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Feministische Wörter: Begriffe, die dir den Rücken stärken

Hast du jemals Sexismus erlebt, aber nicht die richtigen Worte gefunden, um deine Erfahrung genau zu benennen? Dann ist diese Liste feministischer Begriffe, die dir die Beschreibung deiner Erlebnisse erleichtern und dir Sicherheit geben, genau das Richtige für dich.
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Feministische Wörter: Begriffe, die dir den Rücken stärken

Feministische Wörter – braucht die überhaupt jemand? Die Antwort lautet auf jeden Fall: Ja.

Feminismus war 2017 das Wort des Jahres von Merriam Webster – eine Entscheidung, die nicht im geringsten überraschend kam. Dank der #MeToo-Bewegung und dem Women’s March on Washington war der Begriff in aller Munde, auch preisgekrönte Fernsehserien wie The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd und Big Little Lies – Große kleine Lügen hatten dazu beigetragen. Und dieses Phänomen ist nicht nur auf die USA beschränkt: Der Missbrauch von Frauen wurde kürzlich in der brasilianischen Seifenoper O outro lado do paraíso (wörtlich übersetzt „Die andere Seite des Paradieses“) thematisiert, die ein Millionenpublikum erreichte.

Doch was ist Feminismus überhaupt?

Es gibt viele Spielarten und Definitionen von Feminismus, grundsätzlich ist er jedoch eine Bewegung, die die Gleichstellung von Frauen und Männern fordert (also gleiche Bezahlung, gleiche Freiheit zur Selbstentfaltung und gleiche Sicherheit im öffentlichen Raum, um nur einige wenige Punkte zu nennen). Während Sexismus Frauen auf verschiedenste Weise unterdrückt, tritt der Feminismus dafür ein, genau diese Art der Unterdrückung zu entlarven und zu bekämpfen. Feministinnen und Feministen vertreten den Standpunkt, dass wir es selbst in der Hand haben, unser Handeln zu beurteilen und unsere Verhaltensmuster zu verändern.

Vor diesem Hintergrund haben wir für dich feministische Wörter gesammelt, die (hauptsächlich) von Frauen geschaffen wurden, um sexistisches Verhalten zu beschreiben. Es handelt sich jedoch nur um eine kleine Auswahl aus Dutzenden von Wortneuschöpfungen, mit denen Feministinnen ihre Erfahrungen benennen, denn es kommen beständig neue Begriffe dazu. Wer weiß, vielleicht kreierst ja du den nächsten!

Sechs feministische Wörter, die dir den Rücken stärken

Manterruption (man + interruption)

Dieser Ausdruck bezieht sich auf Vorfälle, wenn Männer Frauen unterbrechen und sie nicht ausreden lassen. Vielleicht liegt dir der Einwand auf der Zunge, dass schließlich alle Menschen unterbrochen werden können; das stimmt – allerdings wurde in Forschungen wiederholt nachgewiesen, dass Frauen wesentlich häufiger unterbrochen werden als ihre männlichen Kollegen. Nun gibt es genau dafür einen Ausdruck.

Mansplaining (man + explaining)

Der Grundgedanke hinter diesem Begriff wurde von der Autorin und Essayistin Rebecca Solnit in ihrem Buch Wenn Männer mir die Welt erklären perfekt auf den Punkt gebracht. Im ersten Essay des Buches erzählt Solnit die Geschichte, wie ein Mann ihr auf einer Party ein Buch erklären wollte, das sie selbst geschrieben hatte. Neben diesem zugegebenermaßen extremen Beispiel befasst sich das Buch mit der Tendenz mancher Männer, das Wissen von Frauen abzuwerten oder auch ganz in Frage zu stellen, indem sie ihnen Dinge erklären, über die Frauen besser Bescheid wissen als Männer. Dazu gehören auch Männer, die Frauen über Selbstverständlichkeiten belehren, wobei sie davon ausgehen, dass sie, weil sie Frauen sind, die Sache nicht wirklich verstehen können.

Bropriating (bro + appropriating)

Der Begriff bro bezieht sich in diesem Kontext einfach auf ein männliches Wesen – aber nicht positiv. Bropriating findet statt, wenn ein Mann sich eine Idee aneignet, die ursprünglich von einer Frau stammt, und die Lorbeeren dann für sich beansprucht. Vielleicht kennst du diese Situation aus Diskussionen in der Arbeit oder Schule, wenn ein Mann oder Junge einen Vorschlag von dir erst kritisiert und ihn dann nach ein paar Minuten selbst einbringt und ganz großartig findet. Ein klassischer Fall von Bropriating.

Gaslighting

Dieser Begriff bezieht sich auf den gleichnamigen Film Gaslight – Das Haus der Lady Alquist aus dem Jahr 1944. In diesem Film quält ein Mann seine Ehefrau emotional, indem er die Gaslampen in einem Zimmer langsam heller und wieder dunkler dreht und darauf besteht, sie sei verrückt, als seine Ehefrau die unterschiedliche Helligkeit bemerkt. Damit er ihr Erbe erhält, bezeichnet er sie so lange als verrückt, bis sie es selbst glaubt; heute ist „Gaslighting“ eine dokumentierte Manipulationsmethode. Beratungsstellen werten es als eine Form der emotionalen Gewalt – der meist Frauen zum Opfer fallen. Jedoch gibt es auch betroffene Männer.

Diese Art der Manipulation verfolgt das Ziel, das Opfer zu verwirren und abzuwerten, bis es seinem eigenen Urteil nicht mehr traut. In extremen Fällen kann das Gefühl eines totalen Kontrollverlusts über das eigene Leben entstehen. Typische Beispiele für Gaslighting sind Aussagen wie:

  • „Das hast du letztes Mal auch gedacht und hast damit falschgelegen.“
  • „Du machst nur ein großes Drama darum, es war nichts.“
  • „Du erfindest das.“

Slut-shaming

Dieser Ausdruck bezieht sich auf Menschen, die Frauen verurteilen, weil sie sich angeblich „wie eine Schlampe benehmen“. Meistens geht es darum, eine Frau herabzusetzen, die selbstbewusst genug ist, ihre Sexualität und ihren Körper frei auszudrücken. Selbstverständlich ist schon der Versuch an sich, für Frauen angemessenes Verhalten zu definieren, einschränkend und sexistisch.

Body-shaming

Wie beim Slut-shaming geht es auch beim Body-shaming darum, über eine Frau aufgrund der Eigenschaften ihres Körpers zu urteilen. Auch dies geschieht in der Regel, wenn eine Frau keine Probleme damit hat, ihren Körper zu zeigen. Von den Medien (und den sozialen Medien) ständig verstärkte Schönheitsideale fördern dieses Verhalten, da sie der Vorstellung Nahrung geben, dass nur bestimmte Körpertypen in unserer Gesellschaft Anerkennung und Akzeptanz finden.

Dies sind einige der derzeit beliebtesten feministischen Begriffe. Wenn du mehr feministische Wörter wissen möchtest, findest du hier eine ausführlichere (und mehr wissenschaftlich formulierte) Liste (auf Englisch).

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