Die 13 schönsten Winterwörter der deutschen Sprache

Schnupfen, Winterblues, kalte Füße? Diese Jahreszeit hat auch ihre zauberhaften Seiten – und Wörter! Hier kommen 13 Winterwörter, bei denen dir ganz warm ums Ohr wird.
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ARTIKEL VON Astrid Hansen
Die 13 schönsten Winterwörter der deutschen Sprache

Na, bereust du mal wieder, dass du im Herbst nicht mit den Störchen in den Süden geflogen bist? Ärgere dich nicht! Du würdest sonst jede Menge schöner Dinge verpassen. Und das Beste: Um in winterliche Stimmung zu kommen, musst du nicht einmal vor die Tür – dafür haben wir dir diese Liste voller verzauberter Winterwörter zusammengestellt.

 

Pudelmütze

Was war zuerst da – der Pudel oder die Pudelmütze? In diesem Fall sind sich die Gelehrten einig: Erst schuf der Mensch die Hunderasse mit der speziellen Rasur, dann wollte er auch solche Puschel auf dem Kopf haben. Und während sich der Pudel im Winter über jeden wärmenden Fellbommel freut, dient so ein Mützenbommel allein der Dekoration. Für einen warmen Kopf sorgt die dazugehörige Mütze. Der Begriff stammt vom Mittelhochdeutschen almuʒ („ʒ“ wird gesprochen wie das „g“ in „Etage“) und bezeichnete ursprünglich eine Kopfbedeckung von Geistlichen. Im 15. Jahrhundert wurde daraus mutz oder mütze. Wau!

 

Winterschlaf

Wahrscheinlich gibt es nicht viele Momente in deinem Leben, in denen du die Birkenmaus beneidest. Doch wenn du am Montagmorgen im Schneeregen an der Bushaltestelle frierst, erscheint dir so ein Winterschlaf in einer gemütlichen kleinen Höhle wohlmöglich ganz schön verlockend. Andererseits wäre es doch auch schade, gleich eine ganze Jahreszeit zu verpassen. Wir empfehlen daher einen Winterschlaf light samt Anfuttern von Winterspeck und möglichst häufigem Verkriechen im Bett. „Schlafen“ bedeutet übrigens ursprünglich „schlaff sein“. Und im schlaffen Zustand lassen sich doch noch allerhand schöne Dinge erledigen. Lesen, Serien gucken, eine neue Sprache lernen. Siehst du, jetzt ist die Birkenmaus neidisch auf dich und dieses Winterwort!

 

Schlitten

Wer das Bett oder die Höhle im Winter auch einmal verlassen möchte, kann mit einem Schlitten viel Spaß haben. Voraussetzung für diesen Wintersport ist, dass Schnee liegt – sonst bitte einfach wieder einkuscheln. Sprachlich jedenfalls entwickelte sich der Schlitten aus dem althochdeutschen slito, das ein gleitendes Gefährt bezeichnete. Aber Moment mal, ist Schlitten wirklich so ein schönes Wort? Vielleicht sind es auch einfach die schönen Erinnerungen, die wir damit verbinden, und es ist ganz egal, wie der dazugehörige Begriff klingt. Schlittenfahren jedenfalls klingt so: „Jippieeeh“! Oder auch: „Aus dem Weeeeeg!“

 

Wichteln

Schon im neunten Jahrhundert galten Menschen, aber auch Kobolde und Zwerge, also kleine Wesen, als wiht. Während ein Wicht durchaus böse sein kann – ein Bösewicht! – verbreitete sich ab dem 16. Jahrhundert die Verniedlichungsform wichtelmendle, „Wichtelmännchen“. Diese netten Vertreter der Wichtel sollen heimlich allerlei gute Taten vollbringen. Doch weil Wichtel aller Wahrscheinlichkeit nach Fantasiegeschöpfe sind, müssen wir Menschen nachhelfen. So entstand der Brauch des Wichtelns in der Vorweihnachtszeit, bei denen die Mitglieder einer Gruppe einander heimlich schöne Geschenke machen! Oder auch weniger brauchbare Geschenke, das nennt sich dann Schrottwichteln. Um das Ehrgefühl der Wichtel musst du dir aber keine Sorgen machen, denn es heißt, sie machen selbst gern Scherze.

 

Punsch

Manche Menschen bestellen Punsch wegen des Geschmacks, andere wollen sich damit auf dem Weihnachtsmarkt nur die Hände wärmen. Und wie viele unserer heißen beziehungsweise heiß geliebten Weihnachtstraditionen hat auch der Punsch eine wenig bekannte Herkunft: Wahrscheinlich stammt das Getränk aus Indien und wurde von englischen Seeleuten verbreitet. Entsprechend soll sich der Name aus dem Begriff pānch, Hindi für „fünf“, ableiten. Das wiederum bezieht sich auf die fünf ursprünglichen Grundbestandteile des Punschs: Arrak (Palmschnaps), Zucker, Zitronensaft, Gewürze und Wasser oder wahlweise Tee oder Wein. Prost!

 

Schneeflocke

Schnee allein ist dank des klingenden „ee“ schon ein sehr schönes Wort. Flocke – von althochdeutsch flocko für Flaum – ebenso. Als Kombi sind die beiden unschlagbar idyllisch. Und falls du eher an kalten Fakten interessiert bist: Schneeflocke ist ein Oberbegriff; eine Variante davon sind Schneekristalle, diese symmetrischen sechseckigen Gebilde, die wir im Winter als Deko fürs Fenster basteln. Und jetzt der Witz: Gelernt haben wir das von dem Schneephysiker Martin Schneebeli vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) im schweizerischen Davos.

 

Raureif

Ja, ja, alle mögen Schnee. Wer etwas auf sich hält, bevorzugt Raureif. Dieses Winterwort klingt nicht nur schroffer, es sieht auch so aus. Sprachlich setzt sich Raureif zusammen aus „rau“, von althochdeutsch rūh für „stachlig“, und „Reif“, von altenglisch hrīm für „Frost“. Physikalisch betrachtet besteht er aus gefrierender Luftfeuchtigkeit, die sich etwa an Bäumen niederschlägt und sie mit einer zackigen Eisschicht bedeckt. Auch wenn Wassertröpfchen aus der Raumluft an der Innenseite von schlecht isolierten Fensterscheiben gefrieren, ist das eine Form von Raureif. „Schau mal, Eisblumen!“ heißt also eigentlich: „Mist, wir bräuchten bessere Fenster!“

 

Handschuh

Vielleicht fragst du dich, was ein schnödes Wort wie „Handschuh“ in dieser Liste verwunschener Winterwörter verloren hat! Lass es dir noch einmal auf der Zunge zergehen: Hand-Schuh. Ein Schuh für die Hand … genial, oder? Der Ausdruck bekommt unseren Liebhaberpreis dafür, dass er so verdammt pragmatisch ist! Schon im neunten Jahrhundert sprachen die Menschen vom hantscuoh. Und seitdem ist offenbar niemandem ein besseres Wort eingefallen, um diese Schuhe für die obenrum zu beschreiben.

 

Muff

Warme Hände sind ein wichtiges Thema im Winter. Daher nun zum Muff. Nein, wir meinen nicht den modrigen Geruch, sondern diese putzigen, röhrenförmigen Puscheldinger zum Umhängen, mit denen feine Damen und Herren (jawohl, auch die Herren!) früher ihre Hände warm hielten. Wie sonst könntest du so elegant deutlich machen, dass du deine Hände nicht zum Arbeiten benötigst, sondern lieber vornehm durch die Straßen flanierst? Der Ausdruck stammt vom lateinischen muffula, was Fausthandschuh bedeutet. Doch was die Eleganz angeht, befinden sich Fausthandschuhe bekanntlich eher am anderen Ende der Skala. Nun ja, nicht alle Winterwörter sind ebenso hübsch anzusehen wie anzuhören.

 

Lametta

Wo ist das Lametta hin? War es in der Kindheit unserer Eltern noch Standard, an jedem Weihnachtsbaum Lametta hängen zu haben, haben sich die glänzenden Fäden längst zur Rarität entwickelt. Wie schade um dieses festliche Wort! Lametta ist die Verniedlichungsform des italienischen Worts lama, für Metallblatt oder Klinge. (Und auf Italienisch klingt bekanntlich alles sinnlich. Waschlappen zum Beispiel: Flanella!) Aber wie sagt Mama immer: „Es kommt alles wieder.“ Und seit es Alternativen zum bleihaltigen Inhaltsstoff Stanniol gibt, steht einem Lametta-Comeback nichts mehr im Wege.

 

Plätzchen

Ein Brötchen ist ein kleines Brot. Und ein Plätzchen? Tatsächlich stammt dieser Ausdruck von „Platz“. Denn damit ist nicht nur eine offene Fläche gemeint, sondern im übertragenen Sinne auch ein flach geformter Kuchen oder Fladen. Die Minivariante davon ist entsprechend: Plätzchen. Gar nicht mini hingegen ist ihre Bedeutung für unsere Weihnachtsstimmung! Wenn es in der Wohnung erst einmal nach Vanillekipferln duftet, schmilzt auch der letzte Grinch dahin.

 

Meisenknödel

Und was machen die hungrigen Wildtiere, während wir drinnen unsere Plätzchen knuspern? Schon klar, wer sich weder in den Süden noch zum Winterschlaf verzieht, sollte im Freien zurechtkommen. Falls du dennoch Mitleid bekommst, wenn eine Meise am Fenster steht und sehnsüchtig hereinguckt, dann häng ihr doch einen Meisenknödel auf. Körner in Fett, lecker! Falls du die Knödel fertig kaufst, entferne vorher das grüne Plastiknetz drumherum. Darin könnten die Vogelfüßchen hängen bleiben. „Knödel“ ist übrigens eine Verniedlichungsform von „Knoten“. Und dass sich jemand verknotet, wollen wir natürlich nicht!

 

Frostbeule

Dein Standardspruch, während du im Winter das Fenster zumachst und die Heizung aufdrehst: „Sorry, Leute. Ich bin eben eine Frostbeule.“ Bist du hoffentlich nicht! Denn was scherzhaft klingt, ist tatsächlich sehr schmerzhaft. Medizinisch gesehen bezeichnet „Frostbeule“ ein durch starke Unterkühlung geschädigtes Gewebe, etwa an den Fingern, den Zehen und am Ohr. Schon im achten Jahrhundert sprachen die Menschen bei großer Kälte von frost, ähnlich alt ist der Ausdruck būilla für eine Schwellung. Das Winterwort „Frostbeule“ kannten sie damals noch nicht, wohl aber die Schmerzen in Fingern und Zehen. Brrr!

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