Wie bereitet man Mate Tee zu? Rezepte aus verschiedenen Regionen Argentiniens

In Deutschland kennen wir den Mate Tee vor allem in allen möglichen Limo-Varianten. Hier erzählt die eine echte Argentinierin, was aber den traditionellen Mate Tee tatsächlich ausmacht und wie du ihn selbst am besten zubereiten kannst, um die kühlen Wintertage aufzuwärmen.
Artikel Von Gretel Müller
15/03/2020
Wie bereitet man Mate Tee zu? Rezepte aus verschiedenen Regionen Argentiniens

Eine Frage, die viele Reisende in Argentinien umtreibt, ist: Wo und wann trinken Argentinierinnen und Argentinier für gewöhnlich Mate? Die Antwort ist recht simpel: Wo und wann immer es geht! Wir trinken Mate im Auto, im Büro, am Strand, in den Bergen, auf öffentlichen Plätzen, in der Uni – kurz: überall, wo sich ein Schlückchen heißes Wasser organisieren lässt. Was Mate jedoch von anderen Heißgetränken wie Tee oder Kaffee unterscheidet, ist, dass Argentinierinnen und Argentinier Mate niemals in einer Bar oder im Café trinken würden. Dieses Getränk wird eigentlich nicht verkauft, und wenn es doch mal auf einer Speisekarte stehen sollte, dann ausschließlich für Touristen.

Mate Tee – ein Trinkritual unter Freunden

Mate trinkt man eigentlich so gut wie nie allein. Okay, ich muss zugeben: Genau in diesem Moment, indem ich diese Zeilen hier schreibe, nuckel ich allein an meiner Mate, genau wie in den vielen durchgemachten Nächten während meines Studiums. Aber eigentlich ist Mate nicht nur ein Getränk, sondern ein Gemeinschaftsritual. Heute kaum mehr gebräuchlich, so gab es früher sogar eine eigene Sprache, die während des Trinkens verwendet wurde.

Zum Genuss von Mate gehört auch das immer wieder neue Aufgießen von Wasser, was man im Mate-Kontext als cebar („heizen, aktivieren“) bezeichnet. Wenn du den Mate zubereitest, dann wirst du zum cebador oder zur cebadora (zu Deutsch in etwa „Aufbrüher“ oder „Aufbrüherin“ ). Das bedeutet, dass sich unter keinen Umständen jemand trauen wird, die Thermoskanne (el termo) oder den Wasserkessel (la pava) an sich zu nehmen, um sich eigenständig neu aufzugießen. Du bist dann der oder die einzige, die in der Runde das Recht dazu hat.

Das bedeutet aber auch, dass du für den herumgereichten Mate verantwortlich bist und dich alle entweder loben oder kritisieren:

„Der Mate ist etwas kalt“, „Ein bisschen zu schwach, oder?“, „Oh, mit Schaum und allem, lecker!“

So oder ähnlich könnten die Kommentare lauten – aber komme, was wolle, du bist solange für den Mate verantwortlich, bis das Wasser leer ist. Goldene Regel, die du unbedingt beachten solltest: Es wird immer reihum (en ronda) getrunken! Du kannst zum Beispiel nicht zwei Mal hintereinander trinken, ebenso wenig ist es erlaubt, den Mate einfach jemandem zu geben, der gar nicht dran ist. Jeder muss geduldig warten, bis er wieder an der Reihe ist. Wenn jemand gracias („danke“) sagt, bedeutet das nicht etwa, dass er sich für das leckere Getränk bedankt, sondern, dass er nichts mehr trinken will und aus der Runde ausscheidet.

Du musst dir also dessen bewusst sein, dass du, zumindest in Argentinien, als cebador oder cebadora für die ganze Gruppe verantwortlich bist. Und bestimmt wirst du schnell merken, dass „Che, tomemos unos mates“ („Lass uns doch mal Mate trinken“) viel mehr bedeutet, als zusammen Tee zu trinken: Es drückt Vertrauen und Freundschaft aus und impliziert lange Gespräche.

Bereit für deinen eigenen Mate Tee? Hier kommt das Rezept

Zutaten

  • Yerba (Mateblätter)
  • Wasser
  • Thermoskanne oder Wasserkessel
  • Mate (Trinkgefäß aus ausgehöhltem Flaschenkürbis)
  • Bombilla de mate (Trinkhalm aus Metall mit Sieb am unteren Ende)
  • Für die besondere Geschmacksnote: Zucker, verschiedene Kräuter (yuyitos), Schale von Zitrusfrüchten (nach Belieben)

Zubereitung Schritt für Schritt

  1. Erhitze Wasser, aber nicht so, dass es kocht, sonst „wäscht“ du die Mateblätter beim Aufgießen aus. „Mate auswaschen“ (auf Spanisch lavar el mate) bedeutet, dass die Yerba aufgrund von zu heißem Wasser oder zu langem Gebrauch ihren Geschmack verliert und das Aufgussgetränk nur noch wie heißes Wasser schmeckt.
  2. Nimm unterdessen das Mate-Trinkgefäß und fülle es zu ¾ mit Yerba. Decke die Öffnung mit einer Hand ab und schüttle das Gefäß, um das feine Pulver vom gröberen Rest zu trennen. Du wirst sehen, dass deine Handfläche jetzt voller grünem Pulver ist, das entfernt werden sollte, da es das Getränk bitterer macht.
  3. Halte das Gefäß mit der übrigen Yerba etwas schräg, damit sie auf eine Seite rutscht. Gieße etwas lauwarmes oder kaltes Wasser an die Stelle, wo am wenigsten Blätter liegen liegen um zu verhindern, dass die sie verbrannt werden.
  4. Wenn das Wasser versickert ist, nimmst du die Bombilla, hältst die obere Öffnung mit dem Daumen zu und steckst sie wie einen Löffel in die befeuchtete Stelle.
  5. Bevor du nun das heiße Wasser aufgießt, kannst du noch Zucker, Kräuter oder Zitrusschalen hinzufügen, die du ebenfalls auf der befeuchteten Stelle drapierst. Gieße nun immer an der Stelle auf, in der die Bombilla steckt, jeweils immer nur ein wenig, sodass nicht alles mit Wasser bedeckt ist. Der erste Mate-Aufguss wird weggekippt, er ist zu kalt und seeehr bitter. Erst der zweite Aufguss wird auch wirklich getrunken. Es ist Brauch, dass der cebador oder die cebadora den Anfang macht und anschließend die Runde eröffnet wird.

Sag mir, was du in deinen Mate machst, und ich sage dir, woher du kommst …

Keine feste Regel, jedoch sehr gebräuchlich ist das Hinzufügen von Aromaträgern wie Minze, geriebenen Wurzeln, Zucker, Honig oder anderen Kräutern. Was genau verwendet wird, hängt auch von der jeweiligen Region ab. So kann ein porteño (Einwohner von Buenos Aires) seinen Mate natürlich auch mit Organenschalen oder Honig trinken, jedoch stammt diese Zubereitungsart ursprünglich aus anderen Regionen des Landes. Hier sind einige der bekanntesten Zubereitungsarten:

  • Mate mit Honig: Diese Kombination ist sehr typisch für die Region Santiago del Estero, eine gute Möglichkeit, um Industriezucker zu vermeiden.
  • Mate mit Zitronenstrauch (cedrón) und Kamille (manzanilla): Diese Kräuter sind charakteristisch für den Norden Argentiniens. Sie sind gut für die Verdauung und beugen Sodbrennen vor.
  • Mate mit argentinischer Minze (burrito), Zitronenstrauch, Minze, Minthostachys (peperina) oder Orangenschale: Diese Aromaträger sind eher typisch für das Landesinnere und haben ebenfalls einen positiven Effekt auf die Verdauung.
  • Mate mit Milch: Bisher habe ich nur ältere Menschen gesehen, die diese Variante getrunken haben. Soll sehr bekömmlich sein, mein Fall ist es eher nicht.
  • Mate mit Zucker: Mate mit Zucker ist häufig im Raum Buenos Aires zu finden, aber auch im Rest des Landes trinkt man Mate gern auf diese Weise. Fundamentalistische Mate-Trinkende sind von diesem Zusatz alles andere als begeistert, aber letztendlich lässt sich ja über Geschmack nicht streiten.
  • Kalter Mate mit Wasser oder Saft: Diese Variante nennen wir Tereré, sie ist vor allem in den Küstengebieten, an der Grenze zu Paraguay und in Paraguay selbst sehr verbreitet. Gegen unerträgliche Sommerhitze gibt es kein besseres Rezept als einen Schluck eisgekühlten Tereré. Zur Zubereitung kann man kaltes Wasser, Fruchtnektar, Zitronenwasser oder sogar Guaranálimonade, wie ich es einmal probiert habe, verwenden. Jedem, der gerne einmal das pure Glück in flüssiger Form probieren möchte, kann ich diese Variante nur empfehlen!
  • Bitterer Mate: Die klassische und häufigste Zubereitungsart im Süden Argentiniens. Wegen des rauen und kalten Klimas trinkt man den Mate in Patagonien oft sehr heiß.

Nach dieser kleinen Einführung in die Welt der Mate-Kultur bist du nun bereit, Mate selbst einmal zu probieren und ihn dir ganz nach deinem Gusto zuzubereiten. Für welche Variante entscheidest du dich?

Lerne eine neue Sprache und entdecke die kulinarischen Köstlichkeiten und Kultur anderer Länder!
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Gretel Müller
Gretel ist Werbefachfrau und Journalistin. Sie kam in Buenos Aires auf die Welt, verbrachte ihre Jugend in Patagonien und kehrte mit 18 Jahren nach Buenos Aires zurück, um Kommunikationswissenschaften zu studieren. Sie veröffentlichte bereits Artikel zu gesellschaftlichen und kulturellen Themen. Momentan ist sie Mitglied einer akademischen Forschungsgruppe zu Popkultur, Gender und Fanatismus. In ihrer Freizeit ist sie gerne frei.
Gretel ist Werbefachfrau und Journalistin. Sie kam in Buenos Aires auf die Welt, verbrachte ihre Jugend in Patagonien und kehrte mit 18 Jahren nach Buenos Aires zurück, um Kommunikationswissenschaften zu studieren. Sie veröffentlichte bereits Artikel zu gesellschaftlichen und kulturellen Themen. Momentan ist sie Mitglied einer akademischen Forschungsgruppe zu Popkultur, Gender und Fanatismus. In ihrer Freizeit ist sie gerne frei.

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