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Do you speak Emoji?

Emojis machen Spaß und bringen in E-Mails und beim Chatten Gefühle besser herüber. Aber ist das alles? Oder werden Emojis bald zur Universalsprache?

Artikel von: Ryan Eyers

Für manche Leute sind Emojis (wörtlich übersetzt „Bild-Zeichen“) die neueste Schriftsprache der Welt. Gleichzeitig können sie aber auch als Rückschritt zu einer prähistorischen Kommunikationsweise gesehen werden. Schließlich hat die Menschheit schon lange über bildhafte Darstellungsweisen kommuniziert, bevor es die Schriftzeichen gab, mit denen ich dich gerade anspreche. Sind Emojis also universeller und werden mithilfe der wachsenden Bedeutung des Internets sprachliche Grenzen überwinden können? Oder geben sie nur noch mehr Anlass zu Missverständnissen?

Während Emojis erst in den letzten Jahren auf der weltweiten Bildfläche erschienen sind, werden sie in Japan schon seit den späten 90er Jahren verwendet. Ursprünglich wurden sie entwickelt, um Mobilfunkanbieter für Jugendliche attraktiver zu machen. Auch wenn du keine Emojis benutzst, kennst du wahrscheinlich trotzdem die „guten, alten“ Emoticons, also jene Stimmungs- oder Gefühlszustände wie :-) oder :-(, die aus ASCII-Zeichen gebildet werden. Sie waren zusammen mit Kaomojis, japanischen Emoticons, die ganz neue typographische Welten eröffnet haben (zum Beispiel __φ(..) für „schreiben“), an der Entstehung der Emojis beteiligt. Durch die große Beliebtheit der sozialen Netzwerke ist im Kontakt mit Freunden und Familie die schriftliche Kommunikation immer wichtiger geworden. Und um hierbei bestimmte Kontexte und vor allem Gemütszustände besser ausdrücken zu können, sind Emojis und Emoticons besonders hilfreich. Das Besondere an Emojis ist jedoch ihre große Auswahl. Während für Emoticons nur eine begrenzte Anzahl an Satzzeichen zur Verfügung steht und Kaomojis eher esoterische Symbole abbilden, bieten Emojis weit mehr Ausdrucksmöglichkeiten und sind außerdem viel benutzerfreundlicher.

Vor Kurzem hat die Tastatur-App-Firma SwiftKey basierend auf Nutzerdaten zwei Berichte über die Verwendung von Emojis veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Beliebtheit verschiedener Emojis stark vom jeweiligen kulturellen und sprachlichen Kontext abhängt. Während sich manche Vorlieben mit nationalen Stereotypen decken – Australier benutzen im Vergleich zum durschnittlichen Nutzer doppelt so viele Emojis, die mit Alkohol zu tun haben, und Nutzer des französischsprachigen Raums verwenden vier Mal mehr Herzchen-Emojis – sind einige Ergebnisse ziemlich überraschend: Hättest du gedacht, dass englischsprachige Kanadier einen besonderen Hang zu gewalttätigen Emojis haben? Diese Unterschiede in der Verwendung von Emojis weisen darauf hin, dass die Ideogramme genauso anfällig für Fehlinterpretationen sind wie Wörter – besonders, da Bedeutungen je nach Kultur und Sprache stark variieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist das relativ unmissverständliche 😊 im Gegensatz zu 💩. Und was passiert, wenn mehrere Sprachen beteiligt sind? Hierzu habe ich ein paar mehrsprachige Emoji-Fans nach ihrer Meinung gefragt.

Mika ist in einem japanischsprachigen Haushalt in den USA aufgewachsen und hat zehn Jahre lang in Neuseeland gelebt, bevor sie nach Tokio gezogen ist. Sie ist sehr offen für neue Kommunikationsweisen und verwendet Emojis, um Gefühle auszudrücken, die man „schwer in Worte, aber leicht in Emojis fassen kann“. Zum Beispiel kann 👯 je nach Kontext für Feiern, große Freude oder „eine Art leichtfertige Unbekümmertheit“ stehen. Michelle – die aus Patagonien stammt, in Berlin lebt und im Alltag Spanisch, Englisch und Deutsch spricht – geht es ähnlich: Für sie ist die Verwendung von Emojis anstatt Wörtern „ein effizienterer Weg, um einer Nachricht mehr Bedeutung zu verleihen“. Ihre Emojis haben oft „Bedeutungen, auf die man sich vorher geeinigt hat und die überhaupt nicht darauf abzielen, den Inhalt des geschriebenen Texts zu verdeutlichen“. 🌚 hat beispielsweise in Aussagen wie „okay 🌚“ nichts mit dem Thema Mond zu tun. Michelle verwendet es, um auszudrücken, dass sie von einer Sache die Nase voll hat. Ebenso kann ein Emoji auch eine spezielle Bedeutung innerhalb einer bestimmten Nutzergruppe gewinnen – in Michelles Freundeskreis ist 💀 eine Abkürzung dafür, dass man einen besonders schlimmen Kater hat.

Während Mika der Ansicht ist, dass sie Emojis auf Japanisch und Englisch ähnlich verwendet, stellt Michelle eindeutig einen Unterschied zwischen den Sprachen fest: Sie verwendet Emojis auf Spanisch mehr als auf Englisch und viel mehr als auf Deutsch, was nach Michelles Meinung aber eher mit der Vertrautheit der Gesprächspartner als dem sprachlichen oder kulturellen Kontext zu tun hat. Interessanterweise erfüllen Michelles Emojis auch je nach ihrem Sprachlevel unterschiedliche Funktionen: Auf Deutsch, was sie erst seit zwei Jahren lernt, „füllen Emojis Lücken für bestimmte Nuancen, die sich beim Nachrichtenschreiben nicht so schnell ausdrücken lassen“ – sie verwendet Emojis auf Deutsch in einer „eher erklärenden Funktion“ und gebraucht sie damit auch „traditioneller“. Auf Spanish und Englisch, was Michelle beides fließend spricht, werden sie hingegen mehr verwendet, um zusätzliche Informationen zu übermitteln oder Sarkasmus zu signalisieren.

Wie in allen Sprachformen hängt der Erfolg einer Botschaft auch bei Emojis vom Kontext und der grundlegenden Verständigung zwischen Autor und Leser ab. Aufgrund des Mangels an offiziellen Definitionen und weil Benutzergruppen meist ihre eigenen Bedeutungen festlegen, sind Emojis vergleichbar mit einer Art Slang – sie sind die stark nuancierte und komplexe Kommunikationsweise einer bestimmten Sprechergruppe. Manche Benutzer kreieren (bewusst oder unbewusst) basierend auf Emojis ihre eigene „Mikrosprache“, die zwangsläufig dazu beiträgt, das Verständnis Außenstehender einzuschränken, statt es zu fördern. Gleichzeitig wird wohl fast jeder sowohl die eigentliche Frage als auch die spielerische Darstellung in „☀️ 🍺 ➡ 😌 ?“ verstehen, egal, welche Sprache er oder sie spricht. Noch dazu ist die Emoji-Darstellung oft viel kürzer als das geschriebene Textequivalent, was sie auf sozialen Netzwerken mit Zeichenbeschränkung wie Twitter sehr beliebt macht. Der Bericht von SwiftKey zeigt außerdem, dass trotz der großen Auswahl über 45 Prozent der benutzten Emojis Smileys sind. Diese werden vor allem genutzt, um einer Nachricht zusätzliche emotionale Nuancen zu geben, statt ihren ganzen Inhalt wiederzugeben. Wenn man das Ganze also so betrachtet, dann erinnert der Gebrauch von Emojis, der auf zwei Ebenen stattfindet, an die Art und Weise, wie Englisch heute auf der Welt verwendet wird: voller Gegensätze und kulturspezifischer Bedeutungen, aber mit genug Ausdrücken, die gemeinhin verstanden werden und die hilfreich für eine grundlegende zwischensprachliche Verständigung sind. Der besondere Vorteil ist dabei natürlich, dass Emojis einfach in alle Sprachen zu integrieren sind und keine Sprache bevorzugt wird, da niemand Emojis als Muttersprache verwendet. Die große Herausforderung bleibt jedoch, grundsätzliche Definitionen festzulegen, mit denen alle einverstanden sind. Obwohl sich schon eine erste Emoji-Grammatik zu entwickeln scheint, wird sich diese wohl genau so schnell verändern, wie 💁 alles von „Infostandmitarbeiterin“ bis „ist mir egal“ oder „meinetwegen“ heißen kann.

Und vielleicht gehören Emojis ohnehin bald wieder der Vergangenheit an, weil sich schon die nächste, noch vielfältigere Form bildhafter Ausdrücke zu etablieren beginnt. LINE, 2013 Japans beliebtestes soziales Netzwerk, das seit Februar 2015 weltweit 700 Millionen Nutzern hat, bietet eine Stickerfunktion ähnlich der von Facebook an – allerdings mit über 10.000 Stickern. Mehr als eine Milliarde Sticker werden jeden Tag mit LINE versendet, und Mika findet, dass ihre Ausdrucksmöglichkeiten über die derzeit verfügbaren Emojis hinausgehen. Während Emojis flexibler einsetzbar scheinen, weil man sie leichter in Texte integrieren kann, sie direkt anhand von Nutzerfeedback entwickelt werden und auf zahlreichen Plattformen verfügbar sind, wird es sich erst zeigen müssen, ob sie weiterhin eine so zentrale Rolle in der Online-Kommunikation spielen werden. Obwohl mein Emoji-Gebrauch immer noch peinlich genug ist, um jeden 😳 zu lassen, weiß ich, dass ich definitiv 🙏 ➡ 😄 📈 🎉 werde.

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