harten [l]! Teste es gleich mal an Namen wie Владимир (Wladimir) oder Лариса (Larissa)! Oder wie wäre es mit dem Wort стол („Tisch“)?

Владимир любит Ларису, а Лариса любит другого Владимира.

Höre dir hier den Beispielsatz an. Die erste Sprecherin hat einen deutschen Akzent – kannst du die Fehler hören? Mit der zweiten Version (gesprochen von einer russischen Muttersprachlerin) kannst du die korrekte Aussprache üben.

4. Alles andere als geradeheraus und akkurat: die Vokale

Russische Vokale lieben den Wandel! Sie verändern ihre Lautqualität und gleiten gerne — das „e“ in балет ( „Ballett“) zum Beispiel startet mit einem kleinen [i]-artigen Laut, bevor es zum [e] wird, und das „o“ in дом („Haus“) hat eine [u]-ähnliche Qualität, bevor es nach [o] klingt. Deshalb ist es überhaupt nicht leicht, die Vokale zu beschreiben. Sie lassen sich einfach nicht gerne auf etwas festlegen!

Wenn du dich den russischen Vokalen nähern willst, könnte dir auch der folgende Hinweis helfen: Im Russischen wird deutlich zwischen betonten und unbetonten Vokalen unterschieden. Die betonten Vokale werden relativ lang ausgesprochen. Die unbetonten Vokale werden stark reduziert und verlieren sogar in manchen Fällen ihre eigene Vokalqualität. Du hast das oben am Beispiel des „o“ schon gesehen, das in unbetonten Silben gar nicht mehr wie ein [o] klingt. Nehmen wir ein Beispiel: Die nahezu wichtigste Person im Leben eines Russen ist wahrscheinlich seine Mutter. Wie nennt er sie? Мама. Das erste [a] ist betont und wird deutlich länger ausgesprochen als das [a] im deutschen Wort Mama. Das zweite [a] im Wort мама ist unbetont und wird deutlich kürzer ausgesprochen als das vergleichbare [a] in Mama. Es wird sogar so sehr reduziert, dass es fast gar nicht mehr wie [a] klingt, sondern eher wie das [e] im deutschen Wort bitte.

Die womöglich zweitwichtigste Person im Leben eines Russen ist Puschkin, russischer Nationaldichter und Begründer der modernen russischen Literatursprache. Während wir als Deutsche ihn mit unserem kurzen [u] und unserem hellen [i] schnöde als [Puschkin] bezeichnen, spricht ein Russe ihn mit einem deutlich längeren [u] aus. Das [i] ist dafür wieder reduziert, denn es ist ja unbetont.

Als deutscher Muttersprachler sperrt man am besten seine Ohren auf und hört genau hin. Wenn man dann selbst spricht oder etwas nachspricht, muss man sich von den Bewegungsmustern, die man vom Deutschen her kennt, lösen und lässt nach Möglichkeit allen Muskeln im Mundraum freien Lauf. Wenn es dann ungewohnt oder für unsere Ohren sogar ein bisschen schwülstig klingt: Das muss so!

Мама и Пушкин ходили на балет. Мама ходила в красном платье, а Пушкин в джинсах.

Höre dir hier den Beispielsatz an. Die erste Sprecherin hat einen deutschen Akzent – kannst du die Fehler hören? Mit der zweiten Version (gesprochen von einer russischen Muttersprachlerin) kannst du die korrekte Aussprache üben.


Damit du dich nicht im Dschungel des Wortschatzes verirrst

5. Ich hätte gerne ein Butterbrot mit Butter!

Lass dich bei deinem ersten Besuch in Russland nicht aufs Glatteis führen! Wenn du zum Beispiel bei der Einreise gebeten wirst, deine Migrationskarte auszufüllen (die du bei der Ausreise wieder abgeben musst, also schön aufheben!), dann begehe nicht den Fehler und zähle unter фамилия deine sämtlichen Familienmitglieder auf! Dein Nachname tut es auch, denn das Wort фамилия bedeutet „Nachname“.

Irgendwann haben alle, die eine Reise tun, Hunger. Für den Anfang tut es ja auch so ein бутерброд („Butterbrot“), das da in der Auslage bei einem Schnellimbiss liegt. Uiuiui, ist die gute Seele in der Küche vielleicht verliebt? Oder warum hat sie gleich so viel auf das Brot gelegt? In Russland braucht es mehr, um in die Kategorie бутерброд aufgenommen zu werden: Käse oder Wurst und vielleicht auch ein Salatblatt oder eine Gurkenscheibe. Auch ein komplett belegtes und reich verziertes Sandwich wird als бутерброд bezeichnet. In dieser Hinsicht ist man in Russland eben anspruchsvoll …

Butterbrot

Genauso wenig wie бутерброд ein reines Butterbrot ist, ist кекс ein Keks oder котлета ein Kotelett. Кекс und Keks sind aber sehr nah miteinander verwandt, denn beide Wörter stammen vom englischen cake ab, genauer gesagt von der Mehrzahlform cakes. Кекс ist ein Rührkuchen (oft mit Rosinen). Das Wort котлета bezeichnet, wenn schon nicht ein Kotelett, so doch zumindest auch etwas zum Essen: eine Frikadelle aus Fleisch oder Fisch. Ich hoffe, ich stifte hiermit keine Verwirrung. Manch einer soll dazu ja auch Bulette oder Fleischpflanzerl sagen …

Falls du mal in die brenzlige Lage kommst und in Russland Konkurs anmelden musst, verwende nicht das Wort конкурс! Ein конкурс ist ein wie auch immer gearteter Wettbewerb. Nicht, dass du am Ende die Schönheiten Russlands zu einem Schönheitswettbewerb aufrufst. Obwohl …

Sprich Russisch so, wie du es schon immer wolltest

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