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Was ist der Unterschied zwischen Übersetzen und Dolmetschen?

In beiden Berufen muss man Informationen von einer Sprache in eine andere übertragen – trotzdem sind Übersetzen und Dolmetschen nicht dasselbe.
Was ist der Unterschied zwischen Übersetzen und Dolmetschen?

Die Begriffe „Übersetzen“ und „Dolmetschen“ werden manchmal synonym verwendet, bezeichnen aber zwei verschiedene Tätigkeiten. Um die Antwort gleich mal vorweg zu nehmen: Beim Dolmetschen arbeitet man mit gesprochener oder Gebärdensprache, während man beim Übersetzen mit geschriebener Sprache arbeitet.

Das klingt zwar erstmal ziemlich ähnlich, aber dabei sind jeweils ganz unterschiedliche Fähigkeiten gefragt. Schauen wir uns die verschiedenen Arten von Übersetzen und Dolmetschen sowie die Besonderheiten der jeweiligen Tätigkeit einmal genauer an! 

Dolmetschen

Dolmetschende Fachkräfte müssen Informationen oft so schnell wie möglich von einer Sprache in eine andere übertragen. Sie werden gebraucht, wenn Menschen zusammenkommen, die unterschiedliche Sprachen sprechen. Wer in einer Gegend lebt, in der fast nur eine Sprache gesprochen wird, weiß manchmal gar nicht, wie wichtig dolmetschende Fachkräfte sind – ob in der Arztpraxis oder bei den Vereinten Nationen.

Dolmetschmethoden

Es gibt zwar keine offizielle Unterscheidung zwischen den unterschiedlichen Dolmetscharten, aber das hier sind einige der üblichsten.

Konsekutivdolmetschen

Beim Konsekutivdolmetschen sagt jemand etwas in einer Sprache, das direkt im Anschluss von der dolmetschenden Fachkraft übersetzt wird. Dabei müssen sich die dolmetschenden Personen normalerweise Notizen machen, während die Person spricht, um sich alles Gesagte zu merken. Das ist sehr hilfreich in Gruppenkonstellationen, weil Menschen, die eine der beiden verwendeten Sprachen sprechen, sie verstehen können, das Dolmetschen aber den Gesprächsfluss und das Tempo nicht beeinträchtigt.

Simultandolmetschen

Hierbei übersetzen die dolmetschenden Fachkräfte, während jemand spricht, also gleichzeitig. Diese Methode kommt oft zum Einsatz, aber ohne zusätzliche Technik (wie beim unten erklärten Telefondolmetschen) funktioniert sie nur in kleineren Gruppen. Sonst kann das zeitgleiche Sprechen von zwei Personen nämlich verwirren. Gebärdendolmetschen erfolgt fast immer simultan, weil Gebärden- und gesprochene Sprache nicht miteinander kollidieren.

Flüsterdolmetschen

Eine Unterart des Simultandolmetschens, bei der die dolmetschende Fachkraft leise – in der Regel für eine Person – übersetzt. Das Ganze soll so unauffällig wie möglich erfolgen.

Telefondolmetschen

Hier wird über ein Telefon bzw. Kopfhörer gedolmetscht, was für jede Menge Flexibilität sorgt. Die Vereinten Nationen haben ein sehr komplexes System für das Telefondolmetschen, durch das Menschen in den unterschiedlichsten Sprachen miteinander kommunizieren können.

Dolmetschfachgebiete

Neben den verschiedenen Methoden gibt es auch verschiedene Themengebiete, in denen dolmetschende Fachkräfte arbeiten. Es gibt unzählige Einsatzbereiche – hier ein paar der häufigsten.

  • Reisedolmetscher:innen: Es gibt unzählige Gründe, warum Menschen auf dolmetschende Fachkräfte zurückgreifen, wenn sie um die Welt reisen. Journalist:innen, Botschafter:innen und manchmal sogar Reisende, die es sich leisten können, nutzen dolmetschende Fachkräfte, um leichter mit anderen zu kommunizieren.
  • Medizindolmetscher:innen: Das Medizindolmetschen ist einer der wichtigsten Berufe überhaupt, denn es kann im wahrsten Sinne des Wortes über Leben und Tod entscheiden. Es geht dabei um effiziente Kommunikation zwischen Patient:innen und Ärzt:innen.
  • Gerichtsdolmetscher:innen: Auch in Gerichten werden dolmetschende Fachkräfte dringend gebraucht. Diese Profis müssen sich sehr gut mit juristischen Fachbegriffen auskennen.
  • Konferenzdolmetscher:innen: Nirgends kommen so viele Menschen aus aller Welt zusammen wie bei einer Konferenz. Deshalb werden dort oft Dolmetscher:innen eingesetzt, die in verschiedenen Sprachen arbeiten. Je nach Konferenz kann die Dolmetschtechnik – also Telefon-, Flüster oder Simultandolmetschen – variieren.
  • Gemeindedolmetscher:innen: auch Community Interpreters genannt, decken alle Dolmetschtätigkeiten in großen und kleinen Gemeinden ab. Sie werden an den unterschiedlichsten Orten eingesetzt, zum Beispiel in Rathäusern, bei NGOs, in Sozialverbänden und bei Pressekonferenzen. 

Übersetzen

Manchmal wird „Übersetzen“ als Oberbegriff verwendet, der das Dolmetschen einschließt. Eigentlich aber bezieht sich der Begriff auf Menschen, die mit geschriebener Sprache arbeiten. Einer der größten Unterschiede zwischen Übersetzen und Dolmetschen ist die Zeit: Normalerweise haben Übersetzer:innen mehr Zeit für ihre Arbeit (obwohl es auch hier knappe Deadlines gibt). Und auch wenn Lesen und Schreiben anders ist als Zuhören und Sprechen, ist das Ziel einer Übersetzung dasselbe wie beim Dolmetschen: Dinge und Botschaften in anderen Sprachen verständlich zu machen.

Übersetzungsmethoden

In diesem Artikel geht es zwar in erster Linie um Menschen, aber mittlerweile spielen Maschinen eine entscheidende Rolle im Übersetzungsprozess. Wenn wir in diesem Zusammenhang von „Methode“ sprechen, meinen wir vor allem, wie stark eine Übersetzung von Computern abhängt.

Menschliche Übersetzung

Das ist eine Übersetzung, bei der ein Mensch (fast) die gesamte Arbeit erledigt. Das heißt nicht, dass Übersetzer:innen keine technischen Tools nutzen (wobei ein zweisprachiges Online-Wörterbuch sicher keine Computerübersetzung generiert). Aber letztendlich ist es ein Mensch, der den übersetzten Text anfertigt.

Maschinelle Übersetzung

Wie du dir schon denken kannst, erledigt hier ein Computer die Arbeit. In den letzten Jahrzehnten hat sich diese Technologie rasant weiterentwickelt, trotzdem ist die maschinelle Übersetzung immer noch nicht perfekt – vor allem im Vergleich zu versierten übersetzenden Fachkräften.

Hybrid-Übersetzung

Die Hybrid-Form ist ein immer gängigerer Übersetzungsansatz, bei dem Mensch und Computer zusammenarbeiten. Oft wird dabei ein Text maschinell übersetzt und anschließend von einem Menschen überarbeitet, damit er natürlich klingt. Der Vorteil? Übersetzer:innen brauchen viel weniger Zeit. Aber bei komplizierten Texten mit vielen Idiomen, doppelten Bedeutungen oder Fachterminologie kann diese Methode die Arbeit auch erschweren.

➡️ Wusstest du, dass auch die meisten Päpste mehrsprachig sind?

Übersetzungsfachgebiete

Übersetzende Fachkräfte lassen sich in die unterschiedlichsten Kategorien unterteilen, je nachdem, was sie übersetzen. Religiöse Übersetzungen zum Beispiel können ein eigenes Fachgebiet sein, denn das Übersetzen von heiligen Texten ist eine umstrittene Angelegenheit. Am einfachsten lässt sich Übersetzung in zwei große Kategorien einteilen: Literatur- und Fachübersetzung.

Literaturübersetzung

Bei der Literaturübersetzung wird ein schriftliches Werk eines/einer Autor:in von einer Sprache in eine andere übertragen. Das können Essays, Romane, Kurzgeschichten, Gedichte oder jegliche andere Form von kreativem Schreiben sein.

Oft wird der Literaturübersetzung besondere Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie die übersetzende Fachkraft vor ganz besondere Herausforderungen stellt. Bei Literatur ist die Form manchmal genau so wichtig wie der Inhalt. Daher muss bei der Übersetzung entschieden werden, welche Merkmale eines Werks am wichtigsten sind und auf jeden Fall auch in der Zielsprache bewahrt werden müssen.

Stell dir vor, wie viele Fragen sich Übersetzer:innen stellen, wenn sie an einem Gedicht arbeiten: Wie wichtig ist es, dass die Übersetzung genau so viele Silben in jeder Zeile hat wie das Original? Muss sich das Gedicht reimen? Ergeben die Metaphern und Gleichnisse in der Übersetzung einen Sinn? Was ist mit all den anderen akustischen Stilmitteln wie Alliteration oder Assonanzen?

Literaturübersetzer:innen müssen sich immer bewusst machen, dass es so etwas wie die „perfekte Übersetzung“ nicht gibt. Vor diesem Hintergrund müssen sie entscheiden, welche Merkmale des Originaltextes am wichtigsten sind und in der Übersetzung unbedingt widergespiegelt werden müssen. Die logische Folge: Zwei Literaturübersetzer:innen werden niemals exakt dieselbe Übersetzung produzieren – manchmal sind Übersetzungen von ein und demselben Ausgangstext sogar grundverschieden. Streitereien über gute und schlechte Übersetzungen gibt es seit Tausenden von Jahren.

Angesichts all der oben beschriebenen Überlegungen müsste das Literaturübersetzen eigentlich als eigene Kunstform betrachtet werden. Und doch müssen Literaturübersetzer:innen für ihre wohlverdiente Anerkennung kämpfen; ihre Namen stehen nur selten in den Büchern, die sie übertragen. Oft erwarten die Menschen von Übersetzungen, dass die Arbeit dahinter quasi unsichtbar ist und ihnen einfach einen schön lesbaren Text liefert. Aber dabei spielen Literaturübersetzer:innen eine ganz entscheidende Rolle.

Fachübersetzen

Während Literaturübersetzung viel Aufmerksamkeit erhält, fällt die überwiegende Mehrheit der Übersetzungen unter den Begriff „Fachübersetzung“. Ziel dieser Übersetzungsart ist es, die Bedeutung so klar wie möglich von einer Sprache in eine andere zu übertragen. Zwar müssen sich Fachübersetzer:innen nicht so sehr mit stilistischen Fragen herumschlagen, aber das macht ihre Arbeit nicht zwangsläufig einfacher.

Bei allen Arten von Übersetzungen braucht man Fähigkeiten, die über reine Kenntnisse der verschiedenen Sprachen hinausgehen. Um als Fachübersetzer:in zu arbeiten, muss man ausgebildet sein und möglicherweise bestimmte Zertifizierungen haben. Und je nachdem, was übersetzt wird, können die Voraussetzungen anspruchsvoll sein. Es gibt zwar keine unqualifizierten Übersetzer:innen, aber in manchen Branchen ist spezielles Fachwissen erforderlich.

  • Juristische Übersetzung: juristische Dokumente und Texte im gerichtlichen Kontext (Heiratsurkunden, Verträge, Testamente, Prozessakten).
  • Rechtsübersetzung: juristische Texte außerhalb eines gerichtlichen Kontexts (Gesetzestexte, juristische Lehrbücher). Obwohl die Rechtsübersetzung eng mit der juristischen Übersetzung verbunden ist und ähnliche Fertigkeiten voraussetzt, werden beide Übersetzungsarten häufig getrennt behandelt.
  • Medizinische Übersetzung: medizinische Unterlagen, Rezeptinformationen, Berichte über klinische Studien usw. Medizinübersetzer:innen müssen (aus naheliegenden Gründen) sehr sorgfältig und genau arbeiten.
  • Wissenschaftliche Übersetzung: eine weitgefasste Übersetzungskategorie, die alle Arten von wissenschaftlichen Schriften abdeckt.
  • Finanzübersetzung: beinhaltet Bankdokumente, Steuerformulare und alles, was mit Geld zu tun hat.
  • Technische Übersetzung: Der Begriff „technische Übersetzung“ bezieht sich auf zwei unterschiedliche Dinge: Technische Übersetzer:innen arbeiten beispielsweise an Benutzerhandbüchern, Memos und Leitfäden für Menschen, die nicht unbedingt im technischen Bereich tätig sind, oder sie arbeiten an technischen Texten und IT-Dokumentation.

Wir könnten diese Liste noch endlos fortsetzen, denn Übersetzungen werden in unzähligen Branchen auf der ganzen Welt benötigt. Egal, in welchem Fachbereich Übersetzer:innen arbeiten: Sie müssen geschult darin sein, Informationen bestmöglich in verschiedenen Sprachen zu vermitteln.

Die Berührungspunkte zwischen Übersetzen und Dolmetschen

Zwischen Übersetzen und Dolmetschen gibt es bestimmte Schnittmengen. Beim Stegreifübersetzen beispielsweise liest jemand ein Dokument und dolmetscht es in Echtzeit laut in eine andere Sprache. Auch wenn es weniger dokumentiert ist, gibt es mit Sicherheit Fälle, in denen jemand umgekehrt auch gesprochene Sprache niedergeschrieben hat.

Die Grenzen zwischen beiden Begriffen sind also fließend, was durch Computer, die immer häufiger Übersetzungsarbeit leisten, nicht unbedingt klarer wird. Angenommen, ein Sprachassistenz-Tool übersetzt etwas für dich aus dem Englischen ins Spanische – ist das dann Dolmetschen? Wenn du eines aus dieser kleinen Übersicht mitnehmen kannst, dann die Tatsache, dass sowohl übersetzende als auch dolmetschende Fachkräfte eine ganz wichtige Rolle spielen, damit Menschen die Informationen, die sie brauchen, in einer Sprache verstehen können, die sie beherrschen.

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Thomas Moore Devlin
Thomas ist in einer Vorstadt in Massachusetts aufgewachsen und nach New York gezogen, um den krassen Kontrast zu erleben. Er hat Englische Literatur und Linguistik an der New York University studiert und die meiste Zeit seines Studentenlebens damit verbracht, für eine Studierendenzeitung namens Washington Square News zu schreiben. Deshalb ist er auch etwas pedantisch, was Textstandards angeht. In seiner Freizeit liest er gern und regt sich über Tweets auf.
Thomas ist in einer Vorstadt in Massachusetts aufgewachsen und nach New York gezogen, um den krassen Kontrast zu erleben. Er hat Englische Literatur und Linguistik an der New York University studiert und die meiste Zeit seines Studentenlebens damit verbracht, für eine Studierendenzeitung namens Washington Square News zu schreiben. Deshalb ist er auch etwas pedantisch, was Textstandards angeht. In seiner Freizeit liest er gern und regt sich über Tweets auf.

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