Wie Babbel Studierende beim Lernen während des ersten Lockdowns unterstützte

Babbel stellte während des Lockdowns kostenlosen Zugang zur App bereit
Student learns a language with Babbel

Die Corona-Pandemie hat die Bildungssysteme weltweit erschüttert: Auf dem Höhepunkt der Pandemie konnten 1,5 Milliarden Schüler*innen nicht am Unterricht teilnehmen. Zusätzlich zum psychologischen Stress und der Ungewissheit, die das Leben im Lockdown mit sich bringt, bedrohte die abrupte Schließung von Universitäten, Grundschulen und privaten Sprachschulen weiterhin Hunderte Millionen Lernende mit Lernausfällen und verpassten Bildungschancen. Als Anfang März 2020 landesweite Schulschließungen in Europa begannen, sah Babbel eine bedeutende Möglichkeit darin, den Lernenden in unseren wichtigsten Märkten zu helfen und so eine Lücke in ihrem Spracherwerb zu schließen. 

Als Anfang März 2020 die drohende Schließung von Schulen in den Medien diskutiert wurde, habe ich auf den Vorschlag des CEOs von Babbel hin überlegt, wie Babbel seinem Zweck gerecht werden und Lernenden in dieser schwierigen Situation helfen könnte. Italien war das erste europäische Land, das gezwungen war, Schulen zu schließen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Da in vielen anderen Ländern Schulschließungen drohten, schlug ich Babbels Management-Team vor, dass wir allen italienischen Schüler*innen mit einem einmonatigen Gutschein kostenlosen Zugang zu den Babbel-Sprachkursen anbieten.  Unser Ziel war es, die Lernenden zu unterstützen, indem wir ihnen ermöglichten, ihre Zeit in der Schließung produktiv zu nutzen und eine neue Sprache zu erlernen.  Das Pilotprojekt war so erfolgreich, dass wir dieses Angebot später auf bis zu 3 Monate in anderen Ländern ausweiteten. Schließlich wurden die Gutscheine für Schüler*innen und Student*innen in allen unseren Kernmärkten eingeführt, einschließlich Kanada, Lateinamerika, Frankreich, Spanien, Polen und den USA.

Da im Rahmen des Lockdowns auch bald der Hauptsitz von Babbel in Berlin geschlossen werden sollte, befanden sich meine Kolleg*innen und ich in einem Wettlauf mit der Zeit, um diese Kampagne als Reaktion auf die Schulschließungen in Italien und auf weitere bevorstehende Schulschließungen in anderen Ländern auf den Weg zu bringen. Die vielen beteiligten Teams – von der Marketingabteilung und dem Social-Media-Team bis hin zur IT- und Finanzabteilung – wussten, dass der Lockdown in Berlin unmittelbar bevorstand, und wir alle mussten uns auf die Bedingungen des Arbeitens von zu Hause aus einstellen. Obwohl dies anfangs einige Aspekte der Kommunikation erschwerte, trug der Zeitdruck sicherlich zu unserer Empathie für die Lernenden bei, die von ihren Schulen und Communitys abgeschnitten waren. Wir arbeiteten daher mit Hochdruck daran, die Gutschein-Kampagne so schnell wie möglich auf die Beine zu stellen und den Schüler*innen die Chance zu geben, weiterhin eine Sprache zu lernen.  Von der Konzeption bis zur Ausführung dauerte es nur fünf Arbeitstage bis die Kampagne in Italien startete. Diese Aktualität und Relevanz hat der Medienkampagne in Italien und weltweit sehr geholfen. Das Angebot wurde von tausenden lokalen Medien verbreitet, oft in Form von Berichten über kostenlose Bildungsangebote für Schüler*innen und Student*innen. Von da an dauerte es nur noch zwei Wochen, bis die Gutschein-Kampagne weltweit startete. Das bedeutet, dass von der ersten Idee bis zum Beginn der Kampagne in Italien nur vier Arbeitstage vergingen, und lediglich eine weitere Woche bis zur weltweiten Einführung der Kampagne. Italien, Deutschland und die USA waren die Länder, in denen die meisten Gutscheine eingelöst wurden.

Am Ende profitierten weltweit mehr als 200.000 Lernende von der Aktion. Mehr als 100.000 neue Nutzer*innen hatten die Chance, Babbel zum ersten Mal zu entdecken. Viele dieser Lernenden beschrieben in Kommentaren zu unseren Umfragen aus, wie ihre ersten Gespräche in der neuen Sprache ihr Leben verändert haben. Als Organisation lernte Babbel, dass interdisziplinäre Arbeitsgruppen unglaublich effektiv sein können, wenn sie ein klares Ziel und ein gut beschriebenes Problem haben, das es zu lösen gilt, und sie wenig von externen Ressourcen abhängig sind. Viele Student*innen sprachen davon, eine neue Sprache zu lernen, um in Zukunft Zeit im Ausland zu verbringen, sodass Babbel sie dabei unterstützte, ihre Ziele zu erreichen. Wir erhielten Tausende von Rückmeldungen von Lernenden, die sich für die Möglichkeit bedankten, die Zeit im Lockdown produktiv nutzen zu können. Mehrere von ihnen erwähnten, wie das Erlernen einer neuen Sprache ihnen half, mit Gefühlen der Angst und Einsamkeit umzugehen: 

“Ich sitze gerade in Norwegen fest, weil ich hierher geflogen bin, um bei meinem Freund zu bleiben, bevor COVID schlimm wurde, und sie stornieren ständig meine Rückflüge. Das war verständlicherweise sehr stressig, aber durch die kostenlose Nutzung von Babbel bin ich viel ruhiger geworden, was die Aussicht angeht, eine Weile hier zu bleiben. Ich habe soziale Ängste, aber ich habe den Mut gefunden, ein paar Wörtchen zu benutzen, wenn wir einkaufen gehen, und es ist schön zu sehen, dass mein Freund stolz auf mich ist, weil ich versuche, seine Sprache zu lernen.” — Bethany, Norway

Da ich bereits in der Vergangenheit an gemeinsam durchgeführten wissenschaftlichen Forschungsprojekten gearbeitet hatte, wusste ich, welche demografischen Informationen wir von den Lernenden erhalten konnten, die das Angebot angenommen haben: einen Überblick über ihre Motivation, ihr Geschlecht und, was aus Sicht eines Sprachwissenschaftlers am interessantesten ist, die Muttersprache der Lernenden und die anderen Sprachen, die sie sprechen. Ich wusste auch, dass wir ein Feedback über das Produkt und die Lernerfahrungen während der Pandemie bekommen konnten. Gemeinsam mit den Teams für didaktisches Design und Benutzererlebnis (UX Research) von Babbel entwickelte ich einen Umfrage, die uns einige Einblicke liefern und gleichzeitig den kostenlosen Zugang zu Babbel um einen weiteren Monat verlängern würde.  

Im folgenden Beitrag erläutert Nathalie Rzepka, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, ihre Analysen zum Lernverhalten der Lernenden während des Lockdowns und beschreibt, was dies über ihre Motivationen aussagen könnte, eine Sprache zu lernen.

Das Lernverhalten der Lernenden während des ersten Lockdowns

Graphiken und Analysen von Natalie Rzepka
Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin, Deutschland

Die Analyse der Umfragedaten gibt uns die Möglichkeit, mehr über die 16.000 User herauszufinden, die an der Aktion teilgenommen haben. Dabei war Einiges wie erwartet; Anderes hat uns im Rahmen der Analyse überrascht und wir haben versucht, Begründungen zu finden.

So haben wir zum Beispiel schnell gesehen, dass die meisten User Babbel genutzt haben, um Englisch zu lernen. Das überrascht zwar nicht, erstaunlich war aber, was neben Englisch noch gelernt wird. Denn unabhängig davon, aus welchem Land die Nutzer*innen kommen, die Häufigkeitsverteilungen der anderen Sprachen sind immer sehr ähnlich. Nach Englisch kommen Spanisch, Französisch und Deutsch. Die Sprachen Italienisch, Portugiesisch oder Polnisch werden hingegen seltener gelernt. Hier tanzen nur die Deutschen etwas aus der Reihe, die viel häufiger Spanisch und Polnisch lernen, als die anderen Nationen. Für Polnisch mag das an den vielen familiären Verbindungen liegen, die die Deutschen nach Polen haben.

Auch die Motivationen der Lernenden sind vielfältig. So wird oft für (anstehende) Reisen gelernt oder einfach nur aus purer Lust am Lernen und  Interesse an der Sprache. Weitere häufig genannte Gründe sind das mentale Training und die Karriere. Betrachten wir die Motivation nun in Verbindung mit der gelernten Sprache, können wir noch mehr entdecken. Wenn wir die Daten der Personen gegenüberstellen, die als Motivation Arbeit, Reisen oder Freunde/ Familie angegeben haben, dann sehen wir große Unterschiede. Für die Arbeit wird mit über 60% vor allem Englisch gelernt. Personen, die fürs Reisen lernen, verbessern mit Babbel ihre Spanischkenntnisse. Viele Sprachen werden auch gelernt, um Freunde oder Familie besser zu verstehen, wie zum Beispiel Polnisch.

Motivation und Lernsprache

Neben den Antworten, die die Nutzer*innen, in der Umfrage gegeben haben, haben wir auch die Aktivität in der Babbel-App gemessen. Wir sehen hier eine typische Kurve, die jeder wohl kennt, der etwas Neues beginnt. Erst wird die App sehr viel genutzt, dann flacht die Kurve aber wieder ab. Das liegt natürlich daran, dass einige User nach den kostenlosen Proben kein Abo abgeschlossen haben. Dennoch können wir auch hier sehen, dass die Motivation Einfluss auf die Beständigkeit des Lernens mit Babbel hat. So lernen Personen, die sich fitter für die Arbeitswelt machen wollen zwar zunächst am meisten, ebenso schnell stürzt die Kurve aber wieder nach unten. Besonders beständig lernen die Nutzer*innen hingegen für Ihre persönlichen Kontakte: hier wird selbst nach 9 Wochen noch im Schnitt 60 Minuten in der Woche geübt. Insgesamt am wenigsten Minuten verbringen die Personen mit dem Lernen, die lediglich aus Interesse die Babbel-App nutzen. Möglicherweise fehlt hier ein konkretes Ziel, um dabei zu bleiben. Auch der Motivationsgrund Reisen schneidet im Vergleich mit den anderen schlecht ab. Mag das daran liegen, dass die Chancen für große Reisen im Frühjahr 2020 sehr gering waren? Diese Hypothese ließe sich nur mit einem Vergleich mit Daten vor der Covid-19-Pandemie bestätigen oder widerlegen.

Minuten pro Woche und Motivation

Die Motivation der Nutzer*innen ändert sich auch mit dem Alter. So kann man mit steigendem Alter immer mehr User mit der Motivation „Arbeit“ finden. Der Höhepunkt ist bei den 35- bis 39-Jährigen, dann sinkt die Häufigkeit wieder. Die Motivation „Interesse“ verhält sich hingegen genau anders herum: während die Anzahl der User, die Arbeit als Motivation angegeben haben, steigt, sinkt die derer, die aus Interesse lernen. Sobald die Anzahl der Personen, die für die Arbeit lernen, wieder sinkt, steigt die Anzahl der Personen, die aus Interesse lernen. Der Motivator „Schule“ sinkt wie zu erwarten mit steigendem Alter und ist bei den unter 18-jährigen Usern am häufigsten.

Wir können also festhalten, dass alle Nutzer*innen ein individuelles Lernverhalten und verschiedene Gründe haben, um eine neuen Sprache zu lernen. Dennoch können wir Trends feststellen und mit Hilfe von Analysen unsere User besser verstehen.

Nathalie Rzepka ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Sie arbeitet derzeit im Forschungsprojekt “Learning Analytics und Diskriminierung”, in dem untersucht wird wie Diskriminierung nach Geschlecht, Alter, Herkunft oder Lerntyp durch den Einsatz von algorithmischen Auswertungen in digitalen Lernsystemen und -prozessen begünstigt oder verhindert werden kann. Parallel promoviert sie an der Humboldt Universität in Berlin und untersucht hier die Einsatzmöglichkeiten von digitalem und KI-basiertem Lernen.

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