Sprich Sprachen, wie du es schon immer wolltest

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10 Schritte, um deutsch zu werden

Was braucht es zum Deutsch-Sein? Eine Liebe für Wurst und schlichte Kleidung? Der Autor von „Make Me German“ gibt seinen Senf dazu!

Artikel von: Adam Fletcher

1. Zieh deine Hausschuhe an

Deutsche lieben ihre Hausschuhe – und du solltest dasselbe tun. Sieh jeden, der keine Hausschuhe trägt, als primitiven Wildling an: halb Mensch, halb Dreckverteiler. Um Bonus-Deutschpunkte zu erhalten, sorge für ein bisschen Hausschuhception in deinem Leben: Kaufe einen Einsteckpantoffel, einen großen Filzhausschuh, der an der Eingangstür hängt und in den du andere Hausschuhe reinstecken und deinen (nun sehr beeindruckten) Hausgästen überreichen kannst.

2. Dress Normcore – Rein in die Alltagskleidung

Mode fällt vielen Deutschen schwer, weil es keine klaren Regeln gibt. Es handelt sich hier eher um eine Kunst als um eine Wissenschaft. Darum haben sie eine geniale Lösung gefunden, die du unbedingt beachten musst, wenn du als Deutsch durchgehen willst. Diese Lösung wird Normcore genannt. Normcore ist der Versuch, so durchschnittlich und anonym wie möglich zu sein: normal, nur eben die Hardcore-Version. Deutsche drücken Normcore darüber aus, dass sie praktische Kleidung von Marken wie Jack Wolfskin bevorzugen, die technische Verarbeitung hervorhebt, statt sich auf so etwas Nutzloses, Unbeständiges und schlicht Vages wie Mode zu konzentrieren. Deutsche Logik diktiert, dass du unmöglich out of style sein kannst, solange du nicht versuchst, in style zu sein. Du solltest Mode wie eine Geburtstagsparty behandeln, zu der du nicht eingeladen bist: Versuch nicht eine Einladung zu erzwingen und lass dir auf keinen Fall anmerken, dass du vor den Kopf gestoßen wurdest. Stattdessen: Normcore.

3. Respektiere das Ampelmännchen!

Leere Straße? Na und! Respektiere das Ampelmännchen – den Behüter der straßenüberquerenden Fußgänger! Sich zu wagen, seine Autorität anzuzweifeln und vorsichtig eine komplett leere Straße zu betreten, wenn noch Rot ist, bedeutet, ein großes persönliches Risiko auf sich zu nehmen – natürlich nicht das Risiko, überfahren zu werden. Die Straße ist schließlich komplett frei. Abgesehen von unsichtbaren Autos bist du sicher. Nein, was du wirklich riskierst, ist die Verachtung, das missbilligende Zungeschnalzen und die „Halt!“-Rufe der sich in der Nähe befindenden Deutschen, die dich nun für einen unverantwortlichen, möglicherweise suizidgefärdeten, sozial abtrünnigen Banditen halten werden. Also warte einfach. Okay?

4. Respektiere die Natur

Städte sind okay. Aber sie sind so künstlich und unnatürlich, mit all ihren Gebäuden, ihren Lichtern und ihrem WLAN. Sie sind nichts im Gegensatz zur über-sentimentalisierten Nostalgie der einfachen, unverfälschten Zeiten, die dir das Land bietet: Die frische Luft, Vögel, Zweige, Schlamm, Bäume und noch mehr „richtiges“ Naturzeug. Darum ist ein regelmäßiges Eintauchen in die Natur für deine Eindeutschung und deine Seele unabdingbar. Du solltest also ordnungsgemäß an Sonntagen wandern gehen und automatisch alles kaufen, was mit dem Wort Bio versehen ist. „Natürlich ist es besser, es ist ja schließlich Bio!“, ist dein neues Motto. Außerdem solltest du deinen Kindern auf keinen Fall elektronisches Spielzeug kaufen, das blinkt und darauf programmiert ist, interessant und lehrreich zu sein. Das ist so fake, mit seinem Scheiß-Plastik. Gib deinen Kindern stattdessen einen Holzklotz, der ein bisschen wie ein Hase geformt ist. Das wird sie lehren, dass a) Dinge aus Holz intellektuell überlegen sind und b) dass sie echt mal fantasievoller sein sollten.

5. Mach einen Abschluss

Andere Kulturen mögen Einsatz und Ausdauer belohnen, egal, wie schlecht das eigentliche Resultat ausfällt: „Gut gemacht! Versuch es noch mal!“ In Deutschland läuft das aber ganz anders. Deutsche schätzen Kompetenz und Expertise. Wenn du es nicht gelernt hast, bist du nicht qualifiziert dafür und hast kein Recht, es auch nur zu versuchen. Behandle Generalismus und Generalisten verdächtig, so wie eine Hexe im Mittelalter.

6. Mach ‘ne Schorle draus.

Deutsche fürchten alle Getränke, die nicht sprudeln. Um wahrhaft Deutsch zu werden, musst du also zu allen, wirklich allen, Getränken Sprudelwasser hinzufügen. Der Inbegriff dessen ist, natürlich, die spektakuläre Erfindung Apfelschorle! Heißgeliebt in Deutschland, völlig unbekannt in anderen Ländern. Sie ist wie der Standard-Getränke-BFF der Nation. Wenn du also jedes mal panisch eine Apfelschorle bestellst, wenn du noch keine Zeit hattest, dir etwas anderes auszusuchen, der Kellner aber schon an deinem Tisch steht, dann bist du wahrhaft eingedeutscht.

7. Im Zweifel für die Kartoffel

Jeder, der sagt, dass Deutsche keine Fantasie haben, liegt falsch. Sie haben ihre Fantasie nur auf sehr spezifische Bereiche wie Outdoor-Kleidung, Bürokratie, Satz-erdrückende zusammengesetzte Wörter, gemischte Soft-Drinks und, vielleicht am beeindruckendsten, eine Reihe von Kartoffelgerichten konzentriert. In den meisten Ländern gibt es Kartoffeln in den folgenden grundlegenden Formen: gestampft, gebacken, gekocht, frittiert und – als unbeständiges modernes Wunder – Kartoffelecken. Pah, Amateure! Deutsch zu sein heißt, mit der Kartoffel all das zu tun, was möglich ist, und vielleicht noch ein oder zwei Sachen mehr. Hier ist eine Liste der deutschen Kartoffelerfindungen, die du meistern musst, wenn du dich eindeutschen willst:

Salzkartoffeln, Bratkartoffeln, Kartoffelbrei, Kartoffelpuffer, Kartoffelklöße/-knödel, Kartoffelauflauf/-gratin, Kartoffelsalat, Kartoffelsuppe, Rösti, Ofenkartoffeln, Kroketten, Stampfkartoffeln, Kartoffelecken, Pellkartoffeln, Pommes frites, Petersilienkartoffeln, Rosmarinkartoffeln…

8. Entdecke weitere Feinheiten der deutschen Küche

„Hallo, Kochauszubildende, willkommen bei der deutschen Kochschule! Nun, da ihr die Kartoffel gemeistert habt, ist es Zeit für die zweite Lektion: Hier ist Wurst, und hier ist Brot. Passt ihr auch alle gut auf? Super! Legt die Wurst auf das Brot. Und jetzt? Hmm, also, eigentlich ist das schon alles. Glückwunsch, ihr seid nun qualifiziert! Hier könnt ihr euer Zertifikat abholen. Viel Glück da draußen…“

9. Kein Small Talk

Small talk is for small minds: Sag einfach, was immer du denkst – ehrlich, direkt, geradeheraus. Subtext ist überbewertet. Wenn dich jemand fragt, wie es dir geht, hast du zwei Optionen: Sei schonungslos ehrlich, oder, wenn dich jemand absolut zum Small Talk zwingt, kannst du auf die sechs häufigsten Phrasen zurückfallen, die 50% aller gesprochenen Unterhaltungen ausmachen – „gut, naja, ach so, alles klar, und sonst so“, und „tja“. Mit diesen flexiblen deutschen Phrasen, die sich in fast jeder Reihenfolge zusammenstellen lassen, können ganze Gespräche geführt werden. „Tja“ wird am besten zuletzt genutzt, um sowohl die Sinnlosigkeit der Konversation, als auch die des Lebens auszudrücken.

10. Sei präzise!

Es ist sehr wichtig, andere Leute zu korrigieren, wenn sie etwas Falsches sagen, egal wie klein und belanglos es auch sein mag. Sie haben Unrecht. Du weißt, dass sie Unrecht haben. Fakten sind dir heilig. Es ist deine Pflicht, sie zu informieren. So etwas nennen die Deutschen einen Klugscheißer. Deutsche sind als brillante Faktenliebhaber Weltmeister im Klugscheißen. Es ist egal, ob sie gerade mitten in einer Story sind. Es ist egal, ob ihr kleiner faktischer Fehltritt absolut keinen Einfluss auf das Gesagte hat – wenn zum Beispiel der Arzttermin eigentlich um 19:30 Uhr und nicht um 20 Uhr war. Alles Lügner! Aus kleinen Mücken der Nachlässigkeit können riesige Elefanten der Unehrlichkeit gemacht werden! Sie müssen korrigiert werden!

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