Sprich Sprachen, wie du es schon immer wolltest

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„Moin Moin, Bisou Bisou“ – eine Ostfriesin in der Bretagne

Ein Reisebericht über Sprachbarrieren, französische Küsschen und Krabbenbrötchen

Artikel von: Kristin Lüpken

In einer multikulturellen Firma zu arbeiten birgt so einige Vorteile – vor allem, wenn es einem gelingt, sich die Freundschaft seiner Kollegen zu erschleichen. Dann kommt man in den Genuss von hausgemachten Tapas, echtem brasilianischen Cachaça und erstaunlichen, amerikanischen Süßigkeiten (im günstigsten Fall irgendeine Kombination aus Schokolade und salziger Erdnussbutter). Wenn man das Ganze dann noch auf die Spitze treibt, überzeugt man seine liebste französische Kollegin Pauline, einen mit zu sich nach Hause in die Bretagne zu nehmen. Und das obwohl man zugeben muss, dass die sieben Jahre Schulfranzösisch überraschend spurlos an einem vorbei gegangen sind.

Da wir uns bei der Arbeit kennengelernt haben sprechen Pauline und ich miteinander Englisch, obwohl Paulines Deutsch auch nicht von schlechten Eltern ist. Mein Französisch versteckt man in dem Zusammenhang lieber ganz hinten im Schrank. In Englisch bewegen wir uns auf ähnlichem Niveau, was besonders wichtig ist, wenn man, wie wir beide, einen Hang zum Anekdotenerzählen hat. In Sachen Humor trifft man sich besser auf vertrautem sprachlichen Terrain.

„Die raue See und salzige Luft verbindet – davon sind Pauline und ich überzeugt. Es war an der Zeit, den exakten Gischt- und Seitenwindstärkevergleich vor Ort durchzuführen.“

Neben einer Vorliebe für linguistische Blödelei verbindet uns aber außerdem das Meer. Während Pauline im Westen der Bretagne und damit in unmittelbarer Nähe des Atlantiks aufgewachsen ist, komme ich von der Nordsee aus Ostfriesland. Die raue See und salzige Luft verbindet – davon sind Pauline und ich überzeugt. Es war an der Zeit, den exakten Gischt- und Seitenwindstärkevergleich vor Ort durchzuführen.

Die Anreise war für mich schon ein kleines Abenteuer, da Pauline bereits eine Woche vor mir losgeflogen war. Mein Plan war, Freitags nach der Arbeit von Berlin nach Paris zu fliegen; vom Flughafen irgendwie zu einem Freund von mir zu finden, der zwar in Paris ansässig, aber gerade nicht zu Hause war; dort seiner Schatzkarte nach den Schlüssel zu finden, ohne die neugierige Concierge unnötig auf mich aufmerksam zu machen; um dann am nächsten Tag den Zug von Paris nach Brest zu nehmen, wo Pauline mich einsammeln würde.

Nachdem ich alle französischen Ressourcen im Büro in Bezug auf mögliche Ankomm-, Umsteig- und Verlorengeh-Szenarien in Paris befragt hatte, machte ich mich auf den Weg. Ich war von mir selbst überrascht, denn ich konnte den französischen Flugbegleitern mehr oder weniger folgen (zugegeben: die einhergehende Pantomime war eine willkommene Unterstützung), die Schilder lesen und ich fand auch ohne Probleme zu meiner Unterkunft. Vielleicht war mein Französisch doch besser, als ich dachte und schlummerte die ganze Zeit in meinem Unterbewusstsein – zusammen mit anderen noch unentdeckten Talenten, wie Stricken und Gedankenlesen.

„Ins Stocken kam ich nur beim Kauf eines Muffins, den ich im Überschwang „mühfiehn“ nannte und so überraschte Blicke erntete.“

Am Gare Montparnasse in Paris kaufte ich mir dann nonchalant un café et un croissant und im Rausch meiner unbegrenzten Möglichkeiten sogar une pomme für die nötige Vitaminzufuhr. Ins Stocken kam ich nur beim Kauf eines Muffins, den ich im Überschwang „mühfiehn“ nannte und so überraschte Blicke erntete. Nichtsdestotrotz war ich weitestgehend in meiner anfänglichen Annahme bestärkt, dass all mein Wissen zurückströmen und ich mich schon bald mit Pauline in existentialistischen Diskussionen über Sartre ergehen würde.

Als ich dann Paulines Eltern und Freunden begegnete, sah ich mich aber zunächst mit einem ganz anderen Problem konfrontiert: dem französischen Begrüßungskuss. Als Mädchen des kalten, deutschen Nordens begegnet man neuen Menschen meist mit weit von sich gestreckter Hand und erst nach besserem Kennenlernen mit einer Umarmung (Winken und Fingerpistolen sind nur für den absoluten Notfall reserviert). Nichts davon schien aber hier eine geeignete Option zu sein.

Paulines Eltern fanden mein anfängliches Zögern zum Glück eher amüsant als beleidigend und zogen mich von da an auf, indem sie mich immer betont höflich und nachdrücklich auf die nächste Kussoffensive vorbereiteten. Auch wenn ich mit der Zeit einige Übung bekam – spätestens wenn man einer ganzen Gruppe Franzosen begegnet, hat man die Küsschen rechts, Küsschen links-Sache irgendwann raus – so richtig in Fleisch und Blut geht das Ganze einfach nicht über.

Teil zwei des Problems war dann doch die Sprachbarriere, denn nur weil man souverän saftiges Obst bestellen und seinen eigenen Namen sagen kann, heißt das nicht, man kann mitdiskutieren wenn es um den französischen Arbeitsmarkt geht. Entgegen dem allgemeinen Vorurteil konnten Paulines Freunde beinahe alle Englisch sprechen. Aber so wie das ist, wenn alte Freunde sich nach langer Zeit wiedersehen, verfielen die Gespräche dann doch über kurz oder lang ins Französische. Mir blieb nicht viel anderes übrig, als eine Zigarette nach der anderen zu rauchen, an meinem Wein zu nippen und einen interessierten Eindruck zu machen.

Diese Erfahrung hat wohl jeder mal gemacht, den es aus irgendwelchen Gründen ins Ausland verschlagen hat – ob nun im Urlaub, während des Auslandsstudiums oder in einem anderen Zusammenhang. Sich verbal nicht mitteilen zu können, ist ein riesiges Hindernis und man vergisst häufig, was für eine große Rolle Kommunikation im sozialen Alltag spielt. Dabei ist nicht nur der Informationsaustausch wichtig, sondern auch was zwischen den Zeilen passiert. Gerade wenn man jemanden kennenlernen möchte, sind kleine Dinge wie ein Lächeln oder ein Kopfnicken an richtiger Stelle wichtig, um herauszufinden, ob man sich sympathisch ist, sich also im wahrsten Sinne des Wortes gut versteht.

Ich habe für mich viel aus meinem Urlaub in der Bretagne mitgenommen. Neben einer wiedererweckten Liebe für Fisch und Meeresfrüchte („Hmm… moules frites“) und dem Hang, im Supermarkt statt dem Vollkornbrot ein Baguette unter den Arm zu klemmen, habe ich auch die Motivation, an meinem Französisch zu arbeiten. Nicht zuletzt, da ich Paulines Freunde und Familie letztendlich doch gut genug kennenlernen konnte, um zu wissen, was mir alles entgangen ist. Erst mal muss ich allerdings Pauline nach Ostfriesland auf ein Krabbenbrötchen einladen und unter Beweis stellen, dass es bei uns tatsächlich die gleichen blauen Seemannspullover und gelben Regenjacken gibt. „Oui, bien sûr“ oder „Jo“, wie der Ostfriese sagt.

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