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Ein Fall für die Grammatik: als und wie – was benutzt du wann?

Nicht selten scheiden sich bei der Verwendung von als und wie die Geister. Höchste Zeit also, diesen Fall einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
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Ein Fall für die Grammatik: als und wie – was benutzt du wann?

Man könnte meinen, es gibt im alltäglichen Leben wichtigere Streitthemen als die deutsche Grammatik. Doch da irren wir uns. Wir haben im Deutschen oftmals verschiedene Möglichkeiten, ein und dieselbe Sache unterschiedlich auszudrücken. Bei solchen Zweifelsfällen scheiden sich tatsächlich die Geister. Höchste Zeit, mit den gängigsten Missverständnissen, Grenzfällen und Unsicherheiten unserer Sprache aufzuräumen! In diesem Artikel widmen wir uns daher einem beliebten – oder vielleicht weniger beliebten – Thema: als und wie.

Während manche mit Hingabe das kleine Wörtchen wie in allen Lebenslagen nutzen, sträuben sich bei anderen die Nackenhaare. Einige schlagen vor Schreck sogar die Hände über den Kopf zusammen und zischen ärgerlich zwischen zusammengepressten Zähnen: „Das heißt als und nicht wie!“

Was haben sie gemeinsam …

Doch was ist nun richtig? Bevor wir darauf zu sprechen kommen, wann was benutzt wird, wollen wir uns erst einmal anschauen, was beide Wörter gemeinsam haben. Das ist gar kein Hexenwerk und kann vereinfacht in einem Satz zusammengefasst werden: Man verwendet als und wie grundsätzlich, um zwei Sachen miteinander zu vergleichen.

 

… und was unterscheidet sie?

Worin besteht nun der Unterschied? Das ist in der Theorie ebenfalls nicht besonders schwer.

Das Wörtchen als wird verwendet, wenn beim Vergleichen etwas unterschiedlich ist. Das Wort wie beschreibt dagegen, wenn etwas gleich ist.

Lass uns das zusammen an einem Beispiel durchgehen: „Russisch ist schwerer als Englisch.“ Hier wird eine Ungleichheit ausgedrückt. Ganz anders sieht es bei dem folgenden Beispielsatz aus: „Dänisch ist genauso leicht zu lernen wie Schwedisch.“ Hier stehen die vergleichenden Objekte auf einer Stufe. Die Gleichheit verlangt demzufolge das kleine Wörtchen wie.

Grundsätzlich kann man sich merken, dass nach einem Komparativ das Wörtchen als folgt – also immer dann, wenn etwas größer, kleiner, schlechter oder leckerer ist. Auch nach den Wörtern „anders“, „nichts“ oder „umgekehrt“ folgt in der Regel als, da etwas ungleich ist: „Anders als bei der letzten Party sind viele Leute gekommen.“

Die perfekte Eselsbrücke für als und wie

Wenn dies immer noch etwas verwirrend ist, haben wir hier die perfekte Eselsbrücke für dich.

Guckt man sich das Wort als an, ist das „l“ größer als das „a“, also ungleich. Bei dem Vergleichspartikel wie sind alle Buchstaben auf der gleichen Höhe, es wird also bei Gleichheit verwendet.

Dieser Trick ist so einfach wie genial!

 

Aber halt, was ist mit als wie?

Auch hier ist die Antwort einfach: als wie gibt es nicht! Denn nichts kann zur selben Zeit gleich und ungleich sein, außer vielleicht in der Quantenphysik. Diese Variante ist in der Standardsprache demnach nicht gebräuchlich.

Wer sich nun aber fragt, warum der berühmte deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe in Faust I die folgenden Zeilen schrieb: „Da steh’ ich nun, ich armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor; …“, dem sei gesagt, es ist standardsprachlich immer noch nicht korrekt. Da nützt auch unser renommiertester Dichter nichts. Eine mögliche Erklärung für die Verwendung dieser Doppelung könnte darin liegen, dass Goethe aus Hessen kam und dort zur Zeit des Erstdrucks von Faust so gesprochen wurde.

Erst 1880 versuchte niemand geringeres als Konrad Duden mit seinem orthographischen Wörterbuch zur deutschen Sprache die deutsche Rechtschreibung zu vereinheitlichen und zu regeln. Darunter fällt dann auch unser Beispiel als und wie. Die Vorschläge von Konrad Duden wurden größtenteils auf der sogenannten Orthographischen Konferenz im Jahre 1901 angenommen.

Seitdem ist die deutsche Sprache normiert und es gilt: Im Zweifel immer für den Duden!

 

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