Das Partizip in der deutschen Grammatik einfach erklärt

Was ist ein Partizip? Erfahre, wie Partizip 1 und Partizip 2 im Deutschen gebildet und verwendet werden.

Das Partizip gehört zu den zentralen, aber oft als schwierig empfundenen Formen der deutschen Grammatik. Es nimmt eine Sonderrolle ein, da es Eigenschaften von Verben und Adjektiven verbindet und vielseitige Funktionen hat. Es stammt zwar vom Verb ab, beschreibt aber oft ein Nomen näher oder hilft dabei, Zeitformen zu bilden.

Ob Deutschlernende oder Muttersprachler, die ihre Grammatikkenntnisse auffrischen möchten – dieser Artikel geht darauf ein, was ein Partizip überhaupt ist und wie sich Partizip 1 und Partizip 2 unterscheiden. Er soll ein klares Grundverständnis schaffen und anhand von Beispielen und kurzen Übungen zeigen, wie die Partizipialformen im Deutschen funktionieren.

Was ist ein Partizip?

Definition und Funktion des Partizips

Das Wort Partizip stammt aus dem Lateinischen (participium) und bedeutet „Beteiligungsform“. In der deutschen Grammatik bezeichnet es eine besondere Verbform, die zwischen Verb und Adjektiv steht.

Ein Partizip beschreibt entweder:

  • eine laufende Handlung
  • einen abgeschlossenen Vorgang
  • oder einen daraus resultierenden Zustand

Dabei kann es wie ein Adjektiv vor einem Nomen stehen.

Beispiele:

  • der lachende Mann
  • das geschriebene Buch

Die Wörter lachend und geschrieben stammen von Verben, übernehmen im Satz aber eine beschreibende Funktion ähnlich einem Adjektiv.

Unterschied zwischen Partizip und anderen Verbformen

Ein wichtiger Unterschied zu normalen Verbformen ist, dass Partizipien nicht konjugiert werden. Sie verändern sich nicht nach Person oder Zeit.

Vergleich:

  • ich lache
  • du lachst
  • er lacht

aber: der lachende Mann

Partizipien können daher nicht allein das Prädikat eines Satzes bilden. Stattdessen werden sie ergänzend verwendet, zum Beispiel als Attribut oder Bestandteil zusammengesetzter Zeiten.

Verwendung in der deutschen Grammatik

Partizipien werden im Deutschen in mehreren zentralen Bereichen eingesetzt:

  • zur Bildung der Vergangenheit (Perfekt, Plusquamperfekt)
  • zur Bildung des Passivs
  • zur Verkürzung von Relativsätzen
  • zur Beschreibung von Nomen

Wer Partizipien sicher beherrscht, kann präzisere Sätze bilden und seine Texte durch mehr stilistische Variation bereichern.

Was ist das Partizip 1 (Partizip Präsens) einfach erklärt?

Bildung des Partizip 1

Die Bildung des Partizip 1, auch Partizip Präsens genannt, ist sehr regelmäßig und daher leicht zu lernen. Man hängt an den Infinitiv des Verbs einfach die Endung -d an.

Beispiele:

  • laufen > laufend
  • sprechen > sprechend
  • arbeiten > arbeitend

Ob das Verb regelmäßig oder unregelmäßig ist, spielt dabei keine Rolle. Die Form bleibt immer gleich.

Partizip 1: Verwendung und Beispiele im Satz

Das Partizip 1 beschreibt eine Handlung, die gleichzeitig mit der Handlung des Hauptverbs stattfindet. Es hat meist eine aktive Bedeutung.

Beispiele:

  • Der singende Vogel sitzt auf dem Baum.
  • Die lesende Frau wartet im Café.

Dieser Tipp hilft dir, das Partizip 1 zu erkennen: Man kann es fast immer durch einen Relativsatz mit „der/die/das … der gerade …“ ersetzen.

Beispiel: Die Frau, die liest, wartet im Café.

Partizip 1 in Adjektivform

Wird das Partizip 1 wie ein Adjektiv verwendet, muss es dekliniert werden. Es richtet sich dann nach Genus, Numerus und Kasus des Nomens.

Beispiele:

  • ein lachender Mann
  • eine lachende Frau
  • ein lachendes Kind

Was ist das Partizip 2 (Partizip Perfekt) einfach erklärt?

Bildung des Partizip 2

Die Bildung des Partizip 2, auch Partizip Perfekt genannt, ist komplexer, da sie von der Verbklasse abhängt.

Regelmäßige Verben bilden das Partizip 2 mit: ge- + Verbstamm + -t

Beispiele:

  • machen > gemacht
  • lernen > gelernt

Unregelmäßige Verben bilden es meist mit: ge- + Verbstamm + -en

Beispiele:

  • gehen > gegangen
  • sehen > gesehen

Bei Verben mit Präfix entfällt das ge- oder steht zwischen Präfix und Verbstamm:

  • besuchen > besucht
  • ankommen > angekommen

Anwendung in der Vergangenheit und im Perfekt

Das Partizip 2 ist zentral für die Bildung der zusammengesetzten Zeiten.

Beispielsätze im Perfekt:

  • Ich habe gegessen.
  • Sie ist gefahren.

Beispielsatz im Plusquamperfekt:

  • Er hatte geschlafen.

Außerdem ist das Partizip 2 unverzichtbar für das Passiv:

  • Der Brief wird geschrieben.
  • Das Haus wurde gebaut.

Beispiele und häufige Verben

Zu den besonders häufigen Partizip-2-Formen gehören:

  • gewesen
  • gehabt
  • gemacht
  • gesagt
  • gefunden

Gerade diese Formen sollten früh automatisiert gelernt werden, da sie im Alltag sehr oft vorkommen.

Vergleich: Partizip 1 und Partizip 2

MerkmalPartizip 1 (Partizip Präsens)Partizip 2 (Partizip Perfekt)
Zeitliche Bedeutunggleichzeitig, andauerndabgeschlossen, vergangen
Grundbedeutungaktiv, handelndoft passiv oder zustandsbeschreibend
BildungInfinitiv + -dge- + Stamm + -t / -en (je nach Verb)
Beispiel Verblachen > lachendlachen > gelacht
Typische VerwendungBeschreibung laufender HandlungenPerfekt, Plusquamperfekt, Passiv
Verwendung als Adjektivsehr häufigsehr häufig
Deklination möglichjaja
Ersetzbar durch Relativsatzjaja

Beispiele im direkten Vergleich

Partizip 1:

Der singende Vogel sitzt auf dem Baum. > Der Vogel, der singt, sitzt auf dem Baum.

Partizip 2:

Der geschriebene Brief liegt auf dem Tisch. > Der Brief, der geschrieben wurde, liegt auf dem Tisch.

Merke dir:

  • Partizip 1 beschreibt, was gerade passiert.
  • Partizip 2 beschreibt, was schon passiert ist oder abgeschlossen wurde.

Typische Lernfalle: Partizip 1 oder 2?

Viele Lernende verwechseln die beiden Formen, weil beide wie Adjektive aussehen. Eine hilfreiche Kontrollfrage ist:

  • Geht es um eine laufende Handlung? Dann handelt es sich um Partizip 1.
  • Geht es um ein Ergebnis oder einen abgeschlossenen Vorgang? Dann handelt es sich um Partizip 2.

Beispiel:

  • der fahrende Zug (der Zug ist gerade unterwegs)
  • der gefahrene Zug (der Zug ist bereits gefahren)

Übungen zum Partizip

Übung 1: Partizip 1 bilden

Bilde das Partizip 1 der folgenden Verben:

  • hören
  • tanzen
  • arbeiten

Lösungen:

  • hörend
  • tanzend
  • arbeitend

Übung 2: Partizip 2 einsetzen

Setze das richtige Partizip 2 ein:

Ich habe den Film ___ (sehen).
Das Buch wurde ___ (lesen).

Lösungen:

  • gesehen
  • gelesen

Übung 3: Satz umformulieren

Forme den Relativsatz in eine Partizipialkonstruktion um:

Der Mann, der dort steht, ist mein Lehrer.

Lösung: Der dort stehende Mann ist mein Lehrer.

Zusätzliche Ressourcen für das Lernen

Um die Partizipialformen und ihre Verwendung zu festigen, könntest du Verbtabellen mit Partizip 1 und 2 zu konsultieren. Eine noch effektivere Lernmethode ist, deutsche Texte zu lesen und zu versuchen, die Partizipien zu erkennen.

Zusammenfassung: Was ist ein Partizip?

Ein Partizip ist eine besondere Verbform mit adjektivischen Eigenschaften. Das Partizip 1 beschreibt laufende oder gleichzeitige Handlungen, während das Partizip 2 abgeschlossene Vorgänge beschreibt und für die Bildung der Vergangenheit und des Passivs verwendet wird.

Sobald du diese grundlegende Unterscheidung verinnerlicht hast, bist du einen großen Schritt weiter hin zu vielseitigen Texten und einem besseren Leseverständnis im Deutschen.

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