Land und Leute – das liebenswürdige Polen

Warum du deine polnischen Nachbarn unbedingt näher kennenlernen solltest, erfährst du in diesem Artikel.
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ARTIKEL VON Sofia Westholt
Land und Leute – das liebenswürdige Polen

Unsere osteuropäischen Nachbarn, die Polen, sine ein liebenswürdiges Volk.

Polnische Menschen sind die oft unsichtbaren Eingewanderten in Deutschland – sie integrieren sich schnell und gut, sprechen unsere Sprache (fast) ohne Akzent und leben hier seit Generationen.

So schreibt Emilia Smechowski in ihrem Buch Wir Strebermigranten, dass ihre Eltern deutscher sein wollten als die Deutschen – deshalb durfte sie als Kind nicht auf der Straße Polnisch reden. Unsere geografischen Nachbarn fallen uns häufig nur noch durch den Nachnamen auf, doch nicht durch ihre Kultur. 

Vielleicht liegt das daran, dass die kulturellen Besonderheiten Polens für Deutsche gar nicht so groß erscheinen – auf den ersten Blick zumindest. Unter einer ähnlichen Oberfläche gibt es aber zahlreiche polnische Gerichte, Bräuche, Traditionen und Charakterzüge zu entdecken. Wie stellen dir unsere sympathischen Nachbarn hier einmal näher vor.

Gastfreundschaft können sie!

Die meisten Polen, die ich kennenlernen durfte, sind offen und gastfreundlich. Wenn du sie zu Hause besuchst, haben sie bestimmt Kuchen gebacken und sie werden alles tun, um den Besuch glücklich zu machen. In Bars kommt man auch leicht ins Gespräch. Polen sind neugierig auf andere Länder und fragen mich oft, was ich an ihrem Land mag, oder wie ich diese oder jene Situation in Deutschland beurteile. Nur über Geld und (polnische) Politik spricht man besser nicht oder vorsichtig.

Eine reiche Geschichte

Polen sind stolz auf ihr Land, um das sie im Laufe der Geschichte oft kämpfen mussten. 123 Jahre lang gab es gar keinen polnischen Staat, doch die Menschen pflegten weiterhin ihre Traditionen. Danach wurde das Land sowohl von den Nationalsozialisten als auch von den Sowjets besetzt. Dass Nationalstolz in einem positiven Sinne überhaupt möglich ist, habe ich erst in Polen gelernt. Doch ihr Stolz macht Polen keinesfalls überheblich – im Gegenteil, sie sind immer sehr überrascht, wenn Menschen (vor allem aus dem Westen) dauerhaft in ihr Land ziehen.

Nahbar und freundschaftlich

Polen haben wortwörtlich weniger Berührungsängste als Deutsche. So stehen sie zum Beispiel in der Schlange im Supermarkt – für mich etwas ungewohnt – sehr nah hinter mir. Wenn ich allerdings Freund*innen treffe, freue ich mich über die Begrüßungsküsschen und kräftigen Umarmungen. Wie viele Deutsche auch, möchten Polen dich erst richtig  kennenlernen, bevor sie über persönliche Themen reden. Im Gegensatz zu Deutschland gestalten sie die Berufswelt jedoch etwas persönlicher – so nutzt die Hälfte meiner Professor*innen an der Universität in E-Mails nur ihren Vornamen oder beantwortet mir meine Fragen auch gerne mal über Social-Media-Kanäle.

Hierarchische Höflichkeit

Vielleicht wirken Hierarchien auf den ersten Blick flacher, weil Polen Autoritäten generell skeptisch gegenüber stehen. Nach zahlreichen Besatzern und Herrschenden aus anderen Ländern, für die das Wohl Polens nicht an erster Stelle stand, hat die Bevölkerung Wege gefunden, um Autoritäten manchmal aus dem Weg zu gehen. Sie sind ihnen gegenüber nicht respektlos , ganz und gar nicht – so werden Schuldirektorinnen und -direktoren von den Lehrenden zum Beispiel sehr förmlich mit „Frau“ oder „Herr Direktor“ angesprochen.

„improwizować“

Echte Profis sind Polen im Improvisieren und sogar eines der bekanntesten polnischen Werke des Dichters Adam Mickiewicz heißt „Große Improvisation“. Und wenn das Improvisierte auch nicht perfekt ist, halb so wild: Unsere polnischen Nachbarn sind oft etwas weniger verbissen als wir und stattdessen um einiges gelassener. Mit Kritik sollte man allerdings vorsichtig sein, sie wird nämlich nur selten so offen geäußert wie bei uns. Stattdessen drücken Polen eher durch Mimik und Gestik ihr Unbehagen aus,  wählen aber sanfte Worte, die ich als Deutsche oft nicht direkt als Kritik wahrnehme.

Feste! Feste! Feste!

Mein Eindruck ist, dass Polen immer etwas zum Feiern finden. So gibt es neben den großen christlichen Festen zum Beispiel auch Feiertage für alle Mitglieder der klassischen Familie (Mutter, Vater, Kind, Großeltern). Den sogenannten „dicken Donnerstag“ („tlusty czwartek“) gibt es auch im schwäbisch-alemannischen Deutschland, doch nur die Polen haben die Tradition, vor Beginn der Fastenzeit einen Tag zu veranstalten, an dem fröhlich leckere Pączki (ein Donut-ähnliches Hefegebäck) verputzt werden. Am „Tag der Frau“ schenken die Herren überwiegend Blumen, am „Tag des Mannes“ erhalten die Männer Alkohol und Schokolade. Einige der Feste sind auch Überbleibsel aus kommunistischen Zeiten und deshalb so oder so ähnlich in Ostdeutschland zu finden.

Familie und Religion

Meinungsumfragen aus den letzten Jahren zeigen, dass das Familienleben für Polen an erster Stelle steht, vor Karriere und Geld. In der Schule, in der ich gearbeitet habe, hatten viele der jungen Frauen ganz klar das Prinzip „Mann-Kind-Haus“ für ihre Zukunft geplant. Kinder und Hochzeit sind hier wichtiger als in Deutschland, was natürlich auch daran liegt, dass Polen sehr katholisch ist. Sonntägliche Familienausflüge in die Kirche sind nicht ungewöhnlich, auch wenn längst nicht alle jede Woche in die Kirche gehen, vor allem nicht in urbanen Gebieten. Polnische Frauen sind aber keineswegs von Männern abhängig. Sie studieren auch und üben später alle möglichen Berufe aus – das Familienleben bleibt aber für viele von ihnen an erster Stelle.

Lerne deine polnischen Nachbarn kennen!

Die meisten Besonderheiten Polens habe ich als Deutsche nicht direkt an meinem ersten Tag dort wahrgenommen. Die vielen kleinen Unterschiede fielen mir auf Grund der kulturellen Ähnlichkeit erst nach einiger Zeit auf und ich lerne immer noch viel dazu. Es lohnt sich jedenfalls, Freundschaften mit Polen zu schließen: Es sind warme, herzliche Menschen, denen ihre Familie und Freundkreise sehr wichtig sind – und ich bin glücklich, einige Polen zu meinen Freund*innen zählen zu können.

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