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Teetrinken in England: Ein sprachlicher Einblick in die liebste Nachmittagsbeschäftigung der Briten

Mit Milch oder ohne? Entdecke die Geschichte des Teetrinkens in England und was „tea“ alles bezeichnet.
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Teetrinken in England: Ein sprachlicher Einblick in die liebste Nachmittagsbeschäftigung der Briten

Tee ist ein Kulturpfeiler der britischen Lebensart. Den hohen Stellenwert das Getränks lässt sich bereits an der vielseitigen Verwendung der einsilbigen Vokabel tea nachvollziehen.

Briten lassen kaum eine Gelegenheit aus, Tee zu trinken und haben dabei für jede dieser Gelegenheiten einen eigenen Namen gefunden. Zum Frühstück, ja, oft noch im Bett, gibt es den early morning tea. Bauarbeiter auf dem Bau bevorzugen den builder’s tea, extra stark mit Milch und Zucker. Cream tea gibt es am Nachmittag zusammen mit scones, clotted cream und Erdbeerkonfitüre. Am Nachmittag serviert man im Salon an niedrigen Teetischchen den five-o-clock tea mit Appetithäppchen und Sandwiches. Am Nachmittag zwischen fünf und sieben Uhr sowie zum Anlass von besonderem Besuch wird der high tea am Esstisch serviert, zusammen mit kaltem Braten, Kuchen und Früchten. Und zum royal tea kombiniert man gerne Champagner und Sherry.

Man darf bei all dem nie vergessen: Die Briten gelten als sehr fortschrittliches Volk mit einem gleichzeitig ausgeprägten Traditionsbewusstsein. Ganz wunderbar lässt sich das am Beispiel des Tees verstehen – vor allem, wenn man ein paar Jahrhunderte an der Uhr dreht und zurück zu den Anfängen der Erfolgsgeschichte des Tees geht.

Es war einmal … als der erste Tee britischen Boden berührte

Im siebzehnten Jahrhundert wurden per Handkarren, Esel, Dampfschiff allerlei von Asien nach Europa transportiert: Baumwolle war darunter, Seide und Indigo-Farbstoff, Salpeter und noch etwas: säckeweise getrocknete Blätter der Teepflanze. Während also Niederländer, Portugiesen, Franzosen und das Britische Königreich ein ständiges Seilziehen um ihre koloniale Vorherrschaft betrieben, das erbitterte Rivalen und militärische Auseinandersetzungen mit sich brachte, hoben die Damen der Aristokratie an regnerischen Nachmittagen in London ein feines Tässchen Porzellan und balancierten mit angewinkeltem kleinen Finger ein fremdartiges Getränk Richtung Lippen.

Das Tee-Erfolgsrezept: Gesundheit und ein Löffelchen voll Zucker

Kopfschmerzen, Erkältungen, Katarrh, Asthma, sowie Magen- und Darmbeschwerden sollte das fremdartige Getränk, das man Tee nannte, heilen. Verkaufsfördernde Maßnahme nennt man das heute. Und schlug um 1650 ein wie eine Bombe, da die Britische Upperclass gerade die eigene Gesundheit als aktiv zu förderndes Gut entdeckte. Und so leistete man sich das prestigereiche Getränk, das bis zu zehnmal teurer als Kaffee war, auch in der öffentlichen Gesellschaft: die Männer im Kaffeehaus, die Frauen in den tea gardens („Teegärten“). Neben Tee lernte man in dieser Zeit ein weiteres Luxusgut kennen, den Zucker. Und als man begann, das eine mit dem andere zu mischen, gab es für die Popularität des Tees unter den Reichsten der Reichen kein Halten mehr.

Tee für Jedermann: Wie der Schwarztee ultimativ britisch wurde

Als 1783 mit der Teesteuer auch die Teepreise fielen, konnten sich endlich auch die Mittelschicht Tee leisten und so nahmen Familien, Freunden und Kollegen in ihre häuslichen Rituale das Getränk auf – und damit ein wenig vom Flair der Superaristokraten. Tee und Hochkultur; irgendwie ist dieser ehrbare, feine Nebengeschmack der Britischen Teezeremonie bis heute nicht zu trennen. Und das, obwohl Tee bald schon billiger wurde als Bier und auch die Arbeiterklasse auf dem Bau ihr hartes Mittagsbrot mit ebenjenem Tee hinunterspülte. Als das Britische Königreich schließlich das Monopol im Teehandel in Händen hatte, durfte sich jeder, der Tee trank, außerdem einen echten Patrioten nennen, unterstütze er schließlich mit seinen Steuern den florierenden Handel des eigenen Landes. Ganz im Gegensatz zu Kaffee und Schokolade, dessen Handel in den Kolonien in der Hand der Feinde lag – und an Absatz abnahm.

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Und wer nun Tee zwar kennt, aber wem die Regeln und Fallstricke der Teekultur nicht bekannt sind, dem sei hier eine kleine Einführung gegeben.

Die Kunst des Britischen Teetrinkens: George Orwells elf Gebote

A nice cup of tea, „Eine schöne Tasse Tee“ betitelte der britische Autor George Orwell einen Essay, der am 12. Januar 1947 im Evening Standard veröffentlicht wurde. Orwell kennt man für seine Romane Nineteen Eighty-Four („1984“) oder Animalfarm („Farm der Tiere“). Unter Teeliebhabern aber gelten die elf Teeregeln, die dieser äußerst kluge Mann formuliert hat, als Knigge der Teekultur.

  • Gebot Nummer 1: Du wirst doch wohl keinen außer Indischen oder Ceylontee trinken!
  • Gebot Nummer 2: Du wirst deinen Tee doch lieber in kleinen Portionen brauen und ja nur in Tassen oder Kannen aus Keramik oder Töpferware.
  • Gebot Nummer 3: Du wirst doch ja dein Gefäß vor Gebrauch anwärmen!
  • Gebot Nummer 4: Du wirst deinen Tee hoffentlich schön stark zubereiten und mindestens sechs gehäufte Teelöffeln pro Kanne benutzen!
  • Gebot Nummer 5: Du wirst doch ja den Tee lose in die Kanne geben und keine Siebe und Beutel verwenden!
  • Gebot Nummer 6: Du wirst deinen Tee hoffentlich nur mit kochendem Wasser überbrühen!
  • Gebot Nummer 7: Du wirst doch ja deine frisch aufgegossenen Teeblätter in Bewegung bringen!
  • Gebot Nummer 8: Du wirst deinen Tee hoffentlich aus keiner anderen als einer zylindrischen Frühstückstasse trinken!
  • Gebot Nummer 9: Du wirst doch ja die Rahmschicht von der Milch nehmen, bevor du sie in den Tee gibst!
  • Gebot Nummer 10: Du wirst ja die Milch nicht vor dem Tee in die Kanne gießen!
  • Gebot Nummer 11: Du wirst bloß keinen Zucker in deinen Tee tun!

Auch wenn man sich im faktenverliebten England um die Richtigkeit des ein oder andere Details streitet – der Brite ist ja für seine Selbstironie bekannt und davon hatte Orwell neben einigen schönen Tassen Tee auch eine gute Portion intus. In diesem Sinne sind die Regeln der Teezubereitung auch zu verstehen; auch in Großbritannien darf ein jeder seine Tasse Tee so genießen, wie er oder sie ihn am liebsten mag, Milch oder Zucker hin oder her.

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