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Winterfeste & Adventsbräuche: Weihnachtliche Traditionen in Europa

Wenn in Europa die Weihnachtszeit anbricht, lässt sich die winterliche Kälte gleich viel besser ertragen. Den Beweis dafür liefern verschiedenste Traditionen, die wir dir heute vorstellen möchten!
Winterfeste & Adventsbräuche: Weihnachtliche Traditionen in Europa

Wenn man an die Weihnachtszeit denkt, wirkt der Winter plötzlich gar nicht mehr so deprimierend. Uns bei Babbel macht das sogar eher Lust aufs Entdecken neuer Adventsbräuche! In Europa gibt es nämlich zahlreiche schöne, herzerwärmende Traditionen, die so manchem die langen, harten Winter versüßen. Aber kennst du all diese Winterfeste und Traditionen?

Winterfeste: 🎅 Nikolaus

Illustrationen von Louise Mézel

Der Nikolaustag ist der erste richtige Feiertag der Vorweihnachtszeit und eines der beliebtesten Winterfeste in Europa, z. B. in Deutschland, den Niederlanden, Polen oder Nordostfrankreich.

In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember geht der Heilige Nikolaus von Tür zu Tür und bringt den Kindern Süßigkeiten. Die Adventsbräuche zum Nikolaus sind jedoch von Land zu Land etwas verschieden. Der Heilige Nikolaus wird oft von Knecht Ruprecht unterstützt, der Kinder bestraft, die nicht brav waren (Zwarte Piet auf Niederländisch oder Père Fouettard auf Französisch). In der Regel machen diese Helfer den Kindern jedoch eher Angst.

In Deutschland ist der Nikolaus bei den Kindern fast genauso beliebt wie der Weihnachtsmann. Am Abend des 5. Dezember stellen die Kinder ihre frisch geputzten Schuhe an einen gut sichtbaren Ort im Haus und hoffen, dass sie darin am Morgen Geschenke und Süßigkeiten finden! Natürlich gibt es umso mehr Schokolade, je größer der Schuh ist: Daher stammt auch die berühmte Tradition des Nikolausstiefels.

Auch in den Niederlanden wird die Figur von den Kindern sehnlichst erwartet: Sie heißt dort Sinterklaas (aus dem später im Englischen … Santa Claus wurde).

Wusstest du … dass die Legende von St. Nikolaus ursprünglich aus Lothringen kommt? Der Legende nach verirrten sich drei Kinder auf den Feldern zwischen Nancy und Metz und baten den Metzger Peter Schwartz (Pierre Lenoir) um Hilfe. Dieser tötete alle drei, zerlegte sie in Stücke und tat sie in einen Salzbottich, um daraus Pökelfleisch zu machen. Einige Zeit später kam der Heilige Nikolaus vorbei und bat den Metzger um Gastfreundschaft. Der Metzger stimmte zu, wusste aber, dass er bei seiner Tat erwischt wurde, als Sankt Nikolaus ihn um Pökelfleisch bat. Der Heilige Nikolaus erweckte die drei Kinder wieder zum Leben und bestrafte den Metzger. Die Legende besagt, dass er weglief, oder aber, dass er zum Knecht Ruprecht wurde!

Schräg, oder? Hier findest du weitere 11 bizarre Weihnachtstraditionen & Adventsbräuche weltweit.

🥨 Deutsche und elsässische Weihnachtsmärkte 

Illustrationen von Louise Mézel

In der Adventszeit, also in den vier Wochen vor Weihnachten, bereitet sich ganz Europa auf das Weihnachtsfest vor. Eine vor allem in Deutschland sehr fest verankerte Tradition, die mit Weihnachten ebenso zusammenhängt wie mit dem Nikolaustag, sind die Weihnachtsmärkte. Die ersten Märkte dieser Art fanden demnach im 14. Jahrhundert in Deutschland anlässlich des Nikolaustages statt.

Heutzutage unternehmen die Städte viele Anstrengungen, um immer größere und eindrucksvollere Märkte zu veranstalten. Dabei werden die jeweiligen Plätze geschmückt und beleuchtet; es wimmelt von Ständen, die alle möglichen Weihnachtsgeschenke und verschiedene kulinarische Spezialitäten verkaufen. Seit einigen Jahren sind die Weihnachtsmärkte fast schon zu Vergnügungsparks geworden mit Eislaufbahnen, verschiedenen Animationen und Riesenradfahrten.

In Frankreich ist der bekannteste Weihnachtsmarkt natürlich der in Straßburg. Er fand zum ersten Mal 1570 unter dem Namen Christkindelsmärik statt. Heute gibt es in der Stadt mehr als ein Dutzend Märkte, die über die verschiedenen Stadtteile verteilt sind, und jedes Jahr im Dezember kommen mehr als 2 Millionen Menschen in die Stadt!

Die schönsten Weihnachtsmärkte in Europa sind die in Nürnberg und Dresden und der in Fauquemont in den Niederlanden. Es gibt aber auch Weihnachtsmärkte in Wien, Prag, London oder sogar Florenz.

Wenn du einen Ausflug zu einem elsässischen Weihnachtsmarkt machst, solltest du auf jeden Fall die köstlichen Bredele probieren! Diese elsässischen Weihnachtsplätzchen teilt man am besten mit Familie und Freunden. Mit weihnachtlichen Gewürzen verfeinert, nehmen sie alle möglichen Formen an und sind bei Groß und Klein beliebt!

🌟 St. Lucia, die schwedischste aller Winterfeste

Illustrationen von Louise Mézel

Der 13. Dezember (Tag der alten Wintersonnenwende) ist in Schweden kein Tag wie jeder andere. Er markiert den Beginn der Adventszeit mit dem Fest der Heiligen Lucia: Sankta Lucia auf Schwedisch, oder einfach Lucia. Immerhin braucht man auch Winterfeste, während man auf Weihnachten wartet!

Dieser Adventsbrauch stammt ursprünglich aus dem Südwesten des Landes und wird bis nach Finnland und in die baltischen Staaten gefeiert. Damals fand diese Feier am Tag der Heiligen Lucia (der Vorname kommt vom lateinischen lux, was Licht bedeutet) statt, und man feierte den Beginn der wieder länger werdenden Tage.

Dieses schwedische Fest ist für denjenigen, die damit nicht vertraut sind, möglicherweise etwas ungewohnt. In jedem Dorf wird ein junges Mädchen ausgewählt, das die Heilige Lucia repräsentieren soll. Sie trägt dann ein langes weißes Kleid mit einem Gürtel aus rotem Stoff und hat einen Kranz aus Kerzen auf dem Kopf. Sie ist die Spitze der Prozession. Ihr folgen andere Mädchen in ähnlicher Kleidung und mit einer Kerze in der Hand, aber auch andere Kinder, die als Kobolde oder Rentiere verkleidet sind oder mit Sternen verzierte Hüte tragen.

Während der gesamten Dauer der Prozession wird gesungen; manchmal gehen die Kinder von Tür zu Tür und treffen sich schließlich wieder in der Kirche. Vor allem ein Lied wird zu diesem Anlass gesungen: ein neapolitanisches (ja, richtig gehört!) Lied mit dem Titel Santa Lucia.

Lichterfest von Lyon

Beim Lichterfest von Lyon in Frankreich wird ebenfalls das Licht gefeiert, allerdings aus einem ganz anderen Grund. 1852 sollte in Lyon am 8. Dezember eine Marienstatue feierlich eingeweiht werden. Die Behörden hatten Feuerwerkskörper, Blaskapellen und bengalische Feuer geplant. Doch als der Tag gekommen war, verschlechterte sich das Wetter und gefährdete die Durchführung der Feierlichkeiten. Schließlich besserte sich das Wetter und die Lyoner stellen Kerzen in ihre Fenster und beleuchten somit die ganze Stadt. Die lang ersehnte Einweihung fand schließlich in einer hell erleuchteten Stadt statt. Seit 1989 feiert die Stadt um den 8. Dezember (ein religiöser Feiertag, der „Maria Empfängnis” heißt) die Fête des Lumières: Vier Tage lang wird die Stadt mit Lichtinstallationen und Light Shows geschmückt. Märchenhaft!

Was feiert man eigentlich zum Jahresende in anderen Religionen? Entdecke 9 Winterfeste, die du wahrscheinlich nicht kennst.

🌲 Adventsbräuche in Norwegen

Illustrationen von Louise Mézel

Während in Frankreich zum Beispiel der Tannenbaum schon zu Beginn der Adventszeit in die Häuser kommt, läuft das in Norwegen etwas anders!

In Norwegen wie auch anderswo beginnt man bereits im November mit dem Aufstellen der Dekorationen: Kerzen, Girlanden usw. Die Weihnachtszeit ist eine der schönsten in Norwegen. Die gesamte Adventszeit ist übrigens geprägt von den julebord, kleinen Adventsfeiern, die von Firmen für ihre Mitarbeitenden organisiert werden und bei denen traditionelle Weihnachtsgerichte serviert werden.

Der Weihnachtsbaum hingegen wird erst am 23. Dezember, dem „kleinen Heiligabend“, geschmückt. An diesem Abend treffen sich die Familien, um gemeinsam den Baum zu schmücken, und um Lebkuchen zu backen oder den norwegischen Weihnachtsreis, den berühmten Risengrynsgrøt, zu kosten.

Das Lebkuchendorf in Bergen

Wenn du in Norwegen bist, solltest du unbedingt im Pepperkakebyen in der Stadt Bergen vorbeischauen. Es handelt sich um eine Stadt aus Lebkuchen und Weihnachtsplätzchen! Das Pepperkakebyen wird jedes Jahr von Kindern gebaut und lässt einen sofort in die Welt von Hänsel und Gretel eintauchen. Ein weihnachtliches Fest also, das auch den größten Feinschmecker:innen wärmstens zu empfehlen ist.

🥘 Heiligabend auf Polnisch

Illustrationen von Louise Mézel

Was das Essen an Heiligabend, Wigilia, betrifft, ist man in Polen ganz und gar nicht zimperlich. Und das aus gutem Grund: Es ist die wichtigste Zeit der Boże Narodzenie, der „Weihnachtsfeiertage“ auf Polnisch.

Zunächst einmal muss das polnische Weihnachtsessen aus zwölf fleischlosen Gerichten – so viele Gerichte wie Apostel – bestehen, die von der ganzen Familie zubereitet werden. Und wenn man die polnischen Adventsbräuche bewahren möchte, ist auch das Tischgedeck sehr wichtig. Man breitet ein großes, weißes Tischtuch aus, unter das etwas Heu oder Stroh gelegt wird. Diese rituelle Geste erinnert an das Stroh im Stall von Bethlehem, in dem das Jesuskind geboren wurde. Dann wird ein Tisch mit einem Gedeck mehr als die Anzahl der Gäste gedeckt, für den Fall, dass ein unerwarteter Gast kommt, oder als Erinnerung an einen verstorbenen Angehörigen.

Traditionell halten die Kinder am Abend des 24. Dezembers Ausschau nach dem ersten Stern am Himmel. Erst wenn er erscheint, kann sich die Familie endlich an den Tisch setzen. Wesołych Świąt! („Frohe Weihnachten!”)

Adventsbräuche in Frankreich: 🥧 Der Dreikönigskuchen

Illustrationen von Louise Mézel

Französ:innen scheinen irgendwie immer Hunger zu haben … Und immerhin ist das auch ein guter Grund, um verschiedenste Winterfeste und Adventsbräuche zu zelebrieren. Vielleicht wird deshalb in Frankreich den ganzen Januar über das Fest der Heiligen drei Könige gefeiert, bei dem vor allem ein Gebäck im Mittelpunkt steht: der Galette des Rois („Dreikönigskuchen”).

Im Christentum wird so die Ankunft der Heiligen Drei Könige beim Jesuskind gefeiert. Das Fest wird oft ab dem 6. Januar begangen.

Die Tradition des Dreikönigskuchens geht eigentlich auf eine alte Tradition aus der Antike zurück, bei der Sklaven Stücke des Kuchens ziehen mussten, um den „König des Tages“ zu bestimmen.

Einen ganzen Tag lang konnte dieser alles fragen, was er wollte. Am Ende des Tages kehrte er in sein Leben als Sklave zurück oder wurde sogar getötet. In früheren Zeiten symbolisierte der Kuchen die Geschenke der Heiligen Drei Könige und bleibt uns bis heute als eine der beliebtesten Adventsbräuche erhalten.

Heute ist es Tradition, den Kuchen, in dem eine Bohne versteckt ist, in Stücke zu schneiden. Dann kommt das jüngste Familienmitglied unter den Tisch und entscheidet, wer welches Stück bekommt. Die Person, die das Stück mit der Bohne erhält, wird dann zum König oder zur Königin und darf eine Krone tragen!

Wusstest du … dass, das Fest der Heiligen drei Könige wird in ganz Frankreich auf die gleiche Weise gefeiert wird, aber das Gebäck je nach Region verschieden ist. Im größten Teil Nordfrankreichs besteht der Kuchen aus zwei Blätterteigschichten die mit Mandelcreme bestrichen werden. In Südfrankreich genießt man stattdessen ein mit Orangenblüten aromatisiertes Brioche.

☀️ Das skandinavische Julfest

Das Julfest ist ein heidnisches Fest zur Wintersonnenwende, mit dem im skandinavischen Raum die Rückkehr des Lichts gefeiert wird, wenn der kürzeste Tag anbricht und die abnehmende Jahreshälfte zu Ende geht. In dieser Zeit wurde ein Holzscheit angezündet, um die Dunkelheit zu besiegen, böse Geister zu vertreiben und Glück für das kommende Jahr zu bringen.

Die Kelten glaubten, dass die Sonne in der Mitte des Winters zwölf Tage lang stillsteht, weshalb das Julfest 12 Tage dauert – von 21. Dezember bis 01. Januar. Die Sonne wurde als Rad gesehen, das die Jahreszeiten verändert. Man nimmt an, dass das Wort yule von dem Wort für „Rad” – houl – stammt. 

Heute werden viele der Bräuche des Festes sehr vertraut erscheinen, da sie in andere (Weihnachts-)Feiertage integriert wurden. So sind typische Farben für das Julfest Rot (für Menschen & Tiere, Leben und Liebe), Grün (für die Natur, Fruchtbarkeit & Hoffnung), Gold (für die Sonne).

Moderne Heiden feiern, indem sie einen Weihnachtsaltar mit goldenen, silbernen oder gelben Kerzen aufstellen, um die Sonne zu symbolisieren, und ihre Häuser mit immergrünen Kränzen, einem Weihnachtsbaum und einem Mistelzweig dekorieren. Unter vielen nordeuropäischen Weihnachtsbäumen steht heutzutage der „Julbock“, ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock.

Traditionelle Leckereien sind frisches oder getrocknetes Obst, Nüsse und Pilze. Julklapp nennt man kleine Geschenke, die originell verpackt und mit kleinen Versen versehen werden.

Das sind eine ganze Reihe guter Gründe, um in der Weihnachtszeit zu verreisen und diese herrlichen Adventsbräuche & Winterfeste vor Ort selbst zu erleben.

Feiere in verschiedensten Sprachen.
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Aline Franconnet
Aufgewachsen mit frischem Baguette und gesalzener Butter, zog Aline eines Tages los, um zu sehen, was jenseits der bretonischen Grenzen vor sich geht. Von Edinburgh nach Atlanta, über Lyon, Aix-en-Provence und Paris, ließ sie sich schließlich in Berlin nieder. Seitdem genießt sie den süßen Wahnsinn Berlins, indem sie ihre Strumpfhosensammlung und Bücher über Meditation und vegane Küche pflegt.
Aufgewachsen mit frischem Baguette und gesalzener Butter, zog Aline eines Tages los, um zu sehen, was jenseits der bretonischen Grenzen vor sich geht. Von Edinburgh nach Atlanta, über Lyon, Aix-en-Provence und Paris, ließ sie sich schließlich in Berlin nieder. Seitdem genießt sie den süßen Wahnsinn Berlins, indem sie ihre Strumpfhosensammlung und Bücher über Meditation und vegane Küche pflegt.

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