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Ehrenamtlicher Sprachunterricht – wie kannst du ihn gestalten?

Ehrenamtlicher Sprachunterricht interessiert dich – aber wo sollst du anfangen? Wir geben eine kurze Einführung in das Thema.
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Ehrenamtlicher Sprachunterricht – wie kannst du ihn gestalten?

Ehrenamtlicher Sprachunterricht ist in den letzten Jahren zum großen Thema geworden. Viele Geflüchtete und Zugewanderte sind nach Deutschland gekommen. Mit zu wenig offiziellen Integrationskursen liegt es jedoch oft in den Händen der Freiwilligen, den Neuankömmlingen wenigstens ein paar deutsche Sprachkenntnisse zu vermitteln. Ehrenamtlicher Sprachunterricht ist nicht immer einfach – sowohl emotional als auch methodisch. Wir geben dir eine kurze Einführung in das Thema.

 

Ehrenamtlicher Sprachunterricht interessiert dich – aber wo anfangen?

Zu Anfang gibt’s gleich gute Nachrichten: Wenn du jetzt ins Ehrenamt mit Geflüchteten einsteigen willst, musst du das Rad nicht neu erfinden. Schau dich nach örtlichen Organisationen um, die bereits in diesem Bereich tätig sind. Wenn du dich in ihre Angebote einfügen kannst, macht dir das die Sache schon deutlich leichter.

 

Erste Schritte für den eigenen Sprachunterricht

Schritt 1: Werde dir deiner eigenen Grenzen und externen Einschränkungen bewusst

Nicht alle, die Deutsch können, können auch Deutsch unterrichten. Nicht umsonst eignen sich Sprachlehrkräfte ihr Wissen in einem mehrjährigen Studium im Fach Deutsch als Fremdsprache an. Darum solltest du in deiner Arbeit mit Geflüchteten ganz bewusste Grenzen ziehen und deinen ehrenamtlichen Sprachunterricht vom Unterricht mit ausgebildeten Lehrkräften abgrenzen. Trotzdem kannst du als ehrenamtliche Unterstützung eine wichtige Rolle im Integrationsprozess einnehmen: Du kannst Geflüchteten erste positive Kontakte mit der deutschen Sprache ermöglichen und wichtige Grundlagen für den Alltag vermitteln!

Neben Qualifikationen gibt es beim ehrenamtlichen Sprachunterricht auch rein praktische Einschränkungen. Unterrichtest du neben der Arbeit oder dem Studium? Steht dir ein Unterrichtsraum zur Verfügung? Wie sieht es mit Lernmaterialien aus: Müssen deine Kursteilnehmenden ihre eigenen Lernmaterialien mitbringen oder stellst du oder eine Organisation sie zur Verfügung? Wie wird alles finanziert: Gibt es ein Spendenkonto oder muss erst ein Sponsoring organisiert werden, zum Beispiel durch Spenden von Unternehmen oder durch Fundraising-Events wie Sammlungen, Flohmärkte oder Lernpatenschaften?

Nur, wenn du dir allen Bedingungen bewusst bist, kann du dir einen realistischen Plan machen, damit dein ehrenamtlicher Sprachunterricht zum Erfolg wird.

 

Schritt 2: Bekomme ein Gefühl dafür, wer in deiner Lerngruppe ist

In deiner Lerngruppe werden höchstwahrscheinlich erwachsene Geflüchtete sitzen – Kinder fallen unter die Schulpflicht und lernen in der Schule Deutsch. Auch anerkannte Flüchtlinge wirst du wahrscheinlich nicht unterrichten, denn sie haben einen Anspruch auf einen Integrationskurs mit einhergehendem Deutschkurs. Ehrenamtlicher Sprachunterricht wird also meist von Asylbewerbern wahrgenommen, über deren Antrag noch entschieden wird, oder die noch keinen Antrag gestellt haben. 

Da hören die Gemeinsamkeiten oft bereits auf. Neu Angekommene oder Asylbewerber, die bereits seit mehreren Monaten auf ein Asylverfahren warten, bilden eine sehr heterogene Gruppe. Sie sprechen verschiedene Muttersprachen oder (wie im Fall von Arabisch) verschiedene Dialekte, die stark voneinander abweichen können. Manche sind gut ausgebildete Fachkräfte, andere sind nur wenige Jahre oder gar nicht zur Schule gegangen und haben wenig formale Bildung genossen. Manche können schon etwas Deutsch, andere eine weitere indoeuropäische Sprache wie beispielsweise Italienisch, oder das, was sie bereits in Europa aufgeschnappt haben. Manche können das lateinische Alphabet, andere sind in gar keiner Sprache alphabetisiert. Genauso unterschiedlich wie die Menschen selbst sind auch die Erwartungen an den Sprachkurs und die Gefühle, die mitgebracht werden. Sei dir dessen bewusst und sprich mit anderen Freiwilligen oder Fachkräften, wenn du Hilfe zu Beginn deines Unterrichts benötigst. Unser Tipp ist es, dass du erst einmal die Gruppe etwas kennenlernst, um besser zu wissen, ob du sie eventuell nach Interessen und Sprachkenntnissen aufteilen möchtest.

Für uns, die in einem Land mit Schulpflicht ausgewachsen sind, ist es oft auch schwer vorstellbar, wie es ist, keine formale Bildung gehabt zu haben. Manch eine oder einer ist keine Schulumgebung gewohnt. Es kann für sie schwer sein, sich über einen längeren Zeitraum auf den Unterrichtsstoff zu konzentrieren oder mitzuschreiben, weil die Schreibbewegung für sie ungewohnt ist und ihnen Schmerzen verursacht. Auch verschiedene Aufgaben- und Übungsformate können den Kursteilnehmenden erst einmal fremd sein. Lückentexte, Lieder oder Rollenspiele nehmen wir als normalen Teil des Sprachunterrichts wahr; für Menschen aus anderen Kulturen sind diese Übungsformen vielleicht aber gar nicht selbsterklärend. Wenn es mal stockt, nimm das nicht als persönlichen Kommentar, sondern reflektiere, was du verbessern kannst. Ehrenamtlicher Sprachunterricht beruht auf Einfühlungsvermögen, Respekt und Geduld. Auf der anderen Seite besteht auch die Gefahr, erwachsene Menschen wie Erstklässler zu behandeln: Nimm also deine Klasse stets ernst! Halte dir in Erinnerung, dass eine fehlende Bildung nichts mit dem Reifegrad oder der Intelligenz des Menschen selbst zu tun hat.

 

Schritt 3: Finde ein Kurskonzept

Nun, da du weißt, wer deine Kursteilnehmenden sind und welche Erwartungen sie an den Kurs haben, kannst du dein Kurskonzept dementsprechend gestalten. Soll es ein Kurs mit festen Gruppen sein oder ein Zusammenkommen mit unregelmäßigen Besuchen? Soll es ein Konversationskurs sein oder hilfst du beim Ausfüllen von Anträgen? Geh sicher, dass du und deine Kursteilnehmenden auf einer Wellenlänge sind, wie oft und auf welche Art ihr zusammenkommt und welche Verpflichtungen – etwa regelmäßiges Erscheinen, Absagen bei Nichterscheinen oder das Erledigen von Hausaufgaben – sie beim Kurs haben.

 

Schritt 4: Bereite deine Unterrichtsmaterialien vor

Behalte bei der Vorbereitung des Kursmaterials immer in Erinnerung, dass die Teilnehmenden in deiner Gruppe Deutsch aus einer Notwendigkeit heraus lernen – ganz anders, als du vielleicht Englisch oder eine andere Sprache in der Schule gelernt hast. Als Kursinhalte sollten alltägliche Themen gewählt werden: einkaufen, nach dem nächsten Bus fragen oder Formulare ausfüllen.

Für die Arbeit mit Geflüchteten, die wenig Lernerfahrung haben, empfiehlt sich ein Vor- oder Einstiegskurs.

Kostenlose Lernmaterialien für den ehrenamtlichen Sprachunterricht gibt es außerdem hier:

Wir wünschen dir viel Erfolg und neue Begegnungen bei deinem ehrenamtlichen Sprachunterricht.

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