Die Sprachen in Kanada: Ein Einblick in die indigenen Sprachen von Quebec

Neben dem Englischen und Französischen gibt es in Kanada eine Vielzahl indigener Sprachen, die heute in Schulen unterrichtet werden. Wir werfen einen Blick auf die Sprachlandschaft in Quebec.
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Die Sprachen in Kanada: Ein Einblick in die indigenen Sprachen von Quebec

Wusstest du, dass man in Kanada um die 60 indigene Sprachen zählt? Die größte Sprachvielfalt findet sich in Quebec. Eingeborene sprechen dort unter anderem Abenakim, Algonkin, Atikamekw, Cree, Huron-Wyandot, Inuit, Innu-Aimun, Maliseet, Mi’kmaq, Mohawk und Naskapi. Zum Teil ähneln sich diese Sprachen sehr, da sie miteinander verwandt sindIn der Vergangenheit waren indigene Sprachen durch die restriktive Kolonialpolitik vom Aussterben bedroht. Umso wichtiger sind Initiativen, die das Lernen und Sprechen indigener Sprachen in Kanada fördern. Im Folgenden widmen wir uns einer Auswahl dieser Sprachen. 

Innu-Aimun

Innu-Aimun zählt zur wichtigen Algonkin-Sprachfamilie. Alternativ wird diese kanadische Sprache auch Montagnais (französisch für „Bergbewohner“) genannt. Ihre Sprechende sind die Innu, die ihre Heimat im nördlichen Teil von Quebec und Labrador haben. Experten zufolge ist Innu-Aimun vom Aussterben bedroht.

Zu den Gründen für das Aussterben zählt die orale Tradition dieser Sprache, durch die von Generation zu Generation Teile des Vokabulars verloren gehen. Da es bis vor Kurzem keine Schriftstücke wie Wörterbücher gab, wurde ein großer Teil der Sprache vergessen – sie wurde in der heutigen Zeit schlichtweg nicht mehr so oft genutzt. Dies betrifft besonders Vokabular im Zusammenhang mit Jagd, Wald und Landschaft. Die kulturellen Veränderungen unserer Zeit trugen dazu bei, dass die meisten Sprechenden sesshaft geworden sind und somit das traditionelle Vokabular im Alltag nicht mehr benutzen. Außerdem dominiert das frankophone und anglophone Milieu.

Zu den Bemühungen, die Vielfalt der Sprachen in Kanada zu erhalten, gehören eine Vielzahl bildungspolitischer Initiativen. So wird seit den 1970er Jahren Innu-Aimun-Sprachkurse angeboten. Um das Lernen zu vereinfachen und die Sprache zu dokumentieren, veröffentlichte die Linguistin Lynn Drapeau im Jahr 2014 eine Grammatik des Innu-Aimun. In ihrem Werk wird unter anderem erklärt, wie man zwischen den Dialekten des Westens und denen des Sankt-Lorenz-Golfes unterscheidet. Mittlerweile wird Innu-Aimun auch an der Universität von Montréal angeboten – der allererste Studiumskurs zu einer indigenen Sprache!

Innu-Aimun ist eine lebendige Sprache – und ein Zeichen dafür ist die Einführung neuer Wörter, vor allem rund ums Thema Eishockey. In diesem Video hörst du eine junge Eishockey-Mannschaft beim Besprechen eines Strafstoßes.

 

Atikamekw

Atikamekw gehört wie Innu-Aimun zur Algonkin-Sprachfamilie und wird von der gleichnamigen indianischen Stammesgruppe, den Atikamekw, vor allem in Wemotaci, Manawan und Opiticiwan gesprochen. Hier zählt die Sprache zum wichtigsten Verständigungsmittel und ist die Muttersprache von 95 Prozent der Einwohner. Wie kommt es zu dieser Verbreitung?

Dank der Institutionalisierung, die die Sprache in den 1970er Jahren durchlaufen hat, wird Atikamekw bereits in der Vorschule unterrichtet. In den ersten Schuljahren dominiert Atikamekw als Unterrichtssprache. In den kommenden Jahren übernimmt das Französische Stück für Stück. So wird die Bilingualität in der Bildung verankert.

Um die Vielfalt der Sprachen in Kanada zu bewahren, ist pädagogische Unterstützung nötig. Ähnlich wie im Fall von Innu-Aimun gibt es auch für Atikamekw ein didaktisches Hilfsmittel, nämlich eine App, Conversation en Atikamekw, die erschaffen wurde, um das Sprachenlernen zu vereinfachen.

Mittlerweile wird auch in anderen Gemeinden Atikamekw-Unterricht angeboten. Mitglieder indigener Organisationen werden bei der Zulassung dieser beliebten Sprachkurse priorisiert. Falls der Sprachkurs nicht die richtige Wahl für dich ist, kannst du stattdessen zum Konversationshandbuch Atikamekw greifen: Du möchtest jemanden bitten, dich zum Flughafen zu bringen? Dann frag einfach: Matci ia ki ka ki iciwirin ka ici actek ka ici ponemakak ka miremakak?

 

 

Inuktitut

Im Gegensatz zu Innu-Aimun und Atikamekw gehört Inuktitut zu der Familie der Inuit-Sprachen. Inuktitut wird von rund 34.000 Menschen gesprochen, vor allem im Norden Quebecs, und gilt gemeinhin als eine der schwierigsten Sprachen der Welt. Eine ganz besondere Herausforderung also!

Sprachwissenschaftler erklären, dass die Schwierigkeit von Inuktitut an der polysynthetischen Sprachbeschaffenheit liegt. Was genau heißt das? Eine polysynthetische Sprache besteht einfach gesagt aus wirklich sehr langen Wörtern. Dies liegt daran, dass grammatische Informationen nicht durch andere Wörter (wie zum Beispiel Artikel) ausgedrückt, sondern als Wortteile an den Wortstamm angehängt werden. Das wird ganz schnell unüberschaubar! Darüber hinaus existieren verschiedene Schriftsysteme und Dialekte des Inuktitut – was die Kommunikation zwischen den Inuit nicht gerade erleichtert. Aus diesem Grund rät die nationale Organisation Inuit Tapiriit Kanatami zu einer Standardisierung der Sprache und einer Übernahme der lateinischen Schrift.

Inuktitut ist eine der traditionsreichsten Sprachen in Kanada, daher findest du in Quebec zahlreiche Möglichkeiten, Inuktitut zu lernen. Darüber hinaus wird auch in Europa Inuktitut sowohl mündlich als auch schriftlich gelehrt. Um diese Minderheitensprache am Leben zu erhalten, arbeitet das Kulturinstiut Avatag aktiv an der Wortschatzerweiterung der Sprache: Hier werden moderne Begriffe für die Bereiche der Justiz, Medizin und Kommunikation entwickelt. Und wenn du auf deiner nächsten Reise durch den Norden Quebecs gerne zelten möchtest, kannst du all dies in einem Wort ausdrücken: Maqaigumavunga.

Sprich eine neue Sprache – und erhalte unsere Sprachvielfalt dadurch am Leben!
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Christine Hébert
Christine ist eine Autorin aus Quebec. Sie taucht leidenschaftlich gern in neue Kulturen ein und schreibt dabei über ihr Lieblingsthema, nämlich das vielfältige Quebec.
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