Die Sprache der Blumen

Blumen sind schon lange ein Zeichen von Liebe und Romantik, aber wusstest du, dass sich hinter ihnen eine ganze Sprache versteckt? Lerne, welche Blumen die beste Liebesbotschaft zum Valentinstag oder Jahrestag senden – und auch, welche du lieber komplett vermeiden solltest!
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ARTIKEL VON Claire Larkin
Die Sprache der Blumen

Illustriert von Rosemarie C. Cattan

Blumen tragen in verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt Symbolik mit sich. Ihre zarte Schönheit und Farbenfreude haben Menschen seit Jahrtausenden inspiriert, tiefer über ihre Bedeutung nachzudenken. Obwohl sich bereits ägyptische Hieroglyphen Pflanzen und Blüten zum Vorbild nahmen, ist die Blütezeit (wir konnten uns den Wortwitz einfach nicht verkneifen) der Sprache der Blumen das 18. Jahrhundert. Die englische Schriftstellerin Lady Mary Wortley Montagu stieß Anfang des 18. Jahrhunderts im Orient auf Bedeutungen, die den einzelnen Blüten zugeschrieben wurden. Diesen Code übermittelte sie durch ihre Briefe aus Istanbul. Im viktorianischen England wurde die Blumensprache schnell populär und weitete sich auf den Rest Europas aus. In einer Zeit, in der Kommunikation rund um Liebe, Zuneigung und Abneigung alles andere als selbstverständlich war, wurde die Blumensprache zu einem wichtigen Mittel der nonverbalen Kommunikation: Sträuße aus einer Blumenart, gemischte Sträuße, die Farbe der Blumen, die Anzahl im Strauß, das Alter der Blüte, die Art und Weise der Bindung, wie der Strauß gehalten wurde, die Anbringung von Anstecksträußen … einfach alles, was mit Blumen zu tun hatte, trug eine Bedeutung.

Heutzutage ist die Blumensprache nicht mehr so verbreitet, aber trotzdem sind Blumen weiterhin fest mit Romantik und Liebe verbunden. Keine Hochzeit, kein Jahrestag, kein Valentinstag wäre vollständig ohne sie. Damit du mit einem Blumenstrauß nicht aus Versehen eine falsche Botschaft sendest, schauen wir uns an, was uns bestimmte Blumen sagen wollen.

Infografik: Die Sprache der Blumen

Die rote Nelke

Rote Nelken zeugen von Bewunderung und tiefer Zuneigung.

Als politisches Symbol steht die rote Nelke weltweit für den Sozialismus: In Italien löste sie den Hammer und die Sichel als Symbol für die Sozialistische Partei ab und zahlreiche rote Nelken werden auch heute noch jeden 15. Januar auf Rosa Luxemburgs Grab niedergelegt. Die Blume ist sogar namensgebend für die Nelkenrevolution von 1974 in Portugal, einen Militärputsch gegen die autoritäre Diktatur des Estado Novo, der von der linksgerichteten Armeegruppe Movimento das Forças Armadas geführt wurde. Nachdem die Revolution schnell und größtenteils widerstandslos über die Bühne gebracht wurde, wurden vielen Soldaten als Ausdruck der Freude rote Nelken in die Gewährläufe gesteckt, was ein einprägsames Bild schuf.

Die Chrysantheme

Der Name der Chrysantheme geht auf das Altgriechische zurück und bedeutet „Goldblüte“.

In der Blumensprache bedeutet die Chrysantheme „mein Herz ist frei“, kann aber auch eine Beziehungsbereitschaft symbolisieren.

Die Blumen sind in Südostasien sehr beliebt, wo viele Arten einheimisch sind. Eine besondere Bedeutung haben sie in Japan: Eine stilisierte Chrysanthemenblüte ist das kaiserliche Siegel Japans und ziert unter anderem japanische Reisepässe.

Das Gänseblümchen

Dieses robuste Blümchen steht für Reinheit, Unschuld, Treue, Liebe und Leichtigkeit.

Es ist unter unzähligen regionalen Namen bekannt, wie zum Beispiel Himmelsblume, Maiblume, Marienblümchen, Mondscheinblume, Morgenblume, Osterblume, Regenblume, Sommerröschen und Tausendschön.

Die weiße Lilie

Wie das Gänseblümchen wird auch die weiße Lilie mit Reinheit verbunden.

Schon im alten Griechenland galt die Lilie als die Blume der griechischen Göttin Hera, entstanden aus verschütteten Tropfen der Milch ihrer Brüste, als Herkules von diesen trank. Der Sage nach ärgerte sich Aphrodite über die Reinheit der Blüte so sehr, dass sie ihr einen Eselsphallus als Stempel einpflanzte.

Ganz ohne Eselsphallus, aber dafür umso reiner, wird die Lilie auch in der christlichen Symbolik mit der Marienverehrung in Verbindung gebracht – nicht umsonst trägt eine Vertreterin dieser Familie den Namen Madonnen-Lilie.

In der Heraldik ist eine stilisierte Schwertlilie ebenfalls ein beliebtes Zeichen: Die Fleur-de-Lys oder Fleur-de-Lis („Lilienblume“) ist das wohl bekannteste Symbol der französischen Monarchie und auch zahlreiche andere Königs- und Adelshäuser bedienen sich ihrer. Auf der anderen Seite steht die Lilie für Vergänglichkeit und wird häufig bei Begräbnissen niedergelegt – bei einem Krankenhausbesuch ist sie also eindeutig die falsche Wahl!

Die Orchidee

Orchideen faszinieren Menschen schon seit mehr als 2500 Jahren: Der chinesische Philosoph Konfuzius setzte Orchideen mit Anmut, Liebe, Reinheit, Eleganz und Schönheit gleich. Im antiken Griechenland war die noble Blume ein Zeichen für Fruchtbarkeit – daher stammt übrigens auch ihr Name: Die beiden unterirdischen Knollen wurden als orchis, also altgriechisch für „Hoden“, bezeichnet.

Auch heute stehen Orchideen für Sinnlichkeit und edle Schönheit.

Die gelbe Rose

Vorsicht, wem du eine gelbe Rose schenkst! Sie steht für Freundschaft, aber auch für Eifersucht. Halte sie darum lieber aus einem romantischen Valentinstagsstrauß heraus.

Das Vergissmeinnicht

Der Name Vergissmeinnicht geht vermutlich auf eine deutsche Sage aus dem Mittelalter zurück, nach der die kleine Blume Gott bat, sie nicht zu vergessen. Der Name findet sich nach deutschem Vorbild auch in vielen anderen Sprachen wieder, zum Beispiel als Forget-me-not im Englischen,Não-me-esqueças im Portugiesischen oder No me olvides im Spanischen.

Ihrem Namen entsprechend steht diese Blume für Treue und wahre Liebe.

Die Tulpe

Tulpen sind vor allem im Nahen Osten heimisch, und auch ihren Namen verdankt die Tulpe dem persischen dulband, das „Turban“ bedeutet.

Die Blume wurde 1593 in den Niederlanden eingeführt, wo sie sich schnell zum Hit entwickelte. Die Popularität der Blume ging so weit, dass Tulpen sogar zu einem Spekulationsobjekt wurden. Es entstand eine sogenannte Tulpenmanie, die derartig seltsame Blüten trieb, dass bei einem Geschäft im Jahr 1637 drei Tulpenzwiebeln für 30.000 Gulden gehandelt wurden! Zum Vergleich: Das durchschnittliche Jahreseinkommen in den Niederlanden lag zu dieser Zeit bei rund 150 Gulden, die teuersten Häuser an einer Amsterdamer Gracht kosteten etwa 10.000 Gulden. Nach einem Börsenkrach im Jahr 1637 normalisierte sich der Handelswert von Tulpen wieder und heute kann sie sich jeder leisten.

Kauf aber lieber trotzdem nicht zu viele, denn wer einen Tulpenstrauß verschenkt, sagt damit: „Du bist zu keinen echten Gefühlen fähig!“ Bei einzelnen Tulpen kann man sich genauso schnell vergreifen: Während eine rote Blume erfüllte Liebe symbolisiert, steht eine gelbe für enttäuschte Liebe …

… vielleicht ist es da doch besser, statt einer Blumensprache eine menschliche Sprache zu lernen … da gibt es nicht so viele Missverständnisse. (Oder etwa doch?!)

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